GoPro Hero 8 vs. GoPro Hero 7 – Lohnt sich der Kauf?

Anfang Oktober hat GoPro wieder einmal ein neues Modell der Hero-Serie herausgebracht: Die GoPro Hero 8. Ich möchte wie gewohnt einen kritischen Blick auf die Neuerungen und Veränderungen insbesondere im Vergleich zum Vorgänger, der Hero 7, werfen. Uns alle interessiert brennend, ob es sich lohnt, die teuere Actioncam zu kaufen.

Wir erinnern uns an meinen letzten Beitrag zur GoPro Hero 7, hier hatte sich vor allem die Bildstabilisierung extrem verbessert. Die Hero 8 hat sich in noch anderen Bereichen verändert:

Gehäuse

Die wohl auffälligste Neuerung ist, dass die GoPro Hero 8 nun ohne zusätzliches Gehäuse verwendet werden kann. Das Gehäuse war bei der Hero 7 nötig, da es die GoPro-typischen Befestigungslaschen enthielt. Das hat vor allem den Akkuwechsel sehr erschwert, da man vorher umständlich das Gehäuse entfernen musste. Diese Befestigungslaschen sind bei der Hero 8 in die Kamera integriert und können einfach ausgeklappt werden. Dadurch ist das lästige Gehäuse unnötig geworden, die Akkus können nun mit einem Handgriff gewechselt werden. Ansich eine gute Idee, die jedoch einen Nachteil mit sich bringt: Die Stabilität dieser Haltelaschen ist nicht optimal, da sie nicht vollkommen starr sind, wie es beim Gehäuse der Fall ist. Bei starken Erschütterungen führt das dazu, dass die Kamera mehr wackelt. Dies kann HyperSmooth zwar ausgleichen, dennoch sind zusätzliche Erschütterungen immer ein Nachteil.

Das Akku-Fach (inkl. Fach für die Speicherkarte und Anschluss für das Ladekabel) befindet sich nun seitlich am Gehäuse.

Die ausklappbare Halterung ist übrigens in der Kamera verschraubt und kann ausgewechselt werden, falls sie abbrechen würde. Wem diese integrierte Halterung zu windig ist, der hat die Möglichkeit, ein Gehäuse als Sonderzubehör zu bestellen. Achtung: Das Gehäuse der Hero 7 passt nicht, da die Kamera eine andere Form hat.

HyperSmooth 2.0 und Boost

Die Stabilisierung der Kamera wurde weiter verbessert und nennt sich nun “HyperSmooth 2.0”. Der Unterschied zwischen HyperSmooth 2.0 der Hero 8 und HyperSmooth der Hero 7 ist jedoch kaum sichtbar. Nur im 4k-Modus wirkt der Stabilisator spürbar besser. HyperSmooth ist jetzt außerdem in allen Auflösungen und Bildwiederholraten verfügbar.

HyperSmooth Boost macht jedoch einen merklichen Unterschied. Hier ist die Bildstabilisierung nochmal deutlich verstärkt. Dafür verkleinert die Einstellung den Bildausschnitt noch mehr. Meiner Meinung nach ist die Stabilisierung im Boost-Modus etwas zu extrem. Es sieht praktisch aus wie ein Drohnen-Flug. In bestimmten Situationen kann dieser Effekt toll sein, wie z.B. wenn man jemanden filmt, der beim Mountainbiken vorausfährt. In normalen Situationen lässt diese übertriebene Stabilisierung das Video aber etwas unrealistisch aussehen.

Bild- und Audioqualität

Die Bildqualität hat sich im Vergleich zum Vorgänger nur geringfügig verbessert. Da der gleiche Sensor wie in der Hero 7 eingebaut ist, wird diese Änderung rein durch Software erreicht. Beim genauen Hinsehen sind etwas mehr Details erkennbar. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist sie ebenfalls minimal besser als die Hero 7. Der Unterschied ist jedoch jeweils so gering, dass er nur beim genauen Hinsehen und im direkten Vergleich erkennbar ist. In der Praxis spielt dies meiner Meinung nach keine Rolle. Gleiches gilt für die höhere Bitrate, die man einstellen kann. Statt 80 MBit (GoPro 7, ProTune) schafft die Kamera nun 100 MBit. Außer größeren Videodateien und einer schneller gefüllten Speicherkarte bringt das aber meiner Meinung nach nichts, außer man investiert Zeit in die professionelle Nachbearbeitung. Insgesamt ist die Farbsättigung in der Standardeinstellung meiner Meinung nach wieder einen Tick zu übertrieben, aber das ist Geschmackssache und kann mit der ProTune-Einstellung in der Nachbearbeitung selbst beeinflusst werden.

Die Audioqualität der GoPro Hero 8 ist bei aktivierter Windgeräuschreduzierung etwas verbessert worden. Von “Qualität” kann man bei der GoPro eigentlich nicht reden, wenn es um Tonaufnahmen geht. Besonders mit aktivierter Windgeräuschreduzierung ist die Tonspur in der Regel kaum brauchbar. Deshalb fällt diese Veränderung meiner Meinung nach nicht ins Gewicht.

GoPro Media Mod

In Kürze wird GoPro ein Gehäuse für die Hero 8 herausbringen, das sich “Media Mod” nennt. Für die Montage des Media Mod wird die Klappe vom Batteriefach entfernt. Dadurch ist der USB-Port zugänglich, der die elektrische Verbindung zum Media Mod Gehäuse herstellt. In das Gehäuse sind integriert:

  • Ein Mikrofon
  • 2 Blitzschuh-Adapter
  • ein 3,5 mm externer Mikrofonanschluss
  • ein HDMI-Anschluss

Außerdem gibt es als Sonderzubehör ein LED-Licht und ein hochklappbares Display. Beides kann man an dem Gehäuse anschließen.

Wie gut die Tonqualität mit dem Media Mod tatsächlich sein wird, muss abgewartet werden. Wie es dann mit der Wasserdichtigkeit der Kamera aussieht, ist unklar. Sobald der Media Mod im Handel erhältlich ist, kann man dazu mehr sagen. Die Idee ist jedenfalls sehr gut. Der Media Mod wird ungefähr 70 EUR kosten.

Neue Batterien

Die Batterielaufzeit ist vergleichbar mit der Hero 7. Der Formfaktor der Akkus ist identisch. Doch leider können die Batterien der Hero 5, 6 und 7 nicht mehr in der Hero 8 verwendet werden, auch wenn sie hineinpassen würden. Die neuen Batterien der GoPro Hero 8 sind durch einen blauen Sockel erkennbar und haben eine höhere Entladungsrate, was für HyperSmooth 2.0 in den hohen Auflösungen notwendig ist. Diese neuen Batterien können umgekehrt aber in älteren GoPros (5, 6, 7) verwendet werden, sofern deren Firmware aktuell ist.

Sonstiges

Die Frontlinse der GoPro Hero 8 kann im Gegensatz zu den Vorgängern nicht mehr ersetzt werden. Vermutlich soll dadurch vermieden werden, dass beim Wechsel der Frontlinse Feuchtigkeit eindringt, was bei kalten Temperaturen zum Beschlagen der Linse von Innen führt. Die Frontlinse wird bei Beschädigung auch vom Service nicht ersetzt, da dies zu aufwändig wäre. Dies ist ein großes Manko! Man muss ganz besonders darauf achten, dass die Frontlinse keinen Schaden nimmt, weil man sonst die komplette Kamera ersetzen müsste. Eine Schutzfolie ist meiner Meinung nach unbedingt empfehlenswert!

Der TimeWarp-Modus hat nun die Option “Auto-Speed”. Dabei passt die Kamera die Geschwindigkeit des Videos motivbezogen an. Das heißt, die Geschwindigkeit wird bei statischen Motiven automatisch heruntergefahren, bei Bewegung wieder hochgefahren. Interessant, aber nicht sonderlich wichtig.

Bei den Vorgängern waren die Kameras bis zum zweiten Firmware-Update oft nicht sinnvoll einsetzbar, wegen der vielen Bugs. In der Hero 8 treten erfreulicherweise weniger Softwarefehler beim Release auf. Das Problem des gelegentlichen Einfrierens der Kamera besteht jedoch immer noch. Außerdem ist die Reaktivität des Menüs immer noch etwas träge. Das ist zwar nicht allzu schlimm, aber angesichts des Preises dennoch enttäuschend. Das Menü wurde insgesamt überarbeitet. Es gibt nun Modi für verschiedene Aktivitäten, um die optimalen Einstellungen per Knopfdruck zu erhalten.

Fazit

Da sich Prozessor und Sensor zum Vorgänger nicht verändert haben, hätte man die meisten Verbesserungen wahrscheinlich auch als Firmware-Update für die GoPro Hero 7 einführen können. Aber man will ja unbedingt teuere neue Hardware verkaufen. Mich persönlich nervt die künstliche und vermeidbare Kurzlebigkeit moderner Elektronik-Produkte enorm, das ist Ressourcenverschwendung auf Kosten der Umwelt. GoPro ist da leider kein bisschen besser, als die meisten anderen Hersteller.

Insgesamt finde ich die Änderungen nicht so revolutionär, dass ich dafür die Hero 7 ablösen würde. HyperSmooth Boost klingt interessant, aber der nochmals verkleinerte Blickwinkel ist ein erheblicher Nachteil. Auch die etwas wackeligen Halterungslaschen und die nicht wechselbare Frontlinse halte ich für relevante Nachteile. Selbst bei einem Neukauf würde ich momentan wahrscheinlich die 100 EUR günstigere GoPro Hero 7 vorziehen. Das Media Mod Gehäuse klingt interessant, aber hier müssen Tests erst einmal zeigen, ob sich die Sache lohnt. Besonders bei Aufnahmen mit externem Mikrofon könnte das interessant sein, falls das Mikro des Media Mod etwas taugt.

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