Neujahrs-Bergtour auf die Aiplspitz

Da es weder eine nenneswerte Feier noch einen Kater zu Sylvester gab, war ich am Neujahrstag früh wach und topfit und habe das herrliche Bergwetter genutzt, um zusammen mit meinem Wanderpartner eine Bergtour zu unternehmen. Es ging auf einer fast leeren Autobahn abgasfrei nach Geitau bei Bayrischzell.

Dort startete unsere Tour und ein steiler Karrenweg führte hinauf bis zur Käserei (die leider geschlossen hatte) an der Geitauer Alm. Es lagen im unteren Bereich nur etwa 20 cm Schnee. Die Strecke war bis dahin – abgesehen vom rutschigen Weg – problemlos gehbar. Danach endete der Karrenweg und es ging steil über einen Hang mit Schneeverwehungen weiter bergauf bis zum Bergrücken. Dieser Teil war ziemlich anstrengend, da wir an manchen Stellen bis zum Knie im Schnee einsanken und uns im Zickzack langsam nach oben arbeiten mussten. Eine zusätzliche Motivation war, dass wir bald eine Höhe erreichten, die nicht durch den Berg abgeschattet war und bei strahlendem Sonnenschein weiter wandern konnten. Auf dem Kamm angekommen hatten wir eine klare Sicht ins Voralpenland. Unter uns lag der Schliersee und man hat praktisch bis München blicken können.

Doch wir mussten weiter, da die Tage immer noch sehr kurz waren und wir vor Dunkelheit zurück beim Auto sein wollten. Dies wurde etwas erschwert, da wir nicht dem eigentlichen Weg gefolgt waren (der war bei den Schneeverhältnissen nicht mehr zu erkennen), sondern uns oben am Bergkamm durch tiefen Schnee und dichten Latschenkieferbewuchs kämpfen mussten, um zum letzten Anstieg zur Aiplspitz zu gelangen. Allein für diese etwa 300 m lange Wegstrecke brauchten wir eine Dreiviertelstunde. Gottseidank hatten wir Gamaschen dabei, sonst wäre das nicht möglich gewesen, da wir des öfteren knietief im Schnee versanken.

Dann standen wir vor der nächsten Herausforderung: Ein steiler felsiger Klettersteig lag zwischen uns und der 140 Meter höher liegenden Aiplspitz. Hier waren volle Konzentration und äußerste Vorsicht angebracht, da ein Ausrutscher böse hätte enden können. Wir nahmen uns die nötige Zeit, immer einen sicheren Tritt und einen guten Griff zu finden. Dies gelang an den meisten Stellen auch sehr gut, da der Schnee noch nicht zu hoch und der Fels griffig war. Mental war der letzte Aufstieg sehr fordernd, da man keine Sekunde lang abgelenkt sein durfte.

Von der Nachahmung im Winter würde ich eher abraten. Selbst im Sommer erfordert der Klettersteig Erfahrung, einen sicheren Tritt und Schwindelfreiheit.

Eine Stunde später hatten wir es schließlich geschafft und standen auf der 1760 m hohen Aiplspitz. Die Sonne schien und die Fernsicht war gigantisch. Im Norden lag das ganze Allgäu vor uns, im Süden ragten die schneebedeckten Gipfel des Alpenhauptkamms in den Himmel. Ein fantastisches Gefühl! Wenn uns der Wind nicht so eiskalt um die Ohren geblasen hätte, wäre dies der perfekte Ort für eine Brotzeit gewesen. Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen hatten, machten wir uns an den Abstieg über den Bergkamm Richtung Südosten. Dieser war wesentlich ungefährlicher und einfacher zu gehen und bald erreichten wir die Krottentaler Alm, wo wir unsere verdiente Brotzeit einnahmen.

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich nur ein kleines Müsli gefrühstückt. Ich kann mit meinem Fettstoffwechsel zufrieden sein, da ich unterwegs trotz der Anstrengungen nie wirklich müde wurde. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die bevorstehende Alpenüberquerung im Sommer. Wir folgten der Forststraße bergab bis zum Schlierseeer Segelflugplatz und erreichten nach etwa 7 Stunden anstrengender Wanderung das Auto.

Mein Ziel ist es, regelmäßig anspruchsvolle Touren zu unternehmen. Ab dem Frühling dann auch hin und wieder mit dem Mountainbike. Dadurch wird die Fitness wesentlich besser trainiert als beim Joggen. Man benötigt zwar mehr Zeit, aber dafür erlebt man etwas. Ich bin hochmotiviert für die bevorstehende Saison!

Gesamtstrecke: 12.98 km
Maximale Höhe: 1713 m
Gesamtanstieg: 936 m

4 Antworten

  1. Olaf sagt:

    Hallo Andy erstmal wünsche ich dir ein gesundes, glückliches, erfolgreiches neues Jahr. Und das du auf dich aufpasst auf allen deinen Abenteuern. Respekt Respekt vor deiner Wandertour. Hat mich gleich an meine Winter Wandertour erinnert (oberhalb von Montreux) ohne Schneeschuhe. Was für eine Schnapsidee. Gott sei Dank ist mir damals nix passiert.

    Schöne Grüße
    Olaf

    • Gletschersau sagt:

      Danke Olaf! Schneeschuhe hatten wir auch keine dabei. Aber solange man nicht permanent im Tiefschnee läuft, ist das auch okay. Für mich ein guter Trainingseffekt, sich ein wenig mehr anstrengen zu müssen. :)

  2. Pascal sagt:

    Hallo Andy.
    Erstmal Respekt und viel Erfolg für deine Pläne in 2021. Durch dich bin ich zum Mountainbiken gekommen und die Faszination Alpencross hat mich gepackt.
    Warum trainiert das, deiner Meinung nach, besser die Fitness? Meinst du damit die spezifische Fitness für deine Pläne oder generell? Ich freu mich auf mehr und hoffentlich eine schöne Videodoku wie man sie von dir gewohnt ist.

    Grüße

    • Gletschersau sagt:

      Hi Pascal,
      danke für deine Nachricht! Bersport hilft mir beim Training am meisten, weil man den ganzen Tag gleichmäßig belastet ist, während man beim Joggen nur 1-2 Stunden unterwegs ist. Das ist besser für die Grundlagenausdauer.

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