Verhalten bei Gewitter in den Bergen

Jeder, der in den Bergen schon einmal ein Gewitter erlebt hat weiß, dass es sich um eine Situation handelt, die nicht nur unangenehm, sondern auch sehr gefährlich sein kann. Auch ich bin schon öfter in den Alpen in ein Gewitter geraten. In der Regel begegnet man in der warmen Jahreszeit zwei verschiedenen Arten von Gewittern:

Gewitterarten

Im Sommer hat man es häufig mit Wärmegewittern zu tun. Durch starke Sonneneinstrahlung erwärmt sich die Luft am Boden stark. Gleichzeitig verdunstet das im Boden gespeicherte Wasser und steigt zusammen mit der warmen Luft auf, bis es die kalten Luftschichten erreicht. Das erkennt man meistens an einer raschen Bildung von Quellwolken. Wärmegewitter entstehen meistens am Nachmittag und Abend.

Häufig kommt es auch zu einem Gewitter, wenn eine Kaltfront im Anmarsch ist. Die herannahende Kaltluft schiebt sich unter die warme Luft, die dadurch aufsteigt, in den hohen Luftschichten durch Abkühlung kondensiert und sich in einem Gewitter entlädt. Im Gegensatz zu einem Wärmegewitter ist vor einem Kaltfront-Gewitter der Himmel oft klar und wolkenlos. Man kann deswegen ein solches Gewitter nicht so gut anhand der Wolken vorhersagen. Die Kaltfront transportiert kalte Luftmassen. Man muss also mit einer deutlichen Abkühlung besonders auf dem Berg rechnen, was eine weitere Gefahr darstellt. Auch im Sommer kommt es dabei nicht selten zu Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schneefällen.

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Eine Gewitternacht im Notbiwak auf meiner Tour durchs Kaisergebirge.

Sei vorbereitet!

Das Wichtigste ist, dass man auf ein Gewitter immer vorbereitet ist. Du solltest also unbedingt vor Tourbeginn (und bei mehrtägigen Touren täglich) den örtlichen Wetterbericht prüfen. Gefährliche Wettersituationen werden in der Regel zuverlässig zwei bis drei Tage im Voraus angekündigt. Wenn man mit einem Gewitter rechnet, kann man sich rechtzeitig darauf einstellen, die Etappe entsprechend planen und nach einem sicheren Unterschlupf Ausschau halten. Am Besten ist natürlich, wenn du bei Gewittergefahr den Aufenthalt in den Bergen ganz vermeiden kannst.

Normalerweise erkennt man ein Gewitter an den herannahenden Wolken. Du solltest jedoch bedenken, dass diese Wolken im Gebirge oft von einem Berg verdeckt werden können, während über dir der Himmel noch strahlend blau ist. In so einem Fall kann das Gewitter innerhalb weniger Minuten über den Bergrücken ziehen und dich vollständig überraschen.

Der Schall bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 340 m/s. Anhand des Zeitabstandes zwischen Blitz und Donner kannst du also herausfinden, wie weit das Gewitter von dir entfernt ist und ob es sich nähert, oder entfernt. Wenn du weniger als 3 Sekunden zählst, ist das Gewitter demnach höchstens 1 km von dir entfernt und es besteht das Risiko, dass ein Blitz in deiner Nähe einschlägt und dir gefährlich wird.

Verhalten bei akuter Gewittergefahr

  • Falls ein Gewitter über dich hereinbricht, solltest du dich keinesfalls an einer exponierten und ungeschützten Stelle aufhalten. Orte wie z.B. Berggipfel, Bergkuppen, Hügel, Grate, oder freie Almflächen solltest du unbedingt meiden!
  • Frei stehende Bäume, Masten oder Türme wirken wie Antennen auf den Blitz. Ihre Nähe solltest du vermeiden!
  • Achte darauf, dass dein Aufenthaltsort nicht steinschlaggefährdet ist! Auch durch einen Sturm umfallende Bäume oder herabfallende morsche Äste können gefährlich werden.
  • Davon abgesehen solltest du in einem Wald zumindest vor Blitzeinschlag relativ sicher sein. Es ist unwahrscheinlich, dass der Blitz gerade in einen Baum direkt neben dir einschlägt.
  • Höhleneingänge, enge Mulden, Überhänge oder Felsspalten können auch gefährlich werden, da an diesen Stellen ein Sekundärblitz überspringen kann.
  • Wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt, fließt ein hoher Strom durch den Boden. Der Strom fließt also auch durch dich. Je weiter deine Beine auseinander stehen, desto höher ist die so genannte Schrittspannung, die durch dich fließt. Deine Füße sollten also möglichst eng beieinander stehen. Du solltest dabei in die Hocke gehen, um nicht selbst wie eine Antenne zu wirken. Auf dem Boden zu liegen ist deshalb auch keine besonders gute Idee.

Hundertprozentig sicher kann man jedoch nie sein. Es wurden auch schon Leute vom Blitz getroffen, die sich während eines Gewitters in einer Schutzhütte aufgehalten haben.

Vom Blitz getroffen – Was nun?

Ein Blitzschlag muss nicht tödlich enden. Auch wenn du dich nach einem Treffer völlig gesund fühlst, solltest du sofort einen Arzt verständigen. Ein Blitzschlag kann zu inneren Verbrennungen führen, von denen du zunächst gar nichts mitbekommst. Diese können zu Nervenstörungen, Organschäden oder Herzversagen führen. Es besteht also die Gefahr, dass man innerhalb von 24 Stunden unerwartet stirbt.

Auch wenn man von einem Blitzschlag nicht getötet wird, leiden die Betroffenen oft für den Rest ihres Lebens an ungewöhnlichen Beschwerden. Von Panikattacken, Phantomschmerzen, Schlafstörungen, Gedächtnisverlust, Muskelschwund, bis hin zum Ausfall verschiedener Gehirnfunktionen kann alles dabei sein. Und das oftmals ohne irgendwelche äußerlichen Schäden.

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2 Antworten

  1. Valerie sagt:

    Was für ein fantastisches Foto !!!!!!!

  2. Fabienne sagt:

    Was für ein HAMMER Foto !!!!!! Und außerdem sehr nützliche Informationen !

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