Sony RX100 Mark V – Die beste Video-Kompaktkamera?

Während ich die letzten Videos (z.B. den Alpencross 2016 und 2017) größtenteils mit der Panasonic DMC-TZ101 gefilmt habe (teils auch mit der GoPro 5), habe ich gerade wieder einmal die Kamera gewechselt. Ich besitze nun die Sony RX100 Mark V und möchte kurz auf die Gründe für den Umstieg und meine praktischen Erfahrungen aus intensiven Tests eingehen, auch im Vergleich zur Panasonic-Kamera. Außerdem möchte ich erläutern, für wen meiner Meinung nach diese teuere Kamera Sinn macht.

Erst einmal ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen. Das lag hauptsächlich an dem fast schon unanständig hohen Preis für die RX100-V. Die Kamera ist seit Ende 2016 auf dem Markt und ist inzwischen von ursprünglich 1200 EUR auf 1000 EUR gefallen. Dennoch ist das ein Haufen Geld. So viel für eine Kompaktkamera auszugeben erscheint auf den ersten Blick irrational. Doch wenn man sich die technischen Daten einmal etwas genauer ansieht, kann man ins Grübeln kommen… Ich möchte an der Stelle auf meinen Artikel von Oktober 2016 hinweisen, in dem ich die RX100-V zum ersten Mal vorgestellt habe.

Ich neige übrigens dazu, Kameras relativ zügig wieder zu verkaufen wenn es am Markt eine für mich wichtige technische Weiterentwicklung gibt und ich noch einen guten Preis für die alte Kamera erzielen kann. Als dann die RX100-V einen knappen Tag lang bei einem großen Internethändler auf 800 EUR reduziert war, habe ich kurzerhand zugeschlagen. Die Panasonic konnte ich innerhalb von 2 Wochen für einen akzeptablen Preis verkaufen.

Verarbeitung und Ausstattung

Die RX100-V ist wie ihre Vorgänger äußerst klein und leicht, was für mich ein wichtiges Kriterium ist. Denn ich möchte die Kamera immer dabei haben, ganz besonders auch im Outdoor-Einsatz. Sie passt in eine kleine Gürteltasche (sogar in die Hosentasche) und behindert bei Aktivitäten überhaupt nicht. Das Gehäuse macht einen sehr soliden und wertigen Eindruck, die Kamera wirkt robust und gut verarbeitet. Gleiches gilt für die Bedienelemente. Sehr gut gefällt mir das Klappdisplay, das ich bei der Panasonic so schmerzlich vermisst habe. Das Display lässt sich um 180° nach oben klappen (Selfie-Modus) und um etwa 45° nach unten. Mehr braucht es auch nicht. Ich halte die Kamera selten vor das Gesicht, deshalb ist das nach oben klappbare Display eine große Erleichterung für mich. Wenn das Gehäuse jetzt noch eine Wetterversiegelung hätte, blieben keine Wünsche offen.

Die Kamera hat kein Touchdisplay, was ich aber nicht vermisse. Bei der Panasonic hatte ich das Touchdisplay deaktiviert, da ich zu oft versehentlich Einstellungen beim Filmen verändert hatte. Ich finde ergonomisch gut angebrachte Knöpfe und Rädchen angenehmer und sicherer in der Bedienung. Die USB-Schnittstelle ist leider noch nicht auf dem inzwischen aktuellen Standard USB-C. Der herausklappbare elektronische Sucher ist sehr hochwertig und funktioniert inklusive Dioptrienkorrektur einwandfrei, aber ich werde ihn nur selten verwenden. Der eingebaute Blitz wird wahrscheinlich nie zum Einsatz kommen, da ich Blitzfotos nicht mag.

Das Objektiv besticht durch seine erstklassige Lichtstärke. Die Offenblende von 1,8 – 2,8 ist der Panasonic TZ101 deutlich überlegen und ermöglicht bessere Fotos und Videos bei schlechten Lichtverhältnissen, sowie das Freistellen mit ansprechendem Bokeh. Der Zoombereich ist mit 24-70 mm etwas knapp bemessen. Das 250 mm Tele der TZ101 war schon eine feine Sache, die ich gerne genutzt habe. Allerdings kann man nicht alles haben und die Bildqualität im Telebereich war bei der kleinen Panasonic-Kompaktkamera nicht mehr optimal. Im Endeffekt hat sich gezeigt, dass mir ein hochwertiges Objektiv wichtiger ist als ein Superzoom.

Bedienung

Die Bedienung ist größtenteils intuitiv, aber etwas einarbeiten muss man sich schon. Die Kamera verfügt über sehr viele Funktionen und Einstellmöglichkeiten, die man in der Regel nur in Profi-Kameras findet. Diese müssen natürlich zugänglich sein, was die Menüs sehr umfangreich macht. Man sollte sich also unbedingt mit der Kamera auseinandersetzen, um ihr riesiges Potential ausschöpfen zu können. Als Hilfestellung hat man die Möglichkeit, einige Tasten mit verschiedenen Funktionen zu belegen. Das ist für jemanden, der nicht nur im Automatik-Modus filmt und fotografiert, auch unbedingt notwendig. Ein wenig mehr Flexibilität bei der Tastenbelegung hätte nicht geschadet. Ich hätte gerne die Möglichkeit, jede Funktion auf die frei belegbaren Tasten zu setzen. Dies hat Sony leider aus unverständlichen Gründen eingeschränkt. Trotzdem, das Wichtigste geht.

Oftmals wird die geringe Griffigkeit des glatten Kameragehäuses kritisiert und empfohlen, eine gummierte Griffbefestigung (Sony AG-R2, kostet ca. 14 EUR) auf die Vorderseite zu kleben. Auch wenn das bestimmt hilfreich ist, halte ich es für unnötig. Ich habe keine kleinen Hände, aber mit der Handschlaufe habe ich die Kamera trotzdem immer sicher im Griff.

Videoaufnahmen

Bekanntlich liegt mein Schwerpunkt auf Videoaufnahmen. Deshalb ist für mich die Videoqualität das wichtigste Kriterium. Hier ist die RX100-V meiner Meinung nach im Kompaktbereich absolut unübertroffen. Die Mängel in der Videoqualität der Panasonic TZ101 haben mich letztendlich auch zum Umstieg bewogen.

Die Sony RX100-V filmt in brillanter Qualität. Die Kamera unterstützt das Videoformat XAVC S mit dem H.264-Codec in FullHD und 4k, eine sichtbare Verbesserung (insbesondere beim Dynamikumfang und der Bildschärfe) zu MP4. Man hat zudem die Möglichkeit, das Bildprofil umfassend zu konfigurieren, um professionelle Ergebnisse zu erzielen. In Kombination mit dem schnellen und äußerst genauen PD-Autofokus macht das die RX100-V zur mit großem Abstand besten Video-Kompaktkamera. Der Autofokus ist eine der größten Stärken dieser Kamera! Bei Panasonic hat mich der miserable Autofokus sehr gestört; zu oft war sogar die Person im Vordergrund unscharf, was man in meinen Videos immer wieder beobachten kann. Das darf einfach nicht sein. Die Sony arbeitet hier absolut zuverlässig und die Gesichtserkennung funktioniert ebenfalls hervorragend. Das liegt unter Anderem daran, dass die RX100 einen Phasendetektions-Autofokus einsetzt, der in den meisten Fällen viel schneller und genauer arbeitet, als der bislang verbreitete Kontrastautofokus.

Auch in schlechten Lichtsituationen ist die Videoqualität erstaunlich gut. Auch wenn der Autofokus bei Dunkelheit naturgemäß mehr Schwierigkeiten hat, arbeitet er immer noch zuverlässiger als bei vielen anderen Kameramodellen. Sehr praktisch finde ich, dass man einstellen kann, ab welcher Verschlusszeit die Kamera anfängt, mit den ISO-Werten hochzugehen.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der Bildstabilisator. Während der optische Bildstabilisator inzwischen bei fast allen Kameras üblich ist, stößt dieser doch schnell an seine Grenzen. Der optische Stabilisator gleicht allenfalls geringe Erschütterungen aus. Sony sticht im Kompaktkamera-Bereich aus der Masse heraus, indem die Kamera zusätzlich einen digitalen Bildstabilisator bietet. Dieser bringt enorm viel! Zwar geht dies geringfügig zulasten der Bildschärfe und Brennweite (zum Ausgleichen der Erschütterungen wird der Bildausschnitt etwas verringert), doch das Ergebnis ist überzeugend. Der digitale Stabilisator kann für ruhige oder statische Aufnahmen (z.B. Landschaftsaufnahmen) auch ausgeschaltet werden. In einem kurzen Video habe ich die Funktionsweise des Bildstabilisators der RX100-V in den verschiedenen Einstellmöglichkeiten verglichen:

YouTube: Sony RX100 Mark V Bildstabilisator Test

In FullHD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) kann mit einer Bildwiederholrate von bis zu 120 fps (Bildern pro Sekunde) gefilmt werden. Mit etwas verringerter Auflösung sogar mit 240 fps und mit stärker verringerter Auflösung auch mit 480 und 960 fps, dann allerdings ohne Audio und mit fixem Fokus. Das ermöglicht beeindruckende Zeitlupenaufnahmen! In der Praxis werde ich meistens mit 60 fps filmen und einige Actionaufnahmen mit 120 oder 240 fps.

Die 4k-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) funktioniert mit bis zu 30 fps. Auch wenn man im fertigen Video 4k derzeit eher nicht braucht, eröffnet diese Auflösung doch einige Möglichkeiten. Bei 4k-Aufnahmen kann das Video in der Nachbearbeitung ohne Qualitätsverlust auf 200% gezoomt werden! Somit kann man die Brennweite der RX100 von 70 mm digital auf 140 mm erhöhen. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen! Der digitale Bildstabilisator funktioniert zusammen mit 4k jedoch nicht.

Da ich in der Regel fast nur noch filme, aber z.B. für den Alpencross-Reisebericht trotzdem Fotos benötige, hilft eine weitere Funktion der Kamera sehr: Man kann während des Filmens manuell Fotos in einer Auflösung von 17 MP machen. Die Kamera kann auch in einem einstellbaren Intervall automatisch Fotos während des Filmens schießen. Diese automatische Foto-Option werde ich auf jeden Fall nutzen.

Die Audioqualität beim Filmen ist mit den eingebauten Mikrofonen naturgemäß beschränkt, aber immerhin noch verhältnismäßig gut. Beim Filmen im Freien empfiehlt es sich, einen Windschutz über den Mikrofonen zu befestigen, um lästige Windgeräusche zu vermeiden. Das werde ich wahrscheinlich auch noch tun. Wenn es soweit ist, werde ich darüber berichten.

Fotoaufnahmen

Die Fotoqualität ist sehr gut, wie man in diversen Tests nachlesen kann. Zu erwähnen ist der zuschaltbare ND-Filter, mit dessen Hilfe man auch in einer sehr hellen Umgebung Fotos mit offener Blende schießen kann, um den gewünschten Freistellungseffekt zu erzielen. Auch Actionaufnahmen sind im Serienbildmodus mit kontinuierlichem Autofokus (315 Autofokuspunkte, Phasendetektion) mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde im RAW-Modus möglich! Die Auslöseverzögerung (Drücken des Auslösers, Fokussieren, Foto aufnehmen) ist mit sagenhaften 0,05 Sekunden extrem gering. Während bei anderen Modellen der Autofokus noch versucht scharfzustellen, hat man mit der RX100-V bereits 10 scharfe Bilder geschossen.

Wer gerne Selbstauslöser-Aufnahmen macht, ist auf eine Vorlaufzeit von 10 Sekunden limitiert. Der Selbstauslöser kann dabei bis zu 5 Bilder in Folge machen. Ansonsten bietet die Kamera unzählige Einstellmöglichkeiten und Funktionen, wie sie im professionellen Gebrauch üblich sind.

Fazit

Meiner Meinung nach ist die Sony RX100-V ganz deutlich die beste Kompaktkamera für Videografen, die derzeit erhältlich ist. Die Videoqualität zusammen mit der hohen Bildrate, dem zuverlässigen Autofokus, dem Stabilisator und dem 4k-Modus lassen kaum Wünsche offen. Die Kamera übertrifft hier sogar etliche DSLR-Modelle. Das Einzige das noch fehlt wäre ein Mikrofonausgang. Um eine professionelle Audioqualität zu erzielen, muss man auf ein externes Aufnahmegerät zurückgreifen. Auch eine Zeitrafferfunktion vermisse ich, diese kann nur durch die ziemlich umständliche Installation einer kostenpflichtigen App (Sony PlayMemories Apps) aktiviert werden. Ein größerer Zoombereich wäre schön, aber das geht immer zulasten der Bildqualität. Insofern kann ich mit dem 24-70 mm Zoom leben.

Auch als reine Fotokamera macht man mit der RX100-V nichts falsch. Besonders bei Sport- und Actionaufnahmen ist sie aufgrund ihres rasend schnellen und exakten Autofokus und der hohen Serienbildgeschwindigkeit allen anderen Kompaktkameras weit überlegen. Wer diese Art von Funktion nicht benötigt, findet sicher andere Modelle zu einem wesentlich günstigeren Preis. Natürlich gibt es Modelle mit größerem Zoombereich und trotzdem guter Bildqualität, aber dafür braucht es ein deutlich größeres Objektiv (Durchmesser) und das macht eine Kamera wesentlich klobiger und schwerer. Wer eine kompakte Hosentaschen-immer-dabei-Kamera braucht, wird die RX100 zu schätzen wissen.

Dieses technische Hochleistungspaket ist entsprechend energiehungrig und der Originalakku mit 1240 mAh wird unter Vollast (besonders beim 4k-Filmen) relativ zügig leergesaugt. Im normalen Betrieb und mit deaktiviertem WLAN sieht die Sache aber schon viel besser aus. Trotzdem ist die RX100-V ganz sicher nicht Sieger im Akku-Langlauf und es empfiehlt sich, immer 1-2 geladene Ersatzakkus dabeizuhaben.

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