Bike-Umbau auf Stahlfederdämpfer

Mein Lapierre “Tourenbike” ist mittlerweile 6 Jahre alt. Ich hatte es schon vor einiger Zeit durch Umbauten zum wartungsarmen Enduro-Bike umgebaut, nämlich durch eine neue Magura-Bremsanlage mit Hydrauliköl (anstatt dem Formula-Schrott mit Bremsflüssigkeit), eine neue RockShox Federgabel mit Stahlfeder (anstatt der Fox 32 Float mit nicht vernünftig einstellbarer Luftfederung), die Umstellung auf einen 2-fach-Antrieb mit Kettenführung (anstatt einer überflüssigen 3-fach-Schaltung mit ständig herunterfallender Kette). Das Bike ist seitdem ein zuverlässiger und treuer Begleiter und hat ohne Probleme 6 Alpenüberquerungen und unzählige Freeride-Touren überstanden.

Doch nun steht die nächste Änderung an. Ich bin mit dem Dämpfungsverhalten des Fox Float R Luftdämpfers nicht zufrieden. Auch hier tritt das für luftgedämpfte Federelemente typische Problem auf, dass es schwierig bis unmöglich ist, das Federverhalten optimal einzustellen. Entweder der Dämpfer ist zu hart, oder er ist zu weich und schlägt schnell durch. Das Ansprechverhalten ist progressiv und auch nicht vernünftig konfigurierbar. Der Rahmen des Zesty 514 ist nur leicht progressiv, ein progressiver Dämpfer ist für meine Fahrweise nicht optimal. Der Unterschied wurde mir bewusst, als ich das erste Mal mit meinem neuen Downhill-Bike gefahren bin, das einen linear reagierenden Rahmen hat und mit einem Stahlfederdämpfer ausgestattet ist. Außerdem ist es ziemlich nervig, dass man immer wieder den Luftdruck kontrollieren und gegebenenfalls nachpumpen muss. Von der Wartbarkeit ganz zu schweigen.

Ein Stahlfederdämpfer zeichnet sich neben der hohen Robustheit und Zuverlässigkeit durch eine lineare Federkennlinie aus, d.h. der Dämpfer kann kaum mehr durchschlagen, auch wenn er harte Stöße abfangen muss. Trotzdem reagiert er erstaunlich feinfühlig auf kleinere Bodenunebenheiten, wie z.B. Wurzeln. Um ein Nachschwingen der Stahlfeder zu vermeiden, verfügen die meisten Produkte über einen zusätzlichen Öldämpfer, der die Schwingungen abdämpft. Die Stärke dieser Dämpfung (auch Rebound genannt) lässt sich normalerweise einstellen. Da das Abfedern durch eine Stahlfeder erfolgt (anstatt durch eine Luftkartusche), muss man die für sich passende Feder auswählen und hat danach für immer sein perfektes Setup. Der Nachteil eines Stahlfederdämpfers ist sein deutlich höheres Gewicht. Man muss mit etwa 500 g Mehrgewicht rechnen.

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Wichtig für den Umbau ist, den geeigneten Dämpfer und die richtige Stahlfeder auszuwählen. Beim Dämpfer sind die Einbaulänge und der Hub entscheidend. Der Hub muss zur Geometrie des Rahmens passen, damit die Hebelkräfte ausgewogen sind. Man kann sich dabei am herstellerseitig verbauten Modell orientieren. Der Fox Float R hatte einen Hub von 51 mm. Ich habe mich für den RockShox Kage RC entschieden, der mit einem Hub von 57 mm aufwartet. Das passt ungefähr. Die Einbaulänge beträgt 200 mm.

Bei der Stahlfeder ist die Federhärte (genannt Federrate) entscheidend. Für diesen Dämpfer gibt es im Handel acht verschiedene Federn mit unterschiedlichen Federraten. Das Kriterium für die Federrate ist das Gewicht des Fahrers, und ein wenig auch der Einsatzzweck. Je schwerer der Fahrer, desto härter muss die Feder sein. Wer im Bikepark Drops und Sprünge macht, sollte eine etwas härtere Feder auswählen. Für einen Cross-Country-Fahrer darf es eine etwas weichere Feder sein. Die Federrate für den Durchschnittsfahrer berechnet sich wie folgt:

Federrate (lbs) = Fahrergewicht (kg) x 115 x Federweg (mm): Dämpferhub (mm) : Dämpferhub (mm)

Wichtig dabei ist, dass beim Fahrergewicht gegebenenfalls das Gewicht des Rucksackes mit berücksichtigt wird. In meinem Fall würde ich eher zu einer etwas härteren Feder tendieren, da ich auch meistens mit Rucksack unterwegs bin und gerne sehr ruppige Trails fahre. Ich gehe also von einem Fahrergewicht von 85 kg (statt 75 kg) aus:

Federrate = 85 kg x 115 x 150 / 57 / 57 = 451 lbs

Das wäre also eine Feder mit einer Rate von 450 lbs. Das Gewicht dieser Feder beträgt 500 g. Das Losbrechmoment lässt sich über die Federvorspannung anhand einer Schraube noch etwas anpassen.

Die Kosten für diesen Umbau belaufen sich auf:

  • 180 EUR – Rock Shox Kage RC Dämpfer 200 x 57mm
  • 26 EUR – RockShox Stahlfeder für Kage/Vivid 200 mm
  • 0 EUR – Umbau (weil ich den selbst mache)
  • -65 EUR – Verkauf des alten Luftdämpfers

Macht in Summe etwa 140 EUR. Das ist durchaus in Ordnung!

Umbau

Der Umbau ist unkompliziert. Zuerst muss der alte Dämpfer ausgebaut werden. Das Schwierigste war, nach dem Ausbau die Dämpferbuchsen aus dem alten Dämpfer zu entfernen, da diese doch relativ fest in den Ösen klemmen. Ich konnte sie jedoch mit der Klinge eines alten Taschenmessers heraushebeln, ohne dass irgendetwas beschädigt wurde. Die Buchsen waren noch in einem einwandfreien Zustand. Sie werden eingefettet und in den neuen Dämpfer mit einem Gummihammer eingeklopft. Dann wird der Stahlfederdämpfer in den Rahmen eingebaut. Dabei sollte man einen Drehmomentschlüssel verwenden, um die beiden Schrauben mit der richtigen Kraft festzuziehen.

blog_2016_10_22_02Nun freue mich mich auf den ersten Ausritt, um das Ansprechverhalten des neuen Dämpfers ausgiebig genießen und testen zu können. Der erste Eindruck vor dem Haus war jedenfalls positiv, endlich ein lineares Ansprechverhalten!

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3 Antworten

  1. Matthias sagt:

    Hallo!
    Darf ich fragen welches Fett Sie verwendet haben? Genügt das „Standard“ Montagefett oder muss es etwas spezielles sein? LG Matthias

  2. Bene sagt:

    Ich finde deine Artikel ganz gut aber wie kommst du denn darauf, dass Luftfederungen immer linear und Stahlfederungen immer progressiv sind? Es ist grundsätzlich genau andersrum, es sei denn die Stahlfeder ist progressiv gewunden. Luftdämpfer sind progressiver, da ja immer die gleiche Menge Luft im Inneren ist und mit zunehmender Kompression immer mehr Kraft aufgewendet werden muss um die gleiche Menge Luft noch weiter zu komprimieren. Ich finde, das solltest du korrigieren, ist nämlich echt verwirrend. Ansonsten sehr guter Artikel

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