Bike-Umbau auf 2-fach mit Kettenführung

Dass ich mir kürzlich auf einer sehr verblockten Trailabfahrt das große Kettenblatt am Fels kapputgefahren habe, nahm ich zum Anlass, über einen erneuten Umbau meines Bikes nachzudenken. Zum einen stellte sich die Frage: Kaufe ich ein neues Kettenblatt für 55 EUR, oder stelle ich gleich auf 2-fach mit Bashring um? Zum anderen wollte ich unbedingt eine Kettenführung montieren, weil mir im extremen Gelände häufig die Kette herunterfällt und sich so zwischen Kurbel und Tretlager einklemmt, dass ich sie nur noch mit Gewalt herauszerren kann. Dieser Zustand war nicht mehr haltbar.

Zunächst zur Umstellung von 3 auf 2 Kettenblätter: Fällt das große Kettenblatt ganz weg, verliert man auf jeden Fall Gänge im oberen Bereich. Da ich das Bike beim Alpencross recht universell einsetze, also auch gerne mal schnell auf abschüssigen Strecken fahre, war das zunächst ein kritischer Punkt für mich. Nach einigem Herumrechnen mit Übersetzungstabellen zeichnete sich eine Lösung ab. Da man mit einer 3-fach-Schaltung (22-32-44 Zähne) aufgrund der Begrenzungen bei der Kettenschrägstellung ohnehin nicht alle Gänge nutzen kann, beschränkt sich die Anzahl der nutzbaren Gänge von theoretisch 27 auf etwa 18. Zieht man die Übersetzungen ab, die bei den möglichen Schaltkombinationen doppelt vorkommen, bleiben 14 Gänge übrig. Die gleiche Anzahl der Gänge kann man erreichen, wenn man mit zwei Kettenblättern (22-36 bzw. 38 Zähne) fährt. Der Unterschied ist, dass man in der Übersetzung statt auf 4,00 (mit 3 Blättern) nur auf 3,27 kommt. Es fehlt also der obere Gang. Das ist für mich zu verschmerzen, da ich den größten Gang nur in seltenen Fällen nutze, und auch dann ist er eigentlich verzichtbar. Weiter abmildern kann ich diesen Effekt, indem ich das mittlere Kettenblatt von ehemals 36 auf 38 Zähne umrüste. Noch ein Unterschied ist, dass man beim Umschalten zwischen den beiden Kettenblättern bei idealem Gangabstand hinten 3 Ritzel auf einmal schalten müsste, während es vorher nur 2 waren. Das ist eher ein theoretisches Problem. Zusätzlich habe ich nun die Möglichkeit, einen Bashring anstelle des großen Kettenblattes zu montieren. Gleichzeitig erhöht sich die Bodenfreiheit. Beides wird mir bei Fahrten im felsigen verblockten Gelände enorm zugute kommen. (Berechnungshilfe: Online-Ritzelrechner)

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Schon oft habe ich mich darüber geärgert, dass bei Fahrten im extrem ruppigen Gelände, wie z.B. Wurzelstrecken, verblockte Felstrails oder Treppen, immer wieder die Kette heruntergefallen ist. Und das unabhängig davon, auf welches Kettenblatt vorne geschaltet war. Durch die Erschütterungen bei der Fahrt schwingt sich die Kette dermaßen auf, dass so ein Effekt eintreten kann. Dagegen hilft nur, die Kettenspannung zu erhöhen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Kette auf mehr Zähnen am Kettenblatt aufliegt. Dies erledigt eine so genannte Kettenführung. Es gibt hierfür eine Vielzahl von Lösungen, von der Selbstbauvariante aus einem Stück Gartenschlauch mit Kabelbindern bis hin zur Laufrolle, die über eine Aluminiumplatte an der ISCG-Aufnahme verschraubt wird. Alle Lösungen erfüllen mehr oder weniger den Zweck, den unteren Teil der Kette hinter dem Kettenblatt nach oben zu ziehen, so dass sie weiter um das Kettenblatt herumgeführt wird und weniger schwingt. Kettenführungen gibt es sowohl für 2-fach als auch für 3-fach Schaltungen.

Beim Kettenblatt habe ich das TA Chinook 9-fach 38 Zähne gewählt, weil die Steighilfe sehr gut funktionieren soll. Das ist wichtig, da sich der Größenunterschied der beiden Kettenblättern vergrößert hat und es deshalb beim Hochschalten eher einmal haken kann. Bei der Kettenführung war ich zunächst hin- und hergerissen zwischen der Bionicon C-Guide (40 EUR) und der G-Junkies ZweiG (110 EUR). Die Bionicon-Lösung wird einfach an die untere Hinterbaustrebe montiert. Die Kette läuft dann durch ein Kunststoffröhrchen, das beweglich aufgehängt ist. Die Montage dauert 10 Minuten. Die Führung von G-Junkies besteht aus einer Aluplatte, an der ein Laufrädchen montiert ist, über welches die Kette geführt ist. Die Platte wird dann am Tretlager an der ISCG- oder E-Type-Aufnahme verschraubt. Ich habe mich für die teurere ZweiG entschieden, weil sie laut Erfahrungsberichten wesentlich robuster sein soll und zuverlässiger das Herunterfallen der Kette verhindert.

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Die Kettenführung ZweiG (genauso wie die DreisT für 3 Kettenblätter) von G-Junkies ist sicherlich eine der sichersten und robustesten Lösungen. Wenn man die Montage hinbekommt. Die kann jedoch etwas “tricky” sein. Die Kettenführung wird nämlich direkt im Tretlagerbereich am Rahmen montiert. Besonders bei vollgefederten Rädern ist dies eine sensible Stelle, die bei jedem Bike etwas anders aussieht. Zunächst muss man herausfinden, ob das Bike eine ISCG03- oder ISCG05-Aufnahme hat. Das sind die drei um das Tretlager herum angeordneten Gewinde. Daran wird idealerweise die Grundplatte der Kettenführung verschraubt. Dann kommt noch der Umwerfer ins Spiel, der bei manchen Rädern am Sattelrohr, bei manchen an der Hinterbaustrebe auf unterschiedliche Weise verschraubt ist. Und hier fangen die Probleme an. In meinem Fall wäre der Direct-Mount-E-Type-Umwerfer mit der Grundplatte zusammengestoßen, also hätte ich nach Anleitung mit Distanzscheiben die Grundplatte etwas weiter nach außen rücken müssen. Dann jedoch hätte das Kettenblatt an der Grundplatte geschleift. Der Hersteller G-Junkies hält dies für ein eher sporadisch autretendes Problem, wo man nicht generell zu etwas raten kann, weil die Sache von den Toleranzen der Rahmenhersteller abhängt. So weit, so schlecht. Anstatt also weiter mit irgendwelchen Distanzscheiben herumzufrickeln habe ich beschlossen, ein Eck aus der Kettenführungsgrundplatte herauszufeilen, um dem Umwerfer den nötigen Raum zu geben. Dadurch konnte ich die Kettenführung wieder näher an das Tretlager heranrücken und das Schleifen des Kettenblattes vermeiden. Im Endeffekt ist die Lösung sehr gut. Wenn man aber nicht zufällig den dazu passenden Rahmen hat (was man erst bei der Montage merkt), ist sie nur etwas für geschickte Bastler.

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1 Antwort

  1. blackCoffee sagt:

    Auch das Bionicon Teil (welches ich habe) hat seine Schwächen: In Finale ist mir der untere Teil (Plastik) abgebrochen….Glücklicherweise hat es dort aber eine Nut und ich konnte es mittels Kabelbinder “fixen” (hält bis heute)…

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