Vergleich der GoPro Hero 7 Black zur GoPro Hero 6

Seit Herbst 2018 gibt es bekanntlich ein neues Modell der GoPro Actioncam, die Hero 7. Sie wird in drei Varianten angeboten: Black, Silver und White, wobei ich hier nur die Black betrachte. Den anderen Modellen fehlt es an wichtigen Features und sie sind auch im Vergleich zum Vorgänger Hero 6 wenig interessant.

Die Kernfrage ist, ob sich die Anschaffung der GoPro Hero 7 lohnt, bzw. ob ein Umstieg von der Hero 5 oder Hero 6 sinnvoll ist. Da viele Grundprinzipien der Kamera unverändert geblieben sind, verweise ich an dieser Stelle auf meinen ausführlichen Artikel zum Thema Tipps, Tricks und Einstellungen der GoPro Hero 6. Ich werde hier nur auf die Punkte eingehen, die sich geändert haben.

Äußerlich und in Bezug auf die Robustheit gibt es praktisch keinen Unterschied zur GoPro Hero 5 und 6. Die wichtigsten Neuerungen sind:

HyperSmooth Bildstabilisierung

Die neue Bildstabilisierung, genannt “HyperSmooth” ist das wichtigste Feature der neuen GoPro 7. Es hat mich tatsächlich überrascht, wie extrem die Verbesserung zur Hero 6 ist, die ich ja schon als sehr gut empfunden habe. Ein Gimbal kann man sich nun definitiv sparen. Eine digitale Bildstabilisierung in vergleichbarer Qualität habe ich nicht Ansatzweise bei anderen Kameraherstellern gesehen.

Durch die Verwendung von HyperSmooth ist das Bild selbst bei starken Erschütterungen praktisch nicht mehr verwackelt. Außerdem zeigt das Video viel mehr Details und eine bessere Bildqualität aufgrund der wesentlich geringeren Verwacklungsunschärfe. Dafür büßt man ca. 10% beim Bildausschnitt ein. Diesen Spielraum benötigt die Kamera, um bei der Berechnung die Verwacklungen auszugleichen. Das ist bei der GoPro Hero 6 nicht anders. Weshalb die GoPRo 7 dennoch viel besser stabilisieren kann, liegt an folgender technischen Neuerung:

Die Bildstabilisierung funktioniert nur bei einem Seitenverhälntnis von 16:9 (das man ohnehin normalerweise verwendet). Der Sensor hat ein Seitenverhältnis von 4:3, also nach Oben und Unten noch einigen Spielraum. Die Hero 7 nutzt diesen “freien Bereich” des Sensor wesentlich besser, als das Vorgängermodell. Dadurch hat die Kamera in der Bildhöhe insgesamt 25% Spielraum für die Stabilisierung, das ist enorm. Möglich wird dies durch den größeren Kameraspeicher, der die Berechnung der Stabilisierung für mehr Bilddaten zulässt.

Filmt man mit einem Seitenverhältnis von 4:3, steht maximal nur die Standard-Bildstabilisierung zur Verfügung, die auch schon in der Hero 6 zum Einsatz kam (da ja der freie Raum nach Oben und Unten fehlt).

Praxistipp: Bei horizontalen Kameraschwenks führt der Bildstabilisator zu einem gelegentlichen Rucken des Bildes. Das ist typisch für digitale Bildstabilisatoren, da sie zunächst versuchen, die Bewegung auszugleichen. Der Effekt ist besonders erkennbar, wenn HyperSmooth aktiviert ist. Bei Schwenks also entweder den Stabilisator ausschalten, oder Schwenks langsam und geschmeidig durchführen.

Video-Einstellungen der GoPro Hero 7 und 6 (Black) im direkten Vergleich

 

TimeWarp-Video

Ebenfalls neu ist die Funktion TimeWarp-Video. Es handelt sich dabei um ein Zeitraffer-Video (wie es der Vorgänger schon hatte), nur kommt zusätzlich der Bildstabilisator HyperSmooth zum Einsatz. Dadurch kann man beeindruckende Zeitrafferaufnahmen erzeugen, die aus der Bewegung (zum Beispiel beim Gehen) aus der Hand gefilmt werden können und trotzdem perfekt stabilisiert sind. Eine tolle Funktion für die etwas kreativeren Filmemacher.

TimeWarp-Videos können mit folgenden Seitenverhältnissen gefilmt werden:

  • Bei 4k: 16:9
  • Bei 1080p: 16:9
  • Bei 2,7k: 4:3
  • Bei 1440p: 4:3

Außerdem kann man die Zeitraffergeschwindigkeit einstellen auf 2-fach bis 30-fach. Standard ist 10-fach, was in den meisten Fällen die besten Ergebnisse liefert.

Man kann natürlich weiterhin normale statische Zeitraffer-Videos aufnehmen, wie man sie von der Hero 6 schon kennt. Dabei legt man die Kamera irgendwo hin, um z.B. vorbeiziehende Wolken zu filmen.

Menüführung und Bedienung

Geändert hat sich auch die Bedienung, genauer gesagt das Benutzermenü. Schon die Hero 6 war relativ einfach zu bedienen. Jedoch waren viele Einstellungen in Untermenüs verschachtelt. Bei der Hero 7 sind die Kameraeinstellungen nun in einem einzigen Untermenü gebündelt (Auflösung, Bildwiederholrate, Seitenverhältnis, Sichtfeld, Stabilisierung, Protune-Einstellungen etc.). Alle Einstellungen für den aktuell gewählten Modus (inkl. Protune-Einstellungen, falls Protune aktiviert wurde) sind jeweils direkt über ein Menü auf dem Display zugänglich, ohne dass man in Untermenüs suchen müsste. Das vereinfacht die Bedienung sehr.

Das Menü weist nun außerdem darauf hin, wenn die Kamera mit dem HEVC-Codec filmt, was ich sehr nützlich finde. Auch eine Einstellung, dass nur in HEVC gefilmt werden soll, ist möglich. Insgesamt enthält das Menü mehr nützliche Informationen, was die Bedienung vor allem für weniger erfahrene Videografen verbessert. Mehr über HEVC in meinem Artikel zur GoPro Hero 6.

Mehr Speicher

Die Hero 7 wurde mit doppelt so viel RAM-Speicher ausgestattet (2 GB statt 1 GB). Das ermöglicht eine größere Pufferleistung, die für die Verarbeitung hoher Bildwiederholraten notwendig ist, sowie die Berechnung der HyperSmooth-Stabilisierung. In der Hero 7 werkelt jedoch der gleiche Prozessor wie in der Hero 6.

Bessere Mikrofone

Die Audioqualität der Hero 7 hat sich im Vergleich zum Vorgänger etwas verbessert. GoPro hat eine andere Membran für die Mikrofone verbaut. In der Praxis liefert die Hero 7 besonders bei starkem Wind wirklich spürbar bessere Ergebnisse als die Hero 6. Wunder in Bezug auf Tonqualität darf man jedoch auch bei der Hero 7 nicht erwarten. Das liegt nicht an der Qualität der Kamera sondern daran, dass bei so einer kleinen Actioncam, die noch dazu wasserdicht ist, einfach physikalisch keine besseren Ergebnisse möglich sind. (Siehe hierzu auch mein Artikel zur Hero 6.)

Sonstiges

Die GoPro Hero 7 verfügt über die neuen Funktionen Superfoto und Live-Streaming. Bei Superfoto benutzt die Kamera intelligente Algorithmen, um die Belichtung von Fotoaufnahmen zu optimieren. Live-Streaming erlaubt die Live-Übertragung von Videos in Soziale Mediens durch Kopplung an das Smartphone.

Beides sind meiner Meinung nach für den normalen Benutzer keine Killer-Features, daher für mich nicht kaufentscheidend.

Der Preis

Die GoPro Hero 7 Black gibt es (Stand Februar 2019) für etwa 375 EUR, während die GoPro Hero 6 Black nur wenig günstiger zu haben ist. Am Gebrauchtmarkt kann man die Hero 6 aktuell für rund 250 EUR bekommen. Für die Qualität, welche die Hero 7 Black liefert, finde ich den Preis von 375 EUR angemessen. Mit einem größeren Preissturz unter 350 Euro ist meiner Meinung nach nicht mehr zu rechnen (ohne Gewähr!).

Vergleich Black, White, Silver

Die GoPro 7 gibt es in drei Varianten: Black, White und Silver. Nur die GoPro Hero 7 Black ist in meinen Augen relevant, denn sie verfügt als einzige über die Features:

  • Austauschbarer Akku
  • HyperSmooth Bildstabilisierung
  • TimeWarp-Video
  • Live-Streaming
  • Protune

Außerdem hat sie eine bessere Bildqualität, 3 Mikrofone anstatt nur 2 (Stereo und Windgeräuschreduzierung) und kann 4k-Videos mit 60 fps aufnehmen.

Allein der austauschbare Akku und HyperSmooth sind Grund genug, zum Black-Modell zu greifen. Die White und Silver sind in meinen Augen uninteressant, da könnte man sich auch gleich eine Billig-Kamera aus China kaufen.

Software

Noch immer hat GoPro größere Probleme mit der Software. Es scheint Strategie des Herstellers zu sein, unfertige Produkte an die Kunden auszuliefern und erst Monate später per Firmware-Updates zu verbessern. Auch die Hero 7 ist da keine Ausnahme, sie hat mit der aktuellen Firmware (1.70) immer noch sporadisch Probleme. Meist funktioniert sie zuverlässig, doch es kommt hin und wieder vor, dass sie sich nicht richtig abschaltet und der Akku geleert wird, ohne dass man filmt. Das war bereits bei der Vorgängerversion so. Es ist ärgerlich, dass GoPro bei der Firmware derart pfuscht. Ich würde deshalb grundsätzlich nicht empfehlen, die Kamera direkt nach dem Release anzuschaffen, sondern lieber ein halbes Jahr abzuwarten.

Praxistipp: Wenn die Kamera abstürzt (d.h. nicht mehr reagiert), oder wenn man sicher gehen will, dass sie ausgeschaltet ist, sollte man kurz die Batterie entfernen und wieder einsetzen. Eigentlich ist es peinlich, solche Tipps geben zu müssen. Aber leider auch notwendig.

Fazit

Wenn man sich eine neue Action Cam kaufen will, würde ich für die GoPro Hero 7 trotz der mangelhaften Firmware eine Kaufempfehlung aussprechen. Allein das Kern-Feature HyperSmooth ist die Investition wert, wenn man Actionvideos aufnehmen will. Die Stabilisierung arbeitet so gut, dass man sogar beim Joggen aus der Hand filmen kann. Einen Umstieg von der GoPro Hero 6 halte ich trotz der stark verbesserten Stabilisierung nicht unbedingt für notwendig, außer man hat das Geld wirklich übrig. Die beiden Kameras sind in Bezug auf die technischen Daten einfach zu ähnlich bzw. fast identisch. Die Hero 6 ist schon eine hervorragende Action Cam mit einer guten Bildstabilisierung, die der Hero 7 allerdings in diesem einen Punkt nicht das Wasser reichen kann.

Auch die Funktion “TimeWarp-Video” ist cool, allerdings werden wohl nicht viele Leute dieses spezielle Feature unbedingt brauchen.

An den Akkus hat sich ebenso wenig verändert, wie an den Anschlüssen und den Bedienelementen. Die GoPro 7 ist also keine revolutionäre Neuentwicklung, sondern im Grunde eine GoPro 6 mit einer einzigen sehr wichtigen Verbesserung.

(P.S.: Wer sich von der Qualität von HyperSmooth überzeugen will, findet auf YouTube jede Menge Vergleichsvideos.)

 

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2 Antworten

  1. Konrad sagt:

    Gut zusammengefasst, danke. Werde zur Hero7 greifen …

  2. Tine sagt:

    Es war mir nicht klar daß Hyper Smooth praktisch das einzige neue Feature ist. Danke für die klaren und übersichtlichen Fakten! Hilft sehr bei der Kaufentscheidung

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