GoPro Hero 6 – Tipps und Einstellungen

Dieser Artikel richtet sich an Leute, die das Beste aus ihrer GoPro Hero 6 herausholen und optimale Videoergebnisse erzielen wollen. Aber auch an Interessenten die sich überlegen, ob sich die Anschaffung der Hero 6 lohnt.

Einen ähnlichen Artikel hatte ich bereits vor einiger Zeit zur GoPro Hero 5 geschrieben. Die GoPro Hero 6 ist in vielen Eigenschaften ähnlich bzw. identisch zum Vorgängermodell. Doch nicht in allen. Um alle Informationen zu den optimalen Einstellungen, alle Infos und Tipps auf einer Seite zu haben, habe ich nun diesen Artikel verfasst. Hier geht es um wichtige Funktionen und Eigenschaften der Hero 6, Tipps zur Verwendung und Handhabung, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Und auch um Zubehör.

Die GoPro Hero 6 ist meiner Meinung nach aktuell die robusteste und technisch beste ActionCam in diesem Format, die am Markt erhältlich ist. Es gibt vor allem von chinesischen Herstellern durchaus erwähnenswerte Konkurrenzprodukte (wie z.B. die Yi 4k Plus), die jedoch in einigen Eigenschaften der GoPro noch nicht das Wasser reichen können. Dafür sind sie oft deutlich günstiger und damit für Leute interessant, die sich die GoPro Hero 6 nicht leisten können und denen die Qualität der Alternativkamera ausreicht.

Die Hero 6 wird oft für ihren überhöhten Preis und die nicht überragende Bild- und Audioqualität kritisiert. GoPro hat Anfang 2018 den Preis um ca. 100 EUR gesenkt, mittlerweile bekommt man den Action-Winzling für knapp 400 EUR. Was die Bild- und Tonqualität angeht, ist die Kritik oft durch falsche Handhabung begründet. Man muss die technischen Eigenheiten dieser Kamera kennen, um ihr Potential voll ausschöpfen zu können. Genau darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen.

Digitaler Bildstabilisator

Eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale der GoPro Hero 6 im Vergleich zur Hero 5 und allen Konkurrenzmodellen ist der digitale Bildstabilisator. Der Unterschied ist frappierend. Die Stabilisierung wurde derart verbessert, dass man selbst beim Laufen oder bei ruppigen Mountainbike-Fahrten noch ein verhältnismäßig ruhiges Bild hinbekommt. Das reicht zwar nicht ganz an ein Gimbal heran, aber kommt dem schon sehr nahe. Ein Gimbal erzeugt tatsächlich den Effekt, als würde man „gleiten“, egal wie holprig die Fahrt ist. Bei Aufnahmen mit der Hero 6 nimmt man durchaus noch die eine oder andere Erschütterung abgeschwächt wahr. Mir ist das aus zwei Gründen lieber: Denn erstens wirken Gimbal-stabilisierte Aufnahmen oft unrealistisch, die Ruppigkeit wird vom Zuschauer überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Zweitens muss man mit einem Gimbal ein weiteres komplexes und teueres technisches Gerät am Körper oder Sportgerät montieren, was für mich zu umständlich, störend und aufwändig ist. Ich bevorzuge die einfache Handhabung.

Durch die hohe Auflösung des Sensors und den leistungsfähigen Prozessor kann die GoPro eine digitale Bildstabilisierung bieten, ohne dass es dabei zu einem Qualitätsverlust (in der Auflösung) des Bildes kommt. Doch es gibt natürlich technische Grenzen. Der Stabilisator kann in einigen Einstellungen nicht aktiviert werden, was der unten dargestellten Tabelle entnommen werden kann. Außerdem muss man wissen, dass bei aktivierter Bildstabilisierung das aufgenommene Bild um ca. 10% kleiner ist, da ja der Prozessor die Erschütterungen rechnerisch ausgleichen muss und dafür etwas Spielraum braucht. Ich finde das jedoch nicht störend, da mit SuperView sowieso ein extrem starkes Weitwinkel zur Verfügung steht.

Praxistipp: Der Bildstabilisator sollte immer aktiviert werden. Die Aufnahmen werden dadurch viel ruhiger und angenehmer, da selbst ein Zittern der Hand komplett verschwindet. Man kann den Effekt sehr gut testen, da man auf dem Display das entwackelte Bild sieht.

Hintergrundinfo: Hochwertige Videokameras haben übrigens meistens einen optischen Bildstabilisator, bei welchem die Erschütterungen durch eine bewegliche Optik ausgeglichen wird. Solch ein Stabilisiator arbeitet deshalb unabhängig von der Auflösung und Framerate. Dafür bedarf es aber einiger Schrittmotoren und komplexer Mechanik, die in dem winzigen Gehäuse der GoPro keinen Platz finden würden. Reine Videokameras haben oft beides, einen optischen und einen digitalen Bildstabilisator.

Display mit Touchscreen

Die GoPro Hero 6 ist mit einem Display ausgestattet, über das man nicht nur das Videobild sehen kann. Man kann auch darüber alle Einstellungen vornehmen, und dank Touch-Display geht das sehr unkompliziert. Quick Menus erlauben es zum Beispiel, blitzschnell Auflösung, Framerate und Blickwinkel zu verändern. Sehr praktisch! Man kann die aufgenommenen Videos auf dem Display anschauen, schneiden und löschen.

Gehäuse

Die Hero 6 ist erfreulicherweise bis 10 m Tiefe wasserdicht, ohne dass sie ein zusätzliches Gehäuse dafür braucht. Ich finde das ist eine große Erleichterung. Man benötigt dennoch den mitgelieferten Befestigungsrahmen, wenn man die Kamera irgendwo festschrauben möchte. Dass die GoPro standardmäßig wasserdicht ist, hat jedoch auch einen Nachteil bei Tonaufnahmen. Doch dazu später mehr. Wer in größeren Tauchtiefen (bis 60 m) filmen möchte, kann sich das entsprechende Unterwassergehäuse natürlich dazu bestellen.

Das Gehäuse ist gummiert und ist äußerst robust. Auch das Schutzobjektiv, welches die Linse vor Feuchtigkeit und Beschädigungen schützt, lässt sich ohne Schwierigkeiten austauschen, falls es einmal bei einem Sturz verkratzen sollte (kostet ca. 25 EUR).

Schnellaufnahme und Sprachsteuerung

Was mir ebenfalls sehr gut gefällt ist die Schnellaufnahme-Funktion. Man drückt im ausgeschalteten Zustand auf den Auslöser der Kamera, worauf sich die Kamera einschaltet und sofort mit der Videoaufnahme beginnt. Drückt man noch einmal auf den Auslöser, beendet die Kamera die Aufnahme und schaltet sich wieder aus. Auf die gleiche Weise kann man eine Zeitrafferaufnahme starten.

Information: Ein Manko hat die Schnellaufnahme jedoch: Wenn man überkopf filmt, dreht die Kamera normalerweise automatisch das Video um 180°, damit man es später am Computer auch ordentlich anschauen kann. Das tut sie leider nicht, wenn man die Schnellaufnahme nutzt. Dann muss man in der Nachbearbeitung das Video um 180° drehen.

Auch lässt sich die Kamera per Sprache steuern. Das ist z.B. in Situationen sinnvoll, in denen man keine Hand frei hat um den Aufnahmeknopf zu drücken. Die Sprachsteuerung funktioniert gut, reduziert aber etwas die Laufzeit des Akkus, da die Kamera ständig aktiv ist um Sprachkommandos erfassen zu können. Ich persönlich nutze die Sprachsteuerung überhaupt nicht.

Videoqualität

Die Videoqualität ist für eine Kamera dieser geringen Größe sehr gut. Die Optik kommt auch mit Gegenlichtsituationen sehr gut zurecht. Die Kamera liefert ohne irgendwelche Einstellungen oder Nachbearbeitung Videos mit guter und ausgeglichener Belichtung, hoher Schärfe und Qualität.

Videokameras bearbeiten das Video vor dem Abspeichern, um ein für die meisten Standardsituationen das optimale Bildergebnis zu erzeugen. Dabei schärft die GoPro meiner Meinung nach das Bild manchmal etwas zu stark. Auch die Farbsättigung ist sehr hoch, was in den meisten Situationen positiv wirkt, aber bei Motiven mit von Natur aus intensiven Farben etwas übertrieben aussieht. Dieses Verhalten der GoPro kann man jedoch beeinflussen:

Protune-Modus

Die Hero 6 verfügt über den so genannten Protune-Modus. Erst wenn diese Einstellung aktiviert ist, kann man das Potential der Kamera voll ausschöpfen. Allerdings ist dann eine Nachbearbeitung empfehlenswert.

Wenn Protune aktiviert wird, nimmt die Kamera mit der erhöhten Bitrate von 80 MBit/s auf (im Vergleich zur Standard-Bitrate von 60 MBit/s). Das erhöht die Videoqualität, da das Video weniger stark komprimiert wird. Der Unterschied fällt besonders bei Videosequenzen mit starken Bewegungen oder bei schlechten Lichtverhältnissen auf. Man benötigt dafür jedoch eine Speicherkarte, die beim Abspeichern schnell genug ist. Die Speicherkarte sollte auf jeden Fall bis 100 MB/s übertragen können. Die Videodateien werden im Protune-Modus etwa 50% größer.

Zusätzlich können viele Bildanpassungen, die der Prozessor ansonsten automatisch durchführt, im Protune-Modus beeinflusst und verändert werden. Dazu gehören: Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, ISO-Einstellungen, Weißabgleich, Bildschärfe, Farbsättigung und Audioqualität. Diese Parameter sollten nur geändert werden, wenn man erfahren in Bild- und Videobearbeitung ist und genau weiß, was man tut.

Protune-Einstellungen für die optimale Nachbearbeitung der Videos:

  • Verschlusszeit: Hier kann man die Verschlusszeit manuell einstellen. Ich empfehle hier unbedingt „Auto“, außer man will einen bestimmten Effekt erzielen.
  • Belichtung: Hier kann die Belichtung angepasst werden. Ein Überbelichten kann z.B. in hellen Umgebungen (Schnee) sinnvoll sein, ein Unterbelichten z.B. bei Sonnenuntergängen oder bei dunklem Hintergrund.
  • ISO-Limit: Hier kann die Empfindlichkeit nach oben und unten begrenzt werden. Während das Min-ISO bei 100 gelassen werden sollte, kann man bei Max-ISO Anpassungen vornehmen. Wenn man Max-ISO reduziert, beschränkt man die Möglichkeit, bei schlechtem Licht Aufnahmen zu machen. Gleichzeitig wird aber das Bildrauschen begrenzt. Man muss also für die jeweilige Situation die geeignete Einstellung wählen. Ich empfehle, nicht über ISO 1600 zu gehen, weil sonst das Bildrauschen zu extrem wird. Ein Wert von 800 ist geeignet, wenn man nicht in der Dämmerung oder bei sehr schlechtem Licht filmen möchte.
  • Weißabgleich: Die GoPro macht einen recht guten automatischen Weißabgleich. Man sollte die Einstellung auf „Auto“ lassen. Wenn man „Native“ einstellt, hat man die maximale Kontrolle, muss aber den Weißabgleich hinterher in der Nachbearbeitung manuell durchführen.
  • Schärfe: Die Schärfe sollte auf Mittel oder Niedrig reduziert werden, da „Hoch“ eine zu übertriebene Schärfe liefert. Ich empfehle die Einstellung „Mittel“. Die Schärfe kann dann in der Nachbearbeitung bei Bedarf noch erhöht werden.
  • Farbe: Hier werden Farbsättigung und Kontrast gesteuert. Mit der Einstellung „GoPro“ nimmt die Kamera eine Farbkorrektur vor. Ich empfehle „Matt“, um in der Nachbearbeitung mehr Details in den Schatten und hellen Bereichen herausholen zu können und die Farbsättigung selbst zu kontrollieren.
  • Audio: Wird die RAW Audiospur aktiviert, speichert die GoPro zusätzlich eine unkomprimierte Audiodatei ab. Mit „Niedrig“ nimmt die GoPro keine Anpassungen an der originalen Audioaufnahme vor. Bei „Mittel“ werden die Einstellungen verwendet, die man bei der Windgeräuschreduzierung vorgenommen hat („Wind“ bzw. „Stereo“). Bei „Hoch“ überlässt man der GoPro diese Entscheidung. Wenn man eine separate Audiospur aufnehmen möchte, sollte man „Niedrig“ wählen.

Praxistipp: Zum Beispiel schärft die GoPro standardmäßig das Video auffällig nach und erhöht sehr stark Farbsättigung und Kontrast. Wenn man in Protune die Schärfe auf Mittel absenkt und die Farbe auf Matt, hat man hinterher in der Nachbearbeitung die Möglichkeit, einen höheren Dynamikumfang, eine bessere Farbechtheit und eine dezentere Schärfe aus dem Video herauszuholen. Die Belichtungskorrektur kann insbesondere bei Sonnenuntergängen zu einem schöneren Bild verhelfen, indem man um ein paar Stufen unterbelichtet.
Doch selbst wenn man alle Protune-Einstellungen unangetastet lässt, liefern die Protune-Videos aufgrund der höheren Bitrate eine etwas bessere Qualität. Wer also über eine geeignete Speicherkarte verfügt, sollte grundsätzlich im Protune-Modus filmen.

Audioqualität

Die Qualität der Audio-Aufnahmen mit den eingebauten Mikrofonen ist eher unterdurchschnittlich. Da die Kamera wasserdicht ist, müssen auch die Öffnungen für die Mikrofone durch eine Membran vor eindringender Feuchtigkeit geschützt werden. Das hat automatisch zur Folge, dass der Ton dumpfer wird. Das Ergebnis der Tonqualität ist eher enttäuschend. Ich würde sogar sagen, dass die Tonspur für ein professionelles Video eher unbrauchbar ist.

Die GoPro Hero 6 besitzt insgesamt 3 Mikrofone. Die Mikrofone an der Oberseite und rechts sind für die normale Stereoaufnahme gedacht. Unter der Frontabdeckung ungefähr hinter dem GoPro Logo befindet sich ein drittes Mikrofon. Dieses wird von der Actioncam für die Aufnahmen mit Windgeräuschunterdrückung verwendet. Das Mikrofon liegt hinter der Abdeckung (als Popschutz) und der Schall gelangt durch zwei Öffnungen unten und links zum Mikrofon.

Schaltet man bei der GoPro die Windgeräuschunterdrückung ein, wird das geschützte Mikrofon vorne für die Aufnahme verwendet. Die Aufnahmen klingen aber dumpf und sind nicht besonders gut. Im Stereo-Modus werden die beiden Stereomikrofone verwendet, deren Klang akzeptabel ist. In der Standardeinstellung optimiert die GoPro die Audiospur automatisch, indem sie z.B. die mittleren Frequenzbereich verstärkt und die Spitzen herausnimmt. Wenn man im Protune-Modus die RAW-Aufnahme von Audiodateien aktiviert, speichert die GoPro zusätzlich zur Videodatei (inklusive Audiospur) eine unkomprimierte und nicht optimierte Audiodatei (WAV) ab. Diese Datei hat drei Audiospuren: Kanal 1 und Kanal 2 für die beiden Stereo-Mikrofone und Kanal 3 für das Windgeschützte Mikrofon. Man kann nun (bei Einstellung „Niedrig“) in der Nachbearbeitung selbst beeinflussen, wie die Audiospur klingen soll. Dennoch ist man natürlich durch die schlechte Qualität der Mikrofone limitiert.

Profitipp: Wenn man professionelle Tonaufnahmen machen möchte, hat man zwei Möglichkeiten:

Man schließt ein externes Mikrofon an direkt an die GoPro an. Dies geschieht über die USB-C-Schnittstelle der Kamera. Um ein herkömmliches Mikrofon mit 3,5 mm Klinkenstecker anschließen zu können, benötigt man den sündhaft teuren GoPro Mikrofonadapter, der über 60 Euro kostet. Dann wiederum geht die Kompaktheit der Actioncam verloren und man könnte gleich auf eine richtige Videokamera zurückgreifen.

Wenn man nicht auf die Kompaktheit der Kamera verzichten möchte, kann man einen eigenen Audiorecorder mit einem Lavalier-Mikrofon (inklusive Fell-Windschutz) verwenden. Damit erzielt man wirklich Profi-Soundqualität, mit dem Fell auch ohne Windgeräusche. Man muss dann jedoch in der Nachbearbeitung die separat aufgenommene Tonspur mit dem Video synchronisieren. Um das hinzubekommen, kann man zu Beginn einer Aufnahme einmal klatschen. Diesen Peak in der Audioaufnahme kann man im Schnittprogramm dann optimal übereinander legen und damit das Video auf einfache Weise mit der separaten Tonaufnahme synchronisieren.

Windgeräuschreduzierung

Die GoPro verfügt auch über eine Windgeräuschreduzierung. Diese wird aktiviert, wenn man in den Audioeinstellungen auf „Wind“ umschaltet. Wenn man dies tut, verwendet die GoPro für die Aufnahme nicht die Stereo-Mikrofone, sondern das dritte Mikrofon, das hinter der Frontblende versteckt ist. Das funktioniert übrigens ganz gut: Auch bei starkem Wind bzw. voller Fahrt sind Windgeräusche kaum hörbar und man kann deutlicher verstehen, was in die Kamera gesprochen wird. Dafür hat man keine Stereo-Aufnahme mehr, sondern nur Mono. Außerdem ist die Tonspur ziemlich dumpf und deutlich leiser.

Praxistipp: In der Standardeinstellung „Auto“ schaltet die Kamera automatisch im Bedarfsfall die Windgeräuschunterdrückung zu bzw. ab. Dieser Wechsel hört sich im Video etwas merkwürdig an. Ich empfehle, die Windgeräuschreduzierung manuell dauerhaft einzuschalten. Die Aufnahme sollte dann jedoch in der Nachbearbeitung mit einem Equalizer optimiert werden. Wenn man tatsächlich bei Windstille einen etwas besseren Stereo-Klang haben möchte, kann man die Kamera auf „Stereo“ umschalten.

Blickwinkel

Die GoPro Hero 6 bietet je nach Videomodus 3 Einstellmöglichkeiten für den Blickwinkel: SuperView, Wide, und Linear. Im Wide- und Linear-Modus kann man den Bildausschnitt stufenlos zoomen.

Es ist wichtig zu wissen, was das für die Bildqualität bedeutet und welche Auswirkungen die Einstellungen auf das Video haben. Die verschiedenen Einstellungen vermitteln den Eindruck unterschiedlicher Brennweiten. Tatsächlich hat das Objektiv aber nur eine Brennweite. Das heißt, für kleinere Blickwinkel wird einfach ein kleinerer Bereich des Sensors ausgelesen. Damit nimmt auch die Bildschärfe/Auflösung entsprechend ab und gleichzeitig das Bildrauschen zu. Letzteres fällt besonders bei schlechten Lichtverhältnissen auf.

Hintergrundinfo: Der Sensor der GoPro Hero 5 hat eine Auflösung von 4096×3072 Pixeln. Bei einer Videoauflösung niedriger als 4k nutzt die Kamera nicht den gesamten Sensor, sondern nur einen Ausschnitt (Ausnahme: Superview).

Superview:
Superview ist speziell bei Videoaufnahmen während der Fahrt (z.B. mit Brustgurt oder am Helm) ideal, da der sehr weite Blickwinkel auch das Cockpit noch gut erfasst und somit ein super Raumgefühl erzeugt wird. Nur in dieser Einstellung wird der komplette Sensor ausgelesen und entsprechend auf die Videoauflösung heruntergerechnet. Dadurch erhält man den vollen Blickwinkel, den das GoPro-Objektiv hergibt. Also auch inklusive der typischen Verzerrungen, Vignettierungen und Unschärfen am Rand des Objektivs. Vignettierungen und Unschärfen werden recht gut von der GoPro-Software herausgerechnet, aber die Fischaugen-typischen Verzerrungen sind schon sichtbar. Bei Aufnahmen, bei denen kein klarer Horizont und keine geraden Linien (Architektur) zu sehen ist, fällt das kaum auf. Wenn man z.B. ein Gesicht aus der Nähe filmt, sieht das in Superview seltsam aus. In dieser Einstellung ist die Bildschärfe exzellent und das Bildrauschen sehr gering.

Weit:
Hier hat eine Weitwinkel-Sicht, die für normale Landschaftsaufnahmen und Videos sehr gut geeignet ist. Da der Sensor nicht ganz in seiner vollen Größe ausgelesen wird, sind die Verzerrungen im Bild (auch genannt „Verzeichnung“, die durch die Wölbung des Weitwinkel-Objektives entsteht) nicht zu stark (die GoPro-Software hat Spielraum zum Korrigieren). Die Bildschärfe ist sehr gut, das Bildrauschen gering.

Linear:
Der Bildausschnitt in dieser Einstellung ist nochmals spürbar reduziert. Zusätzlich werden alle Objektivverzerrungen herausgerechnet, was ein klein wenig (aber kaum sichtbar) zu Lasten der Bildschärfe und des Rauschens geht. Die Einstellung ist empfehlenswert, wenn man Gebäude filmt, oder ein Gesicht in Nahaufnahme. Dadurch vermeidet man die durch das Weitwinkel typischen tonnenförmigen Verzerrungen und seltsam verzerrten Gesichter („dicke Nasen“) von Personen, die sich im Abstand von nur 1 Meter oder weniger vor der Linse befinden.

Praxistipp: Ein Großteil meiner GoPro-Aufnahmen wird mit Superview gefilmt. Da ich die GoPro als Zweitkamera einsetze, nutze ich sie ausschließlich für Actionaufnahmen oder für Aufnahmen, bei denen die durch das starke Weitwinkel entstehende ausgeprägte Tiefenwirkung erwünscht ist. Gerade beim Filmen während der Fahrt (z.B. mit Brustgurt) entsteht mit Superview ein intensiverer Eindruck, da man das Cockpit sieht und gleichzeitig, wie die Landschaft an einem vorbeirauscht.

Videoauflösung

Die GoPro Hero 6 bietet die Auflösungen FullHD (1920×1080), 2,7k (2704×1520) und 4k (3840×2160). Und auch HD (1280×720), aber diese Auflösung wird wohl niemand mehr ernsthaft einsetzen. Standardmäßig wird man mit dem Seitenverhältnis 16:9 filmen, weil das den meisten Bildschirmen und Fernsehern entspricht. Man kann aber auch mit dem Seitenverhältnis 4:3 filmen, da ist das Bild noch ein ganzes Stück höher.

Die drei Auflösungen und auch die Seitenverhältnisse haben jeweils Vorteile in bestimmten Situationen. Man sollte sich deshalb vorher Gedanken darüber machen, welche Einstellung hier am meisten Sinn macht. Wenn man Videos nachbearbeitet bzw. schneidet, muss man noch unterscheiden zwischen der Auflösung des aufgenommenen Original-Videos und der Auflösung des gerenderten Endproduktes. Es kann nämlich durchaus Sinn machen, z.B. in 4k-Auflösung zu filmen und dann im Videoschnittprogramm das Video auf FullHD zu verkleinern. Doch dazu später mehr.

FullHD (1920×1080)
Das ist wahrscheinlich die gängigste Auflösung. Die Qualität ist für normale Bildschirme optimal, aber auch bei Fernsehern bis zu 50 Zoll noch völlig ausreichend. Gerade wenn man einige Meter vom Fernseher entfernt sitzt, wird man den Unterschied zwischen einem hochwertigen FullHD- und einem 4k-Video kaum merken. Das FullHD-Video hat ca. 2,1 Millionen Bildpunkte.

2,7k (2704×1520)
Videos in dieser Auflösung zeichnen sich durch eine höhere Detailgenauigkeit aus, da ein größerer Bereich des Sensors ausgelesen wird. Das 2,7k-Video hat ca. 4,1 Millionen Bildpunkte. Deshalb sind die Videodateien etwa doppelt so groß wie die FullHD-Videos. Der Unterschied ist kaum sichtbar, wenn man mit Standardeinstellungen filmt. Wenn man jedoch mit Protune filmt und die Schärfe nachbearbeitet, ist der Unterschied deutlich zu sehen.

4k (3840×2160)
Mit ca. 8,3 Millionen Bildpunkten verfügt das 4k-Video über die vierfache Auflösung eines FullHD-Videos. Das ist gewaltig und meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man am Ende auch triftige Gründe hat, ein 4k-Video zu produzieren. 4k-Aufnahmen stellen wesentlich höhere Ansprüche an den Bildprozessor der Kamera, da viermal so viele Daten in der gleichen Zeit verarbeitet und abgespeichert werden müssen. Die Akkulaufzeit ist entsprechend kürzer. Eine schnelle Speicherkarte ist Grundvoraussetzung. Auch muss man mit enormen Datenmengen rechnen, die gespeichert, bearbeitet und ggf. archiviert werden müssen. Nur moderne Schnittprogramme und leistungsfähige Computer sind für die Nachbearbeitung solcher Videos geeignet.

Profitipp: Für die meisten Zwecke, vor allem für Action-Aufnahmen während der Fahrt, genügt die FullHD-Auflösung. Wenn man mit 2,7k im Protune-Modus filmt, kann man in der Nachbearbeitung durch Herunterskalieren auf FullHD und dezentem Nachschärfen mehr Details aus dem Video herausholen, als bei einer nativen FullHD-Aufnahme. Noch mehr Details erhält man, wenn man mit 4k filmt und auf FullHD herunterskaliert. Jedoch muss man bedenken, dass man bei Verwendung von 4k die Abläufe erschwert und viel mehr Speicher-/Rechenkapazität verbraucht.

Seitenverhältnis 4:3
Eigentlich macht ein Seitenverhältnis von 4:3 in den wenigsten Fällen Sinn, da die Bildschirme und besonders Fernseher auf 16:9 ausgelegt sind und man immer links und rechts schwarze Balken sehen würde. Bildschirme mit so einem Seitenverhältnis gibt es eigentlich kaum mehr. Bei 4:3 zeichnet die Kamera am oberen und unteren Bildrand mehr auf, insgesamt hat das Bild also eine höhere Auflösung (z.B. 1920×1440 Pixel statt 1920×1080).

Profitipp: Gerade im Falle von Helmkamera-Aufnahmen oder Brustgurt-Aufnahmen ist es manchmal schwierig, die Kamera so auszurichten, dass der optimale Bildausschnitt aufgezeichnet wird. Man sieht nicht selten Videos, bei denen die Actioncam zu weit nach unten oder oben geneigt ist, was sehr unschön ist. Bei einem Seitenverhältnis von 4:3 hat man oben und unten noch einen signifikaten zusätzlichen Bildbereich, der es in der Nachbearbeitung ermöglicht, solche Fehlausrichtungen auszugleichen. Das kann manchmal praktisch sein. Richtig Sinn macht das aber bei der Hero 6 nur, wenn man in FullHD (1920×1440 Pixel) filmt, da mit höherer Auflösung und 4:3 bei vernünftigen Bildraten die Stabilisierung nicht mehr funktioniert.

Kompressionsverfahren h.264 und h.265

In den meisten Einstellungen sind die Videos der GoPro 6 mit h.264 komprimiert, das seit einigen Jahren Standard ist. Wichtig zu wissen ist, dass in Videomodi mit hoher Auflösung und hoher Bildwiederholrate jedoch ein neues Kompressionsverfahren, das High Efficiency Video Coding (HEVC oder h.265) zum Einsatz kommt. Das Verfahren ist nötig, um die großen Datenmengen dieser Modi schnell genug und in guter Qualität verarbeiten zu können. Dieses Kompressionsverfahren wird bei folgenden Modi verwendet:

  • 4k, 50/60 fps
  • 4k, 4:3
  • 2,7k, 100/120 fps
  • 2,7k, 4:3, 50/60 fps
  • 1080p, 200/240 fps

Nicht alle Videoschnittprogramme können Videos mit diesem Codec importieren (vor allem ältere nicht). Nicht alle Mediaplayer können sie abspielen. Wenn man also Probleme mit dem Codec hat, muss man entweder die entsprechenden Modi vermeiden, oder die Videos vor der Bearbeitung bzw. vor dem Ansehen in ein anderes Format konvertieren.

Bildwiederholrate (FPS)

Zunächst kann man in den Grundeinstellungen die Kameraeinstellung auf NTSC oder PAL setzen. Diese Modi kommen aus den 1950/60er Jahren zur Zeit des klassischen Fernsehens. Ganz einfach gesagt ist NTSC ein amerikanischer Standard mit einer Bildwiederholrate von 30 Bildern pro Sekunde (frames per second = fps). PAL ist ein europäischer Standard mit einer Bildwiederholrate von 25 fps. Für Bildschirme und Fernseher der heutigen Zeit ist der Modus völlig egal, sie können alles darstellen.

Die Kameraeinstellung auf NTSC oder PAL legt fest, mit welchen Bildwiederholraten die Kamera aufzeichnet. Bei NTSC sind das 30 fps bzw. ein Vielfaches davon (60, 120, etc.). Bei PAL sind das 25 fps (bzw. 50, 100, etc.). Grundsätzlich ist also NTSC die sinnvollere Wahl, da die Bildwiederholraten etwas höher sind als bei PAL. Man sollte nach Möglichkeit NTSC- und PAL-Videos beim Schnitt nicht mischen, da es sonst zu kleinen „Rucklern“ im Video kommen kann.

Praxistipp: Das europäische Stromnetz arbeitet mit einer Netzfrequenz von 50 Hz. D.h. die Lampen „flackern“ 50mal in der Sekunde. Wenn man mit PAL filmt, fällt dieses Flackern im Video nicht auf, da die Aufnahme synchron mit dem Lampenflackern läuft. Filmt man mit NTSC, kann es im Video zum Flackern bei Aufnahmen mit Kunstlicht kommen, da die Frequenz des Videos nicht mehr synchron zur Netzfrequenz ist. In Nordamerika ist die Netzfrequenz 60 Hz, hier ist bei Kunstlicht dann NTSC die bessere Wahl.

Die Bildwiederholrate sagt aus, wie viele Einzelbilder pro Sekunde die Kamera aufzeichnet. Je mehr Einzelbilder, desto flüssiger wirkt das Video. Das fällt vor allem bei schnell bewegten Motiven und bei Kameraschwenks auf. Während das bewegte Bild in solchen Fällen mit 30 fps ruckelig aussehen kann, ist es mit 60 fps garantiert flüssig.

Höhere Bildraten dienen dazu, in der Nachbearbeitung schöne flüssige Zeitlupen erzeugen zu können. Wenn man beispielsweise mit 120 fps gefilmt hat, kann man das Video auf ein Viertel verlangsamen, ohne dass es ruckelig wirkt. Das Endergebnis hätte dann 30 fps und ein Viertel der Geschwindigkeit.

Praxistipp: Ich empfehle grundsätzlich mit 60 fps zu filmen. Man könnte auch ruhige Motive (z.B. eine Landschaft) mit 30 fps filmen und es würde gut aussehen. Doch 60 fps sind für moderne Kameras kein Problem mehr und warum sollte man sich künstlich einschränken? Für Zeitlupen genügen normalerweise 60-120 fps, mehr braucht man nur in ganz speziellen Fällen.

Perspektiven

Ein Punkt, über den man sich unbedingt Gedanken machen muss, ist die Perspektive aus der man filmt. Das hat nämlich einen großen Einfluss auf den Eindruck, den das Video beim Zuschauer hinterlässt. Die Perspektive ist entscheidend für die räumliche Wirkung und wie stark der Zuschauer das Gefühl hat, „dabei zu sein“. Entsprechendes Zubehör für die Montage der GoPro sollte man sich anschaffen. Ein paar Beispiele:

Für Aufnahmen während der Fahrt (z.B. mit dem Mountainbike) ist der Brustgurt ideal. Man hat einen guten Blick auf den Trail, sieht aber noch die Arme des Fahrers und das Cockpit. Dadurch entsteht ein gutes Raumgefühl und man ist als Zuschauer mehr „dabei“.

Ebenfalls verbreitet ist die Montage am Helm. Dabei sieht man nichts mehr vom Fahrer bzw. Cockpit. Die Kamera wackelt weniger, weil der Kopf Erschütterungen zusätzlich ausgleicht. Da der Kopf z.B. beim Kurvenfahren vorausschaut, macht die Kamera diese Bewegung mit und man sieht als Zuschauer besser, was auf einen zukommt. Das ist positiv. Da die Kamera sehr hoch montiert ist, hat der Zuschauer jedoch eine ungewohnt steile Perspektive auf den Trail.

Die Montage direkt am Sportgerät mit Klemm- oder Klebehalterungen hat auch ihren Reiz. Auf die Weise hat man z.B. das Bike mit im Bild, das bei ruppigen Fahrten wie ein Fixpunkt wirkt und für das Auge angenehm ist. Mit einer Montage am Lenker kann man z.B. sich selbst filmen während man fährt, um mal eine andere Perspektive zu haben.

Praxistipp: Wenn man ein Video produzieren möchte, ist es immer gut mit unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten, um Abwechslung in den Film zu bringen.

Sonstiges

  • Die GoPro kann Fotos im RAW-Modus aufnehmen.
  • Sie kann Fotos aufnehmen, während man filmt.
  • Sie verfügt über ein GPS-Modul, welches während der Aufnahme laufend GPS-Daten aufzeichnet. Man kann in der Nachbearbeitung über ein Tool im Video Geschwindigkeit, Höhe, Strecke etc. einblenden. Dies ist jedoch nur eingeschränkt sinnvoll, da die GPS-Messungen in bestimmten Situationen nicht genau genug sind, um wirklich korrekte Angaben zu erlauben (besonders bei der Geschwindigkeit). Mehr dazu hier.
  • Der Originalakku hat eine Laufzeit von knapp 2 Stunden. Die Laufzeit hängt davon ab, welche Funktionen man aktiviert hat. Man kann die Laufzeit zum Beispiel verbessern, indem man Sprachsteuerung und GPS ausschaltet, die Displayhelligkeit reduziert (auf 50% oder weniger), Sprachkommandos nicht aktiviert und nicht im 4k-Modus filmt.
  • Die GoPro kann über eine kostenlose Smartphone-App bedient und ferngesteuert werden.
  • Man kann die GoPro auch als Dashcam verwenden, denn sie hat einen Videointervallmodus, in dem sie in einem einstellbaren Intervall aufzeichnet und jeweils die vorhergehende Aufnahme überschreibt.
  • Die GoPro hat einen USB-C-Anschluss.

Zu guter Letzt

Ich empfehle, für ein paar Euro Schutzfolien für die GoPro zu kaufen. Sowohl eine Displayschutzfolie ist empfehlenswert, als auch eine Objektivschutzfolie. Dadurch kann man vermeiden, dass diese Flächen bei einem Sturz verkratzen. Das Schutzobjektiv könnte zwar ausgetauscht werden, aber eine Folie kann noch viel leichter und günstiger gewechselt werden. Das Touch-Display hat übrigens bei mir auch mit Folie noch einwandfrei funktioniert.

Nicht vergessen, die aktuelle Firmware zu installieren! Dadurch werden kleine Fehler in der Software der Kamera behoben und manchmal auch die Videoqualität verbessert. Die aktuelle Firmware Version 2.01 (Stand Juni 2018) läuft zuverlässig und fehlerfrei.

Beispielaufnahmen mit der GoPro Hero 6 gibt es im Internet massenhaft, da brauch ich nicht auch noch etwas erstellen. In meinen nächsten Videos wird man auf jeden Fall Aufnahmen mit der GoPro Hero 6 zu sehen bekommen!

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