Das richtige Werkzeug für die Tour

Jeder Alpencrosser muss in der Lage sein, einfache Schäden oder Pannen unterwegs selbst zu beheben. Dazu braucht man nicht nur das entsprechende Wissen über die Bike-Technik, sondern auch ein geeignetes Werkzeug. Für diesen Zweck gibt es platzsparende und leichte Multitools. Das sind Miniwerkzeuge, die mit allem ausgestattet sind (bzw. sein sollten), was man für schnelle Reparaturen am Bike benötigt. Um überhaupt beurteilen zu können, welche Funktionen ein Multitool bieten sollte, muss man wissen, wie die einzelnen Bike-Komponenten gewartet werden.

Da ich seit vielen Jahren selbst an meinen Bikes herumschraube und schon unzählige mehrtägige Touren hinter mir habe, konnte ich viel Erfahrung damit sammeln, mit welchen Pannen man unterwegs konfrontiert werden kann und wie man sie behebt. Die wichtigste Erkenntnis ist:

Vermeide Pannen, indem du dein Bike vor einer Tour ordentlich wartest und hochwertige Materialien einsetzt!

Doch selbst dann kann es passieren, dass man unterwegs mal zum Werkzeug greifen muss. Bei mir kam das bisher zwar sehr selten vor, aber trotzdem habe ich alles dabei, um mein Bike in den meisten Fällen wieder fahrtauglich zu machen. Multitools gibt es wie Sand am Meer. Ich will hier keinen Vergleich über verschiedene Hersteller und Tools liefern (dafür verweise ich auf die mehr oder weniger praxisnahen Tests diverser Mountainbike-Magazine). Ich möchte lediglich vorstellen, welches Werkzeug ich verwende und weshalb. Es ist mir klar, dass es von anderen Herstellern Mutlitools gibt, die bestimmt eben so gut ihren Zweck erfüllen.

Ich habe mich für das “Mini 20 Pro” vom Hersteller Topeak entschieden. Ich habe vorher einige Jahre lang das “Alien 2” von Topeak verwendet, bis ich vor kurzem festgestellt habe, dass dessen Speichenschlüssel für die Shimano-Speichen meines Enduro-Bikes zu klein ist. Da hätte ich mir das Mitführen von Ersatzspeichen, die ich offensichtlich noch nie gebraucht habe, auch sparen können. Das zeigt, dass man das Tool tatsächlich ausprobieren muss und sich nicht blind auf irgendwelche Bikezeitschriften-Tests verlassen darf. (Ersatzspeichen sollte man natürlich trotzdem dabei haben.)

Hier eine Liste der Pannen, die typischerweise auf einem Alpencross auftreten können und die man mit einem Multitool beheben können sollte:

  • Platter Reifen: Dafür benötigst du neben dem Flickzeug/Ersatzschlauch eine Pumpe und einen Reifenheber. Die Reifenheber, die in Multitools verbaut sind, sind für Notfälle geeignet, sind aber oft zu klein und fummelig für den häufigen Einsatz. Ich habe meistens einen größeren Reifenheber dabei, der bequemer zu bedienen ist und sowieso nichts wiegt.
  • Verschraubungen: Fast alle Fahrradteile sind mit Inbusschrauben befestigt und verschraubt. Das Allerwichtigste ist also ein kompletter Satz an Inbusschlüsseln. Damit kann man fast alles am Bike ab- und anmontieren. Benötigt werden in der Regel 2 / 2,5 / 3 / 4 / 5 / 6 / 8 mm Inbusschlüssel.
  • Justierung von Bowdenzügen: Für die Wartung bzw. den Austausch von Bowdenzügen (Schaltzügen) braucht man einen Kreuzschlitzschraubendreher.
  • Wartung von Hydraulikbremsen: An Hydraulikbremsen werden oftmals Torx-Schrauben verwendet. Man sollte einen T25 Torx-Schraubenschlüssel dabeihaben.
  • Austausch von Bremsbelägen: Hierfür genügt meist ein kleiner Inbusschlüssel.
  • Gerissene Kette: Um eine Kette auswechseln bzw. neu vernieten zu können, braucht man einen stabilen Kettennieter und einen Ersatznietstift. Ein Kettenfixierhaken erleichtert die Arbeit.
  • Lockere oder gerissene Speichen: Wenn man lockere Speichen nachziehen muss, braucht man einen Speichenschlüssel, der auf die Nippel der Speichen am Fahrrad passt. Es gibt unterschiedliche Ausführungen von Speichennippeln. Mit Schlüsseln der Größen 14G / 15G / Shimano sollten die gängigen Größen abgedeckt sein.
  • Gebrochenes Ausfallende: Für den Austausch des Ausfallendes benötigt man in erster Linie ein Ersatzausfallende, aber als Werkzeug einen Inbusschlüssel in der passenden Größe.

Wie gesagt, viele dieser Probleme lassen sich vermeiden, wenn man mit einem ordentlich gepflegten Rad losfährt. Hochwertige neue Mäntel helfen, einen Plattfuß zu vermeiden. Bowdenzüge sollte man vor der Abreise untersuchen. Hydraulikbremsen sollte man vor der Tour warten und die Bremsbeläge überprüfen. Eine abgenutzte Kette muss vor dem Alpencross ausgetauscht werden. Es ist sicherzustellen, dass keine Speichen locker sind. Die einzigen Wartungsarbeiten, die ich bisher auf einer Transalp-Tour durchführen musste, waren Bremsbelagwechsel (das ist jedes mal nötig), Kette ölen und ein paar lockere Speichen festziehen. Dennoch sollte man für alles gerüstet sein.

Das Topeak Mini 20 Pro wiegt nur 150 g, kostet um die 25 Euro und bietet folgende Funktionen:

  • Schlitzschraubendreher
  • Kreuzschlitzschraubendreher
  • Innensechskant: 2 / 2-L / 2,5 / 3 / 4 (2x) / 5 / 6 / 8 / 10 mm
  • Torx: T10 /T25
  • Speichenschlüssel: 14G / 15G / Mavic M7 / Shimano
  • Kettennieter (offiziell nicht für 11-fach-Ketten, funktioniert aber trotzdem)
  • Kettenfixierhaken
  • Nietstift-Kürzer
  • Reifenheber
  • Flaschenöffner

Das Tool ist robust, die Werkzeuge sind aus gehärtetem Chrom-Vanadium-Stahl und dennoch ist es sehr kompakt. Die recht kurzen Werkzeuge sind zwar nicht ideal für den alltäglichen Werkstattgebrauch. Das Mini 20 Pro ist aber auch nicht für die Werkstatt gedacht, sondern für Notfälle unterwegs. Reparaturarbeiten lassen sich damit sehr gut durchführen, durch den Alurahmen des Werkzeuges bekommt man auch eine ausreichende Hebelwirkung zustande.

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1 Antwort

  1. Martin sagt:

    Hi Andi, danke für die Anregung … werde mal schauen, ob mein Tool mit meinen Speichen kompatibel ist :-). Und nach Videos zur “Not-Zentrierung” suchen, denn ohne das Wissen, wie es geht, hilft auch das beste Werkzeug nichts. Zum Glück ist mir bei meinen sechs Alpenüberquerungen noch nie eine Speiche gerissen. Und man muss sagen: man kann auch mit einer gerissenen Speiche durchaus noch fahren! Nur richtig üble Belastungen sollte man dann meiden, sonst reisst wahrscheinlich bald die nächste…
    CU
    Martin

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