Panasonic Lumix DMC-TZ101 Superzoom mit 1-Zoll-Sensor

Immer mehr Hobbyfotografen begeistern sich für Kompaktkameras mit einem 1 Zoll großen Sensor, weil sie hohe Bildqualität in Kombination mit einem möglichst kleinen und leichten Gehäuse zu schätzen wissen. Nun ist Panasonic endlich wieder aktiv geworden und hat eine entsprechende Kamera mit einem großen Brennweitenbereich (25-250 mm) geliefert. Ich hatte schon zuvor von der Sony RX100-IV und der neuen Nikon DL24-85 geschrieben. Beides erstklassige Kompaktkameras mit einem universellen Brennweitenbereich. Der fehlende starke Telebereich dieser Kameras ist begründet, denn je größer der Brennweitenbereich ist, desto mehr Abstriche bei der Bildqualität (Randunschärfen, Vignettierung) und der Offenblende (kleinere Offenblende, “langsames” Objektiv) muss man inkauf nehmen.

Die Panasonic Lumix DMC-TZ101 spricht jedoch eine andere Zielgruppe an. Sie ist nicht in erster Linie für High-End- und Action-Fotografie gedacht, sondern legt den Schwerpunkt eher auf Urlaubs- und Landschaftsaufnahmen. Wer meistens bei guten Lichtverhältnissen fotografieren möchte, auf lange Brennweiten Wert legt und mit den Bildqualitäts-Mankos eines Superzoom-Objektives kein Problem hat, findet in der DMC-TZ101 ein durchaus interessantes Modell. Speziell in der Outdoorfotografie bei ausreichendem Licht wird man damit sehr gute Ergebnisse erzielen. Im Vergleich zu herkömmlichen Superzoom-Kompaktkameras hat die neue Panasonic jedenfalls die Nase deutlich vorne.

blog_2016_04_06

Dank ihres großen Sensors ist sie fast 2 Blendenöffnungen schneller als eine vergleichbare Superzoom mit 1/2,3-Zoll Sensor (wie z.B. der Panasonic TZ61). Der 1-Zoll Sensor, der wesentlich mehr Licht einfangen kann, sorgt außerdem für ein spürbar geringeres Bildrauschen bei hoher Empfindlichkeit (ISO). Das ist nicht nur bei schlechten Lichtverhältnissen wichtig, sondern auch besonders beim Einsetzen des Teleobjektivs. Denn gerade wegen des starken Zooms und der Kompaktheit ist das Objektiv der DMC-TZ101 relativ “langsam”, wie es eben bei Superzoom-Kameras üblich ist. Mit einem Offenblendenbereich von 2,8 (Weitwinkel) bis 5,9 (Tele) ist man im Telebereich, in dem man ohnehin kurze Verschlusszeiten benötigt, auf eine hohe Empfindlichkeit angewiesen. Der 1-Zoll-Sensor sorgt hier für mehr Freiraum, denn er kann erfahrungsgemäß bis ISO 800 eine hohe Qualität erreichen und sogar bis ISO 3200 noch ansprechende Bilder erzeugen. Im starken Telebereich verlieren die Bilder zwar (aufgrund der kompakten Optik) sichtbar an Detailschärfe, sind aber immer noch deutlich besser als die Ergebnisse anderer Travelzoom-Kompaktkameras.

Die Kamera ist trotz des Zoomobjektives nur wenig größer und schwerer als die kleinste Kompaktkamera dieser Art, die Sony RX100. Mit einer Größe von 111 x 65 x 44 mm und 310 Gramm kann sie noch bequem in einer Jackentasche transportiert oder an den Gürtel gehängt werden.

Die Video-Bildqualität der Kamera ist erstklassig. In FullHD-Auflösung erreicht sie die Qualität der konkurrierenden Modelle. Sie filmt mit 50 Bildern pro Sekunde (AVCHD), kann jedoch im High-Speed-Modus Videos mit 100 Bildern/Sek. aufnehmen (dies allerdings begrenzt auf eine Dauer von ca. 7 Minuten, ohne Ton, sowie mit fixiertem Fokus und Zoom). Im 4k-Modus haben die Videos eine beeindruckende Schärfe und Detailtiefe. Die Bildwiederholfrequenz liegt hier bei 25 Bildern/Sek. Beim Filmen wird jedoch nicht der Sensor in seiner vollen Größe ausgelesen, sondern nur ein Ausschnitt. Im FullHD ist der Beschnitt geringfügig, im 4k-Modus deutlich stärker. Es gibt derzeit keine Kompaktkamera, die beim Filmen den vollen Sensor ausliest (Ausnahme: die demnächst erscheinende RX100-V). Eine Kamera, die den vollen Sensor ausliest, würde eine etwas bessere Bildqualität liefern (da sie aus mehreren Bildpunkten das optimale Ergebnis berechnen kann), besonders bei schlechten Lichtverhältnissen. Durch den Beschnitt ändert sich der Brennweitenbereich beim Filmen auf 26-260mm (FullHD) bzw. 37-370mm (4k). Dadurch verliert man im 4k-Modus leider das tolle Weitwinkel.

Die Kamera hat beim Videofilmen jedoch Schwierigkeiten mit dem Scharfstellen. Der Autofokus neigt dazu, beim Filmen nach dem Objekt zu suchen, was dazu führt, dass das Bild regelmäßig geringfügig die Schärfe verliert. Auch wenn der Effekt nicht allzu extrem ist, ist das in meinen Augen das größte Manko an der Kamera. Wer auf gestochen scharfe Videos Wert legt, sollte also lieber manuell scharfstellen (ich nutze dazu den recht praktischen AF/AE-Lock Knopf für das Fixieren des Autofokus).

Der optische Bildstabilisator funktioniert sehr gut. Nur bei horizontalen Kameraschwenks hat er Schwierigkeiten, hier ist im Video ein leichtes Ruckeln zu sehen. Wenn man im Telebereich filmt, sollte man ein Stativ verwenden oder die Kamera auflegen. Ein Mikrofoneingang fehlt leider, doch das eingebaute Stereo-Mikrofon liefert verhältnismäßig ordentliche Ergebnisse. Ein nettes Feature ist die Zeitraffer-Videofunktion, die Zeitraffervideos mit bis zu 4k-Auflösung erzeugen kann.

Leider fehlt der Kamera ein Klappdisplay, was ich als große Behinderung empfinde, weil es bodennahe oder Über-Kopf-Aufnahmen sehr erschwert. Ein Phasendetektions-Autofokus wurde nicht eingebaut (wie bei fast allen anderen Herstellern mit Ausnahme von Nikon). Dafür setzt Panasonic auf die so genannte Depth-From-Defocus-Technologie, die dem PD-AF ähnlich ist und jedenfalls schneller ist, als der herkömmliche Kontrast-Autofokus. Außerdem verfügt die DMC-TZ101 über einen Touchscreen (der z.B. für die Wahl des Fokuspunktes nützlich ist, aber meiner Meinung nach trotzdem verzichtbar wäre). Ein elektronischer Sucher ist ebenfalls eingebaut, dessen Größe und Auflösung zwar nicht herausragend ist, der aber durchaus bei hellem Umgebungslicht ein nützliches Hilfsmittel darstellt. Ein weiteres interessantes Feature ist der aktivierbare elektronische Verschluss, der völlig geräuschlos ist und Verschlusszeiten bis zu 1/16.000 s ermöglicht. Mit aktivem elektronischen Verschluss kann man jedoch den Blitz nicht nutzen und muss auf den so genannten Rolling-Shutter-Effekt achten (was aber nichts mit der Kamera zu tun hat, sondern eine grundsätzliche technische Einschränkung beim elektronischen Verschluss ist). Ansonsten bietet die Kamera den üblichen Funktionsumfang, inklusive eingebautem Blitz, RAW-Format und Wi-Fi.

Als besonderes Feature preist Panasonic den so genannten Post Fokus an. Dadurch hat man die Möglichkeit, quasi ein Bild nachträglich scharfzustellen. Das funktioniert, indem die Kamera vom Motiv eine Bildserie mit wechselndem Fokuspunkt macht. Hinterher kann man dann das Bild mit der gewünschten Schärfeebene auswählen. Die Technik dahinter ist jedoch recht unspektakulär. Die TZ101 nutzt dafür lediglich die 4k-Videofunktion, macht also 30 Bilder/s in 4k-Auflösung. Dadurch sind die Aufnahmen auf ca. 3504 x 2336 Pixel (im Gegensatz zu 5472 x 3648 Pixel im normalen Foto-Modus) und das JPG-Format beschränkt. Außerdem funktioniert das Ganze nur gut bei statischen Objekten, die sich möglichst wenig bewegen. Deshalb finde ich die Funktion eher überflüssig.

Auch wenn aufgrund des hohen Brennweitenbereichs des Objektives die Bildschärfe bei Fotos erwartungsgemäß nicht an die 1-Zoll-Konkurrenz heranreicht, übertrifft sie alle anderen Superzoom-Kompaktkameras mit kleinerem Sensor eindeutig. Die Videoqualität ist erstklassig. Was mich stört sind die Probleme mit dem Autofokus beim Filmen und die kleinen Einschränkungen, wie der Video-Bildstabilisator, die Beschränkungen bei der FullHD-Highspeed-Videofunktion, die schwache Umsetzung des Post Fokus. In solchen technischen Grenzsituationen ist ein Hersteller wie Sony immer einen Schritt voraus. Auch finde ich sehr schade, dass Klappdisplay und Mikrofoneingang fehlen. Trotz der genannten Schwächen der DMC-TZ101 halte ich die Kamera bei Urlaubsfotografie und -filmerei für sehr interessant. Bild- und Videoqualität überzeugen und der Funktionsumfang der Kamera ist enorm. Der Preis von 700 Euro (Stand 04/2016) ist angemessen. Wer noch bessere Qualität will (Sony RX100-IV/V) muss dann auch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

blog_2016_03_24_02

Das könnte Dich auch interessieren …

2 Antworten

  1. Benny sagt:

    Ich bin kein Video Filmer. Das ist für mich die beste Urlaubs Kamera. Super daß du die hier vorgestellt hast! Ich war mir bis jetzt gar nicht bewußt über die 1 Zoll Kameras und was das für ein Unterschied ist. Klappdisplay wäre natürlich schön aber darauf kann ich zur Not verzichten. Weiter so! Ich les deine Kamera Artikel immer mit großen Interesse

  2. Horst sagt:

    Ich habe mir die Kamera als Zweitkamera ( Immer-dabei-Kamera) neben meiner DSRL-Vollformat-Ausrüstung zugelegt. Dem oben beschriebene Testurteil kann ich nur zustimmen. Allerdings wird nirgends darauf hingewiesen, dass die Bearbeitung der RAW-Dateien ein Problem darstellt, wenn man nicht das entsprechende Bildarbeitungsprogramm hat. Ich besitze CS6. Damit läst sich das entsprechende RAW-Modul und nicht aktuell updaten. Update-Möglichkeiten besteht nur incl. Vers. 9.1.1.. Derzeit gehe ich den Umweg über den ADOBE-DNG-Konverter. Ein weiterer Punkt ist, dass Panasonic sich mehr Mühe mit der Bedienungsanleitung geben sollte. Die beiliegende Bedienungsanleitung dürfte für Fotografenanfänger absolut nicht ausreichend sein. Und das zum Downloaden zur Verfügung gestellte Bildbearbeitungsprogramm ist von der Menüführung der wirklich nicht Brüller.
    Beste Grüsse
    Horst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.