Leb wohl – es war schön mit dir!

Unzählige Jahre waren wir zusammen, haben viel gemeinsam durchgestanden und erlebt und waren fast unzertrennlich. Nach vielem Auf und Ab ist nun leider der Tag gekommen, an dem wir endgültig voneinander Abschied nehmen müssen.

Dieses Rohloff-Citybike war seit dem Neukauf 2010 fast täglich mein treuer Begleiter gewesen und hat mich bei Hitze, Regen, Schnee und Eis sicher durch den irren Dschungel der Münchner Stadt und den riesigen Speckgürtel transportiert. Ich war mit dem Bike von Germering nach Vaterstetten, von Freising nach Schäftlarn, und fast überall im Münchner Stadtgebiet gefahren. Das hat für meine Ortskenntnis in München unglaublich viel gebracht.

Den einen oder anderen Crash gab es auch, den sowohl das Bike als auch ich mit nur leichten Blessuren überstanden haben. Ich erinnere mich genau, wie ich in der Barerstraße einem achtlos ausparkenden Auto unerwartet ausweichen musste, mit dem Vorderrad in die Straßenbahnschiene geriet und den Abflug machte. Das Rad wurde in ein anderes fahrendes Auto hineinkatapultiert und ich hatte zwei Wochen lang einen grün-blau-violetten Hintern.

Oder an einem verregneten Herbsttag, an dem ich dem leichten Schlenker des laubbedeckten Isarrradweges folgte und dabei seitlich wegrutschte, als wäre ich auf Blitzeis gefahren. Nach einem lauten Scheppern und 5 Metern Rutschpartie sammelte ich meinen Bike-Panzer auf und fuhr mit ein paar Kratzern mehr am Körper weiter.

Die unzähligen Situationen, in denen mir durch Abbieger die Vorfahrt genommen wurde, ich von Autos übersehen oder absichtlich abgedrängt wurde, mich überholende entgegenkommende Autos beinahe frontal überrollt hätten, oder die Tiere achtloser Hundebesitzer mich beinahe zu Fall gebracht hätten sind zu viele, um sie zu beschreiben. Ebenso erwähnenswert sind die schönen und entspannten Momente an der Isar, an die ich mich immer gerne erinnern werde.

Über zehn Jahre harter Allwetter-Einsatz hinterlassen jedoch auch beim robustesten Bike trotz Wachsbehandlung Spuren. Es mussten nun einige Verschleißteile getauscht werden. Das Innenlager war durch, der Steuersatz hat seltsame Geräusche von sich gegeben und sowohl Kettenblatt als auch Ritzel waren stark verschlissen.

Da sich inzwischen Lager-, Achs- und Geometriestandards geändert hatten, war die Ersatzteilversorgung nicht mehr gewährleistet und ich hätte etliche Komponenten ersetzen müssen. Zum Beispiel gibt es für das Gabelschaft und die Gabel keine passenden Steuersätze bzw. Lagerschalen mehr zu kaufen, die Kurbelgarnitur lief über eine Vierkant-Achse und so weiter. Ich war die Felgenbremsen ohnehin leid und die Rohloff-Nabe ist eigentlich viel zu aufwändig für meinen Einsatzzweck. Deshalb hielt ich es für sinnvoller, das Bike zu zerlegen, die wertigen Einzelteile (vor allem die Rohloff-Nabenschaltung, die noch immer in einwandfreiem Zustand ist) zu verkaufen und den Rest zu entsorgen. Alles andere wäre mit zu hohen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden gewesen, und das hätte sich in dem Fall einfach nicht mehr gelohnt. Die damals recht teure Investition hat sich sowohl finanziell, als auch in Bezug auf meine Fitness und Gesundheit mehr als gelohnt. Die Gesamtfahrleistung von über 80.000 km entspricht ungefähr einer zweifachen Umrundung der Erde. Das muss ein Bike erst einmal durchstehen.

Die Erinnerungen, die ich mit den täglichen Fahrten auf dem Rohloff-Bike in Verbindung bringe, bleiben jedenfalls unvergessen.

2 Antworten

  1. Paul sagt:

    Danke für den liebevollen Kommentar. Gibt es schon ein neues Stadrad? lg Paul

    • Gletschersau sagt:

      Hallo Paul, derzeit noch nicht. Da ich kaum mehr mit dem Fahrrad in die Stadt fahre, hat das keine hohe Prio. Die Idee war, eventuell mein Carbon-Bike für solche gelgentlichen Fahrten herzunehmen. Wenn es einmal fertig wird.

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