Sony kündigt Kompaktkamera RX100-IV an

Gestern hat Sony seine neuen Digitalkamera-Modelle für 2015 vorgestellt. Wie auch in den letzten Jahren gab es einige unerwartete und fast schon revolutionäre technische Neuerungen. Interessant ist das für Fotografen und Videofilmer mit kleinem Gepäck vor allem deshalb, weil mit der RX100-IV eine neue superkleine Kompaktkamera vorgestellt wurde, die erstaunliches im Foto- und Videobereich leisten kann und dadurch manch schwere Spiegelreflex- oder Systemkameraausrüstung ersetzen kann.

Das Modell RX100 wurde in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert bis hin zur jetzt neuen Version 4. Ich verwende zurzeit die RX100 der ersten Generation, die bereits eine fantastische Bildqualität und sehr gute Videoaufnahmen in FullHD liefert. Die RX100-IV hat jedoch einige Features, die noch einmal eine deutliche Verbesserung darstellen:

  • Ein verbesserter Bildprozessor verringert das Bildrauschen im hohen ISO-Bereich (also bei schlechtem Licht).
  • Verbesserter Autofokus.
  • Videos können nun in 4k-Auflösung mit 25p aufgenommen werden. Wegen der Wärmeentwicklung ist die Länge von 4k-Videos jedoch auf 5 Minuten begrenzt (was für mich völlig ausreichen würde). Die meisten werden sagen, FullHD reicht völlig aus. Durch die viermal so hohe Auflösung bei 4k hat man aber die Möglichkeit, im Video Ausschnittsvergrößerungen zu machen. Außerdem können aus dem Videostream Fotos mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln extrahiert werden. Das entspricht einer Auflösung von ca. 8 Megapixeln!
  • Im FullHD-Videomodus kann die Kamera extreme Zeitlupenaufnahmen machen. Konkret heißt das, es sind Filmaufnahmen mit 100 Bildern pro Sekunde möglich, bei leicht reduzierter Pixelgenauigkeit sogar bis zu 1000 Bilder pro Sekunde! Die Aufnahmen mit dieser Bildrate sind jedoch zeitlich (auf 2 bis 4 Sekunden, je nach Qualitätsmodus) begrenzt.
  • Der elektronische Verschluss erlaubt Verschlusszeiten von bis zu 1/32.000 Sekunde. Das ist besonders interessant, wenn man bei starker Helligkeit Fotos mit offener Blende (geringer Tiefenschärfe) machen will, oder extrem schnell bewegte Objekte scharf darstellen will.
  • Die Kamera hat im Vergleich zur ersten Generation ein bis zu 180° neigbares Display (ideal für Selbstauslöser-Fotos) und einen elektronischen Sucher. Außerdem ist das Objektiv im Telebereich deutlich lichtstärker.
  • Man kann im Burst-Modus Serienbilder mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Bildern pro Sekunde schießen.
  • Man kann Sony-Apps auf die Kamera installieren und sie dadurch um ein paar interessante Funktionen erweitern. Interessant ist für mich insbesondere die Zeitraffer-App, mit der man nicht nur Zeitraffer-Videos erstellen kann, sondern die man auch als erweiterte Selbstauslöser-Funktion missbrauchen kann.
  • Der Sucher hat eine verbesserte Auflösung von 1024×768 Pixeln (im Vergleich zu 800×600 bei der RX100-III)

Möglich wird die hohe Geschwindigkeit dieser Kamera dadurch, dass Sony den internen Speicher direkt auf den Sensor montiert hat. So können mit sehr hoher Geschwindigkeit Bilddaten zwischengespeichert werden, bevor sie nach und nach auf die Speicherkarte geschrieben werden.

Einen Haken hat die Sache natürlich, und das ist der Preis. Für etwa 1100 EUR wird die Kamera im August erhältlich sein. Ein sehr stolzer Betrag! Im Gegenzug werden die Vorgängermodelle mit Sicherheit im Preis nachgeben. Ich werde mir deshalb die neue RX100-IV frühestens nächstes Jahr noch einmal ansehen.

Sony hat es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, andere Kamerahersteller in Bezug auf Innovation alt aussehen zu lassen. Canon, Nikon und andere Große haben sich längst auf den Spiegelreflexmarkt zurückgezogen und leisten im Kompakt- bzw. Systemkameramarkt nicht mehr viel. Selbst Panasonic, die mit ihrer Lumix-Reihe immer wieder versuchen mit Sony mitzuhalten, werden abgehängt.

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4 Antworten

  1. Martin sagt:

    Hey Andi, kaum sprachen wir darüber, ist sie auch schon da. Aber die Features reißen mich nicht um, Superzeitlupe für über 1000 EUR – na ja. Etwas mehr Tele (ohne den Weitwinkel dabei zu kürzen) oder gar ein Touchscreen – das hätte mich gereizt. Wahrscheinlich werd’ ich nun eher mal schauen, ob der Preis des Vorgängermodells nun deutlich sinkt, denn das reicht mir bestimmt. VG Martin

    • Gletschersau sagt:

      Ja, der Preis ist pervers. Fairerweise muss man aber sagen, dass man mit dem Gerät einen hochwertigen Fotoapparat und eine hochwertige Videokamera ablösen kann. Eine Digicam mit 1″-Sensor in dieser Qualität und eine Videokamera mit 4k-Recording und Superzeitlupe würden einzeln viel mehr kosten, viel größer sein und viel mehr wiegen. Wenn man die Features jedoch nicht braucht, macht die RX100-IV nicht viel Sinn. Dann lieber das Vorgängermodell RX100-III. Etwas mehr Brennweite im Telebereich und ein Touchscreen fände ich auch sinnvoll.

  2. Georg sagt:

    Hey Andi,
    Um deine Kritik zumindest Richtung Canon etwas zu entkräften:
    Ich habe mir im letzten Jahr eine Canon PowerShot S120 zugelegt und muss sagen, ich bin immer noch platt, was diese kleine Cam alles kann! Sicherlich ist sie kein Vergleich zur Sony (zumal auch schon etwas länger auf dem Markt), aber definitiv eine Alternative zur DSLR. Für mich ist sie gerade durch ihre 1.8er Blende und verschiedene Features, wie diverse Starlaps- und HDR-Modi und Manual Focus (was ich bei den meisten anderen Cams echt vermisse) interessant geworden. Und im Gegensatz zur RX100-IV ist sie mit einem Drittel deren Preises wirklich bezahlbar.
    Wer 4K und Tele in einer Kompaktkamera sucht, wird hier sicherlich nicht so sehr auf seine Kosten kommen und doch tiefer in die Tasche greifen müssen. Aber für alle anderen finde ich sie wirklich empfehlenswert und für meine Anforderungen ideal!
    LG,
    Georg

    • Gletschersau sagt:

      Die Canon-Kameras sind sicher auch nicht schlecht und machen sehr gute Bilder, besonders wenn man sich die Powershot G-Reihe anschaut. Habe ja selbst jahrelang mit diesen Fotografiert und gefilmt (G7, G11, G12). Was mich an Canon immer gestört hat ist, dass die Kameras einfach sehr langsam sind (für Sportfotografie unbrauchbar) und besonders im Low Light-Bereich der Autofokus nichts taugt und das Bildrauschen stark ist. Da haben Hersteller wie Sony und Panasonic Canon vor Jahren überholt und der Abstand wird immer größer, weil Canon im Kompaktbereich kaum mehr Innovationen bringt. Wenn ich weniger Geld ausgeben wollte, würde ich eher zur Sony WX500 (390 EUR) oder Sony HX90V (450 EUR) greifen. Das lustige Video hier bringt es ganz gut auf den Punkt:
      https://www.youtube.com/watch?v=LO7rxitFLZg

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