Restaurierung des MTB aus dem Jahr 1991

Das Peugeot Magnum 800 ist ein Mountainbike mit dem Baujahr 1991. Ich habe es vor seinem sicheren Schicksal auf dem Recyclinghof gerettet in der Hoffnung, es so restaurieren zu können, dass damit eine Transalp möglich ist. Um es wieder in Schuss zu bringen waren ein paar Wartungs- und Umbauarbeiten notwendig. Ich möchte hier kurz beschreiben, welchen Aufwand ich investieren musste, um das Bike alpencrosstauglich zu machen.

Zunächst habe ich das Bike komplett zerlegt, um den Zustand der Lager und den Korrosionszustand des Stahlrahmens (CrMo) und der CrMo-Gabel zu beurteilen. Der Rahmen sah ziemlich mitgenommen aus. Größtenteils äußerlich, bis auf das verbogene Schaltauge, dass ich mit einer großen Zange und viel Kraft wieder in die richtige Position bringen musste. Am Rahmen sowie an der Gabel gab es zwar ein paar Roststellen, aber an keiner Stelle auch nur ansatzweise eine Durchrostung. Das war wichtig, weil ich ansonsten das ganze Bike hätte entsorgen bzw. eine neue Gabel hätte anschaffen müssen. Einige Schrauben waren übel korrodiert, während andere noch einwandfrei waren. Die Verschraubungen wurden vor dem Zerlegen mit WD-40 Rostlöser vorbehandelt. Dennoch war der Ausbau des Innenlagers ziemlich schwierig, da die Lagerschalen festgerostet waren. Das war der einzige Arbeitsschritt, bei dem ich mir von einer Fahrradwerkstatt habe helfen lassen. Dabei mussten zwei Fahrradmechaniker etwas Gewalt anwenden, der Rahmen blieb dabei glücklicherweise unbeschädigt.

Der Gewindesteuersatz war in einem guten Zustand. Er musste gründlich gereinigt und neu eingefettet werden. Die Lagerkugeln im Haltering waren noch in Ordnung. Den Vorbau und Lenker habe ich ersetzt, um die Geometrie etwas downhillfreundlicher zu machen. Der alte Vorbau war nämlich nach unten geneigt und der alte Lenker gerade, was mich zu einer sehr gebeugten Sitzhaltung auf dem Fahrrad gezwungen hätte. In einem Internet-Shop, der sich auf den Handel alter Fahrradteile spezialisiert hat, erhielt ich einen neuen 1 1/8″ Schaft-Vorbau aus CroMo mit 20° Neigung (nach oben natürlich). Dazu kam ein Standard Riser-Lenker, wie man ihn in jedem Fahrradgeschäft bekommt.

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Vorbau, Lenker und Steuerrohr

Kettenblätter, Zahnkranzkassette und Kette wollte ich wegen Verschleiß tauschen. Eine 7-fach Kassette (Shimano CS-HG50, 13-34 Zähne) war leicht zu bekommen. Mehr Ritzel wollte ich nicht haben. Außerdem hätte man ein 8- oder 9-fach Kassette gar nicht einbauen können, da es auf die 140 mm lange Hinterradachse nicht draufgepasst hätte und der Hinterbau für eine längere Achse zu schmal wäre.

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Übersetzungen mit der 2×7-fach-Kombination im Vergleich zum Enduro-Bike

Bei der Kurbelgarnitur entschied ich mich für eine SLX-Garnitur (FC-M675) mit nur zwei Kettenblättern (24-38 Zähne) und einem modernen Hollowtech II Innenlager. Die Übersetzung war somit ausgelegt für Uphill- und Trailbiking. Es würden mir lediglich die zwei größten Gänge fehlen, die ich voraussichtlich nur selten vermissen würde. Dazu kam eine 8-fach Kette von Shimano (CN-HG71, 6-/7-/8-fach). Der Einbau des Hollowtech-Lagers war kein Problem, da der Rahmen glücklicherweise ein Standard BSA-Gewinde hatte. Ich habe danach wieder die alten Käfigpedale mit Pedalhaken und Riemen montiert, da ich ja am ursprünglichen Aufbau nur das Nötigste verändern wollte. Ich fand die Dinger auch irgendwie cool.

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Modernes Hollowtech-Innenlager mit 2-fach Kurbelgarnitur

Das galt auch für die alte Cantilever-Bremsanlage. Ich hatte zuhause noch einen Satz neuwertige Shimano XT V-Brakes rumliegen und habe mir kurz überlegt, diese stattdessen zu verwenden. Ich habe mich aber doch für Nostalgie entschieden und die Canti-Bremsen behalten. Die mussten lediglich etwas eingefettet werden, neue Bremsklötze drauf und fertig. Die Brems- und Schaltzüge mit Hüllen habe ich komplett getauscht, da die alten verdreckt, korrodiert und schwergängig waren. Bei den Shimano-Sets waren jedoch viel zu wenige Hülsen für die Bowdenzughüllen dabei, da musste ich noch einige zusätzlich besorgen. Umwerfer und Schaltwerk wurden auch etwas gereinigt und gefettet, danach funktionierten sie wieder einwandfrei. Die Schalthebel waren in einem passablen Zustand.

Die Naben der beiden Laufräder waren gut in Schuss, sie fühlten sich nicht rau oder schwergängig an. Die Schnellspanner und die Sattelklemme mussten getauscht werden, aber davon hatte ich ohnehin noch genug zuhause rumliegen. Die Felgen waren sowieso in gutem Zustand, sodass ich lediglich die Schläuche und Mäntel ersetzen musste. Die alten Schwalbe Marathon wurden von gescheiten Schwalbe Stollenreifen abgelöst. Die Sattelstütze und das Sattelrohr mussten gründlich vom verharzten Fett gereinigt und neu eingefettet werden. Am Schluss kam noch der SQLab 610 active Sattel drauf, der mit seiner Elastomer-Dämpfung zumindest einen geringfügig verbesserten Komfort auf diesem ungefederten Bike bieten würde. Das fertige Retro-Bike wiegt 12,8 kg.

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Das fertig renovierte Retro-MTB

Die Kosten für die Renovierung dieses Bike-Klassikers beliefen sich auf:

20 EUR Ausbau Tretlager
9 EUR Schaft-Vorbau
16 EUR Riser-Lenker
4 EUR Klemmringe für Lenkergriffe
10 EUR Lenkergriffe
15 EUR 2 Paar Bremsschuhe
14 EUR Shimano Bremszugset
19 EUR Shimano Schaltzugset
5 EUR je 4 Hülsen für Brems- und Schaltzughüllen
15 EUR Shimano 7-fach Kassette
95 EUR Shimano SLX 2-fach Kurbelgarnitur mit Hollowtech II Innenlager
11 EUR Shimano 8-fach Kette
70 EUR 2 Schwalbe Nobby Nic Evo SnakeSkin PaceStar
3 EUR 2 Felgenbänder
125 EUR SQLab 610 active Sattel
——
431 EUR

Das ist kein sehr niedriger Betrag, wobei man auch sagen muss, dass die 125 EUR für den Sattel stark ins Gewicht fallen. Man hätte sicher auch den alten Sattel und billigere Mäntel verwenden, sich für sehr wenig Geld ein Vierkant-Innenlager besorgen und die alte Kurbelgarnitur weiter verwenden können. Ich wollte aber Nägel mit Köpfen machen und das Bike optimal für einen Alpencross ausstatten.

Ohne Sattel liege ich also bei etwas über 300 EUR. Bald wird sich zeigen, ob man mit einem Sperrmüllbike und einer so geringen Umbau-Investition einen anspruchsvollen Alpencross schaffen kann!!!

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2 Antworten

  1. Friedemann sagt:

    Hallo Andreas,

    herzlichen Glückwunsch zum vorläufig abgeschlossenen Projekt. Das Ergebnis überzeugt. Man würde gerne mal draufsitzen und das Fahrgefühl ausprobieren. Was Du sicher schon getan hast?
    Wir sind gespannt auf Berichte dazu.

  2. Jürgen sagt:

    Hallo Andreas,
    keine Frage das Bike ist gut geworden, aber wie auch immer, es bleibt und ist ein alter Gäbbel. :-)
    Früher waren es eben eher normale Fahrräder die etwas robuster gebaut wurden und mit geländegängigen Reifen versehen wurden.
    Keine Frage, auch mit dem Teil wirst Du den Alpencross schaffen, schließlich warst Du ja bereits früher mit solchen Teilen unterwegs.
    Ich finde es auch gut, dass Du immer wieder ein Konzept hast, aber das hat schone ein wenig was Masochistisches, wenn man Zuhause eine tolles Fully hat und dann mit einem so alten Hobel auf Reisen geht. Klar es ist alles ein wenig einfacher, einfachere Bremsen, keine Dämpfer, ….. Radfahren pur.
    Klare Empfehlung ist dennoch, mach damit ein paar Ausflüge, wenn es Dich nach Nostalgie gelüstet, aber für die richtigen Abenteuer würde ich Dir Dein Fully ans Herz legen.
    Ich selbst habe vor ca. 4 Jahren mein Giant Coldrock aus dem Jahr 1984 verkauft, da ich zwei andere Bikes haben die ein wenig neuer sind.
    Aber egal wie Du den diesjährigen Alpencross meisterst – ich freue mich schon wieder auf Deinen Film.
    In diesem Sinn Toi Toi Toi und viel Glück aus dem Schwabenland.

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