Kompaktkamera Sony RX100 Mark VII – Top oder Flop?

Sony bringt im August eine neue Kompaktkamera der Serie RX100 heraus – das siebte Modell “Mark VII”. Welche Neuerungen stecken in dem Winzling? Ist diese Kamera ihr Geld wert? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Die Sony RX100-VII ist eine Weiterentwicklung der RX100-VI. Das heißt, sie ist ebenfalls eine Reise- und Vlogging-Kamera mit Superzoom-Objektiv 24-200 mm/f2,8-4,5, doch sie hält ein paar Veränderungen bereit. Die Vorgängermodelle RX100-V und RX100-VI zu übertreffen dürfte nicht leicht sein, denn beide Kameras waren in Bezug auf die technische Ausstattung exzellent. Ich möchte in diesem Artikel nicht auf den vollen Umfang der Features eingehen, denn diese habe ich auf den verlinkten Seiten schon ausführlich erläutert. Hier soll es nur um die Änderungen gehen, sowie um die nicht erfüllten Erwartungen.

Echtzeit-Motivverfolgung und Augen-Autofokus

Durch den neuen Prozessor kann die Kamera in Echtzeit beim Fotografieren und Filmen Motive verfolgen. Die Motive lassen sich sogar über den Touchscreen auswählen. Die Motivverfolgung arbeitet standardmäßig mit Gesichts- und Augenerkennung, wobei die Augenerkennung bevorzugt wird. Dies geschieht ebenfalls in Echtzeit, was eine bemerkenswerte Leistung ist. Der Autofokus passt die Schärfe 60-mal pro Sekunde an, was absolut fantastisch ist. Diese Autofokus-Qualität wird sonst nur von einigen teuren Wechselobjektiv-Profikameras erreicht. In der Praxis fand ich den Autofokus der Vorgänger Mark V und VI schon herausragend, doch hier hat Sony noch eine Schippe draufgelegt.

Neuer Sensor

Der BIONZ X Exmor RS CMOS-Sensor ist eine Neuentwicklung, die verbesserte Bildqualität, besseren Dynamikumfang und schnellere Bildverarbeitung ermöglicht.

Mikrofoneingang

Für Video-Blogger und Freunde der Filmaufnahmen gibt es eine erfreuliche Neuerung: Endlich ist die Kamera mit einer Mikrofonbuchse ausgestattet! Bekanntlich ist die Tonqualität der eingebauten Mikrofone sehr begrenzt. Für hochwertige Tonaufnahmen braucht man ein externes Mikrofon. Dank des Mikrofoneingangs spart man sich nun das Hantieren mit einem separaten Audio-Aufnahmegerät und das anschließende Synchronisieren der Tonspuren in der Nachbearbeitung. Ein sehr hilfreiches und überfälliges Feature. Und dabei wurde die Kamera weder größer noch schwerer.
Da die Kamera über keinen Blitzschuh verfügt, muss man das externe Mikrofon auf einer eigenen Schiene oder einem Rahmen befestigen, den man am Stativgewinde festschrauben kann.

4k-Videos digital stabilisiert

Auch für 4k-Videos steht nun ein digitaler Bildstabilisator zur Verfügung. Bei den Vorgängern gab es diese Option nur für FullHD (1080p). Wer also mit 4k-Auflösung filmt, wird diese Erweiterung zu schätzen wissen. Denn nun kann man auch im 4k-Modus aus der Hand filmen, ohne dass die Videos zu sehr verwackelt sind. Ein Gimbal kann diese Funktion noch nicht ersetzen, aber eine spürbare Verbesserung bringt es allemal. Der Effekt ist vergleichbar mit der bisherigen Stabilisierung im FullHD-Modus, die ich in diesem Video getestet habe. Zu beachten ist, dass der Bildausschnitt bei aktiviertem digitalen Stabilisator um etwa 5% verringert ist.

4k HDR

Im 4k-Videomodus kann der hohe Dynamikumfang (High Dynamic Range – HDR) aktiviert werden. Dadurch erreicht man mehr Spielraum in der Nachbearbeitung, da sowohl in den dunklen als auch in den hellen Bildbereichen eine bessere Zeichnung vorhanden ist.

Serienbild mit bis zu 90 Bildern pro Sekunde

Während sich der Standard-Serienbildmodus nicht verändert hat, kann man nun ganz kurze Sequenzen (7 Bilder in Folge) mit bis zu 90 Bildern pro Sekunde fotografieren. Der praktische Nutzen ist fraglich, aber interessant ist diese Option dennoch.

Hochformat-Videos

Bei Aufnahmen in Hochformat, wie man sie für einige soziale Medien und auf dem Smartphone brauchen kann, werden nun Videoaufnahmen korrekt in den Metadaten gekennzeichnet. Das erleichtert die Nachbearbeitung und Veröffentlichung. Wer’s braucht…

Nicht erfüllte Erwartungen

Für den Nachfolger der Mark V/VI hätte ich mir einige Verbesserungen gewünscht, die ich (in Bezug auf den heutigen Stand der Technik) für realistisch und auch für wichtig halte.

So hat die Kamera immer noch einen veralteten USB 2.0-Anschluss, was heute ein Unding ist. USB 3 ist seit über 2 Jahren Standard und keiner braucht mehr das Gefummel und die langsame Datenübertragungsrate des alten USB 2-Standards. Zum Übertragen der Daten nimmt man normalerweise die SD-Karte aus der Kamera und arbeitet mit einem USB 3-Adapter, insofern ist das Manko mit der Übertragungsgeschwindigkeit noch zu verschmerzen. Ärgerlicher ist das Gefummel mit dem mechanisch recht empfindlichen Mikro-USB-2-Stecker.

Man kann 4k-Videos nur mit 25/30 fps aufnehmen. Das ist nicht mehr zeitgemäß, ich hätte 60 fps (frames per second) im 4k-Modus erwartet. Schade, dass sich die Mark-VII hier nicht von den Vorgängern abhebt.

Einen der schwerwiegendsten Kritikpunkte finde ich, dass es Sony immer noch nicht geschafft hat, das grauenhafte unübersichtliche Menüsystem zu überarbeiten. An der RX100 regt mich am meisten auf, dass man sich kein richtiges benutzerdefiniertes Menü einrichten kann und dass das Menü so unlogisch und chaotisch gestaltet ist, dass ich jedes mal ewig herumsuchen muss, um selten genutzte Einstellungen zu finden.

Es gibt immer noch keine Möglichkeit, Zeitrafferaufnahmen zu machen, obwohl das softwaretechnisch kein Problem wäre und andere Hersteller diese Funktion längst standardmäßig in ihren Kameras haben. Auch einen erweiterten Selbstauslöser sucht man vergeblich, es gibt nur die drei voreingestellten Vorlaufzeiten. Nachdem die Erweiterbarkeit mit Playmemory-Apps mit der RX100-V eingestellt wurde (zurecht, weil das Handling der Apps katastrophal war), sitzt man in Bezug auf nützliche Software-Features auf dem Trockenen.

Außerdem schade finde ich, dass der Akku nicht weiterentwickelt wurde. Ich hätte mir eine höhere Kapazität gewünscht, oder zur Not einen größeren Akku, auch wenn die Kamera dadurch etwas größer geworden wäre.

Es fehlt außerdem ein eingebauter ND-Filter (Neutraldichtefilter), der in hellen Lichtsituationen Aufnahmen mit offener Blende ermöglicht. Ich selbst brauche das zwar nicht unbedingt, aber ernsthafte Fotografen werden diese Funktion vermissen.

Fazit

Die Sony RX100-VII ist wie üblich ein technisches Meisterwerk, das am Markt absolut konkurrenzlos ist. Die Kamera wurde mit Hi-Tech vollgestopft, die sonst nur in den teuersten Profikameras im Bereich der spiegellosen Systemkameras zu finden ist. In Kombination mit dem hochwertigen Superzoom-Objektiv ist sie die mit Abstand beste und hochwertigste Kompaktkamera am Markt. Doch auch die mit Abstand teuerste. Etwa 1.300 Euro wird man für den Power-Winzling berappen müssen. Dafür enttäuscht es umso mehr, dass ein paar alte Mankos immer noch nicht behoben wurden. Das meiste Zubehör (z.B. auch die Akkus) wird kompatibel zu den Vorgängern sein, da sich die Kamera ja nur im Innenleben verändert hat.

Für den engagierten Videografen, der auf Kompaktheit großen Wert legt, ist die Kamera fast “alternativlos”. Wer so viel Geld nicht ausgeben will, ist mit der RX100-VI (oder bei kleinerem Brennweitenbereich der RX100-V) ebenfalls bestens bedient.

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2 Antworten

  1. Juergen sagt:

    Hallo!
    Wie im Gottes Namen bist du auf die “Gletschersau” gekommen??? :-)
    Dein Beitrag finde ich recht bemerkenswert- deckt er sich doch auch mit meinen Erfahrungen (RX100 m4) bzw. Wünschen an Features, die sich als Standard mittlerweile etabliert haben.
    Meine RX100/4 betreibe ich als Video-Cam auf einen G6Pro FeiyuTech-Gimbal (Stabilizer), worauf noch eine kleine Powerbank zusätzlich für die Sony-Cam installiert ist. Hilft ungemein!
    Die Quali der FHD-Video-Aufnahmen ist gut und ansehlich.
    Da ich die Cam auf dem Gimbal mit einem Schnellwechsel-System (Fa. Mengs) befestigt habe, ist sie auch schnell demontierbar und somit als Fotoapparat zu benutzen.
    Das mit den 4K/60fps als heutige zeitgemäße Videoaufnahme gebe ich dir Recht- fraglich ist dann jedoch, ob die Cam die produzierte Abwärme lange aushalten würde. Nach ein paar Minuten Aufnahme wäre wohl dann Schluss, wenn man sich die Finger nicht verbrennen und Elektronik erhalten möchte.
    Zu guter Letzt ist es der Preis für eine Kompakt-Kamera (Hosentaschencam), der jenseits von “Gut und Böse” liegt… da mag auch die sehr gute Verarbeitungs- sowie Bild- und Videoqualität nicht drüber hinwegtrösten!
    Aber sei es drum- die Mitbewerber in diesem Cam-Kategorie sind ja auch preislich mit ihren Spitzen-Modellen fast in der Nähe von Sony…

    • Gletschersau sagt:

      Über die Namensfindung “gletschersau” habe ich hier kurz was geschrieben: http://www.gletschersau.de/about/
      Gimbal ist sicher eine super Idee. Da ich die Kamera jedoch viel im Outdoor-Einsatz verwende, wäre das zu unpraktisch. Zum Preis: Sehr hoch! Allerdings relativiert sich der, wenn man in Betracht zieht, welche Technik in dem kleinen Teil steckt. Da können viele System- und Videokameras, die noch viel teurer sind, nicht mithalten. Trotzdem finde ich alles jenseits der 1000 EUR bei einer Kompaktkamera sehr gewagt. Da überlegt man sich zehnmal, ob man das Ding wirklich haben muss.

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