Kann das Coronavirus meinen Alpencross verhindern?

Das Coronavirus (COVID-19) hat sich längst zur ernst zu nehmenden Pandemie entwickelt. Ich mache mir natürlich Gedanken, ob diese Situation meinen Alpencross im Sommer gefährden könnte.

Ich bin weder ein Mensch, der Dinge verharmlost oder ignoriert, noch schwelge ich in Weltuntergangsszenarien und übertriebenem Pessimismus. Den öffentlichen Medien traue ich dabei nur bedingt. Nicht selten versuchen sie, durch reißerische Schlagzeilen und Dramatisierung Click- und Verkaufszahlen zu erhöhen, oder durch politisch motivierte Verharmlosung eine Panik zu vermeiden. Die Wahrheit liegt oft irgendwo dazwischen. Ich bilde mir meine Meinung auf Basis von Fakten und meiner eigenen Erfahrung und ziehe daraus persönliche Schlussfolgerungen. Dabei gilt natürlich immer, dass ich auch falsch liegen kann, doch grundsätzlich fahre ich damit sehr gut.

Die offiziellen Zahlen sind besonders in den ersten Wochen einer Pandemie immer unter dem Aspekt zu betrachten, dass sie in den meisten Fällen viel zu niedrig angesetzt sind. Das liegt teils daran, dass sie möglicherweise geschönt sind (China), oder dass sie gar nicht bekannt sind. Erfasst werden ja nur Fälle, die von einem Arzt bestätigt und registriert wurden. In Deutschland wird zum Beispiel Patienten empfohlen, nur im schweren Fall zum Arzt zu gehen, somit werden viele Fälle gar nicht erfasst. In den USA kostet der Arztbesuch mangels eines sozialen Gesundheitssystems viel Geld, weshalb Menschen Arztbesuche vermeiden und auch dort viele Fälle unerkannt bleiben. Außerdem sind viele Menschen bereits infiziert, die es selbst noch nicht wissen (Inkubationszeit).

Italien hat es von den europäischen Ländern am schnellsten erwischt. Das lag vor allem daran, dass Norditalien sehr intensive wirtschaftliche Kontakte zu China pflegt. Schon letzte Woche wurden in bestimmten Regionen konzentrierte Corona-Infektionen registriert, die Tendenz ist steigend. Rund ein Dutzend Gemeinden in der Lombardei und Venetien stehen heute unter Quarantäne („zona rossa“) und sind vom Militär abgeriegelt. Dort wird in den Supermärkten sogar das Essen rationiert. In wieweit sich diese Situation bis zum Sommer verschärfen oder entspannen wird, bleibt abzuwarten.

Das Virus ist längst in Deutschland und anderen europäischen Ländern angekommen. Aufgrund der Inkubationszeit von 1-3 Wochen bleibt das Virus lange unerkannt, während es bereits munter übertragen wird. Das ist eine der größten Gefahren der Corona-Pandemie. Bis es auch in Deutschland im großen Ausmaß zum Notstand, Quarantänemaßnahmen und Schließung öffentlicher Einrichtungen kommen wird, wird nicht mehr viel Zeit vergehen. Die Ausbreitung in Europa ist jedenfalls Besorgnis erregend, wie man in der Grafik unten erkennen kann (Vergleich 27.02. zu 03.03.2020 – mehr als eine Verfünffachung in Mitteleuropa innerhalb einer halben Woche).

In Bezug auf meine Mountainbike-Tour selbst sollte das Virus keine große Rolle spielen – vorausgesetzt ich bin bei der Abreise gesund. Ich werde durch Südtirol und die Lombardei fahren und bin auf keine Infrastruktur angewiesen, außer hin und wieder einen Supermarkt oder ein Restaurant. Eine Ansteckungsgefahr besteht für mich während der Reise praktisch nicht, da ich ja die meiste Zeit alleine sein werde.

Die Heimreise könnte schon komplizierter werden. Öffentliche Verkehrsmittel wie die Bahn sind im Epidemie-Fall grundsätzlich keine gute Idee. Es wäre auch denkbar, dass Zug- und Busverbindungen aus diesem Grund komplett eingestellt werden. Da bliebe nur die Möglichkeit, mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren. Dafür müsste ich etwa vier zusätzliche Tage einplanen, mit einer durchschnittlichen Fahrleistung von um die 100 km am Tag. Oder ich verschiebe den Alpencross um ein Jahr.

Es ist auf jeden Fall vernünftig, wachsam und vorbereitet zu sein. Dazu gehört in erster Linie ein starkes Immunsystem, da solche Erkrankungen besonders bei den gesundheitlich geschwächten Menschen gefährliche Auswirkungen hat. Gesunde vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung, wenig Alkohol, ausreichend Schlaf, regelmäßig Sport an der frischen Luft und ein vernünftiger Vitamin-D-Pegel sind dabei besonders hilfreich, und zwar unabhängig vom Coronavirus.

Wie die Entwicklung bis zum Sommer verlaufen wird, ist schwer vorherzusagen. Ich gehe davon aus, dass sich das Virus über die nächsten Monate stark ausbreiten wird. Es ist also vermehrt mit Reisebeschränkungen, Quarantäne-Situationen und Versorgungsengpässen zu rechnen. In welchem Ausmaß das im Sommer noch der Fall sein wird, darüber kann man jetzt nur spekulieren. Respiratorische Viren – wie es das Coronavirus ist – verbreiten sich besonders gut bei kühlen Temperaturen. Je wärmer es ist, desto schnell sterben die Viren an der Luft. Auch eine hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt die Übertragung des Virus. Man hat gelesen, dass es zum Sommer hin zu einem starken Rückgang der Ausbreitung kommen soll. Dies konnte jedoch bei den Epidemien von SARS und MERS (beides Coronaviren) nicht beobachtet werden!

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass ich meine Reise wie geplant durchführen kann. Dennoch bereite ich mich auf den ungünstigsten Fall vor, indem ich zum Beispiel keine Buchungen mache, die ich nicht mit geringen Kosten kurzfristig stornieren kann. Mein Training bleibt von der Entwicklung natürlich unbeeinflusst, zumindest solang ich selbst gesund bin.

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3 Antworten

  1. Thomas sagt:

    Ein paar Worte zu den jüngsten Entwicklungen? Grenzöffnungen kommen. Machst du den Ultracross?? Wie ist dein Trainingsfortschritt?
    LG
    Thomas

    • Gletschersau sagt:

      Hallo Thomas, aktuell hoffe ich auf Grenzöffnungen und plane, den Ultra Cross durchzuführen. Mein Training verläuft okay, aber noch nicht auf dem nötigen Level. Ich muss noch einiges drauflegen, um fit genug zu sein. Und vor allem noch Gewicht vermieten. Ich werde bestimmt noch darüber berichten.

  2. Gunther sagt:

    Mittlerweile wissen wir mehr – war wohl doch nur ein Fehlalarm und jetzt kommen sie nicht mehr ohne Gesichtsverlust raus aus der Nummer. Hoffe dein Ultracross klappt!

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