China-Carbon-Hardtail Aufbauprojekt – Billig, leicht und trotzdem gut?

Vision

Ein neues Mountainbike-Aufbauprojekt soll mir den Corona-Herbst versüßen. Schon seit langem trage ich mich mit dem Gedanken, dass ich gerne ein Bike fahren würde, das für besonders lange oder besonders steile MTB-Touren gut geeignet ist. Mein 14-Kilo-Enduro ist für solche Touren schon teilweise ein Ballast. Ich habe dabei auch kurz an ein E-Bike gedacht, den Gedanken aber schnell wieder verworfen. Erstens habe ich noch Spaß daran, mir den Tourenerfolg vollkommen aus eigener Kraft zu erkämpfen und meine Fitness herauszufordern. Zweitens bin ich der Meinung, dass die Vorteile eines E-Bikes im Vergleich zu einem superleichten Bike dahinschmelzen. Die zusätzliche Power beim Bergauffahren erkauft man sich durch ein deutlich höheres Gewicht und träge Masse. Ich weiß genau, dass sich schwere Bikes bei weitem nicht so schön fahren, wie leichte.

Eckpfeiler

Nach einigen Recherchen wurde mir klar, dass man bei einem Leichtbau-Rad nicht um einen Carbon-Rahmen herumkommt. Im Vergleich zu einem Alu-Rahmen spart man sich locker 500-1200 g Gewicht. Für den Einsatzzweck ist ein Hardtail ebenfalls ideal, denn ich brauche kein Enduro, sondern ein spritziges Tourenbike. Durch den Verzicht auf einen gefederten Hinterbau kann man nochmal gut 2 Kilo von der Waage streichen. Da sich die 29-Zoll Laufradgröße inzwischen durchgesetzt hat und man kaum mehr 26-Zoll-Teile im Handel findet, muss wohl oder übel auch ein 29″-Rahmen her. Immerhin sorgt der größere Reifendurchmesser für etwas mehr Komfort auf dem Trail, was bei einem Hardtail nicht schaden kann.

Herausforderung

Ein fertiges Leichtbau-Carbon-Hardtail kaufen kann jeder, der über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Qualitativ brauchbare Hardtails mit diesen groben Spezifikationen kosten (bei einem Gesamtgewicht von 12-13 kg) locker 3.500 bis 4.000 EUR. Leider bekommt man dann nicht die Komponenten, die man gerne hätte. Mein „Problem“ ist, dass ich ganz genau weiß, was ich will und nicht will. Mein Ziel ist es,

  • die 11 kg Gesamtgewicht zu unterbieten.
  • möglichst gängige „Standardkomponenten“ zu verwenden, die gut zu warten und kompatibel zu meinen anderen Bikes sind.
  • keine Stabilitätskompromisse durch übertriebenes Gewichtsparen einzugehen.
  • auf einen Gesamtpreis von maximal 2.500 EUR zu kommen.

Dies ist eigentlich unmöglich, da allein ein brauchbarer Carbon-Rahmen im Handel schon 1.500 EUR oder mehr kostet. Ebenfalls sündhaft teuer sind Laufradsätze und eine Federgabel mit geringem Gewicht. Es ist also meine volle Kreativität gefordert.

Lösungsansatz

Die einzige Lösung für das Problem wäre, einen Carbon-Hardtail-Rahmen in China zu bestellen. Die bekommt man dort für erschreckend wenig Geld, mit 200 bis 600 EUR ist man im Geschäft. Allerdings kauft man auch ein gewisses Risiko mit ein. Ist die Qualität von Billigrahmen aus China wirklich brauchbar? Wie sauber sind sie verarbeitet? Wie sieht es mit der Gewährleistung aus? Ich habe zu dem Thema ausgiebig recherchiert und im Großen und Ganzen nur wenige Horrormeldungen gefunden. Die meisten namhaften Bike-Marken lassen ihre Rahmen sowieso in China produzieren. Man kann also davon ausgehen, dass chinesische Hersteller gute Rahmen bauen können. Theoretisch.

Ich habe mich also im Internet umgesehen, genauer gesagt bei AliExpress, und etliche Modelle miteinander verglichen. Das war nicht immer einfach, da die Beschreibung manchmal schwer verständlich ist, wenn der chinesische Originaltext von der Verkaufsplattform einfach durch ein Übersetzungsprogramm gejagt wurde. Auch waren alle technischen Daten nicht immer eindeutig ersichtlich. Insbesondere die Geometrie-Maße waren teils unvollständig.

Am Ende wurde ich fündig und bin das Risiko eingegangen, 280 EUR für einen Schrottrahmen aus China in den Sand zu setzen…

In den nächsten Tagen/Wochen werde ich auf Gletschersau.de die Komponentenauswahl und den Aufbau genau beschreiben. Am Ende wird es ein detailliertes Video zum Aufbau (ganz gleich ob Erfolg oder Misserfolg) geben.

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6 Antworten

  1. Klaus sagt:

    Klingt sehr interessant. Ich bin gespannt.

  2. Thomas sagt:

    Wird das dann das neue Bike für den Ultra-Cross? ;-))

  3. Bastian sagt:

    Hi,
    sorry wenn ich mal Kritik äußern muss aber hier verstehe ich Dein Vorgehen nicht. Ich glaube nicht, dass man die Qualität eines China Carbonrahmens ohne entsprechendes Equipment beurteilen kann. Heißt, man merkt es erst, wenn man damit im Gelände ist und da kann es schnell nach hinten losgehen. Für UVP 1400 Euro bekommt man z.B. bei Cube ein komplettes Carbon Hardtail (C62 Rahmen). Alle Komponenten verkaufen, die nicht passen und entsprechende Lieblingskomponenten kaufen und dranbauen. Mit dem Budget dürfte man da gut hinkommen und man hat Qualitätsarbeit. Auch bei Cube gibt es für UVP 3000 die Topreihe mit C68 Rahmen und kompletter XT Ausstattung. Kataloggewicht 9,7 Kilo. Ich weiß jetzt nicht, wie „speziell“ Deine Anforderungen sind aber würde jetzt mal behaupten, man kommt mit so einem Stangenbike hin. Ich wollte mir meine Räder auch immer selber aufbauen aber das ist (anders als bei einem PC Aufbau) immer um 30% teurer gewesen. Also kaufe ich mir das Stangenbike, welches meinen Bedürfnissen am nächsten kommt und bauen nach meinen Wünschen um. OK, bin Cube Fan und die Marke ist für gutes Preis/Leistungsverhältnis bekannt aber 2500 Euro für Fahrrad mit fragwürdigen China Rahmen oder 3000 Euro (Minus evtl. Rabatt) für deutschen Qualitätshersteller…ich würde da nicht lange überlegen.

    VG
    Bastian

    • Gletschersau sagt:

      Danke für deine Meinung! bei der 1400-EUR-Variante vom Cube Reaction C:62 würde ich fast keines der Anbauteile weiterverwenden wollen. Meine Wunschkomponenten würden im günstigsten Fall (Supersonderangebote) schon alleine um die 2000 EUR kosten, ohne Rahmen. Ich hätte keine Lust, ein Billigrad zu kaufen, es komplett zerlegen und die Einzelteile verkaufen zu müssen, um hinterher auf ein im besten Fall ähnliches Ergebnis zu kommen. Der Cube-Rahmen kostet nackt übrigens 550 EUR. Das ist gar nicht übel. Die Geometrie ist… naja… nicht ganz mein Fall.
      Ansonsten ist deine kritische Sicht auf China-Carbonrahmen zumindest verständlich. Es ist ein Experiment und ich habe auch nicht vor, mit dem Bike gleich auf die Downhill-Strecke zu gehen. Aber China-Rahmen sind meiner Meinung nach nicht grundsätzlich schlecht und bei dem Preis war es mir den Versuch wert. Gut möglich, dass der Rahmen deutlich besser ist als der von Cube.

      • Bastian sagt:

        Mit Cube war es nur ein Beispiel. Kann man sicher auch auf andere Marken (mit anderen Rahmengeometrien) übertragen. Wollte mit der Kritik auch eine Anregung geben, weil ich für mich das Thema „Selbstaufbau“ (wurde hier auch etwas von Deinem Downhill-Projekt inspiriert) finanziell keinen Sinn gemacht hätte. Obwohl ich echt Bock darauf hatte. Bin auf jeden Fall auf Dein Ergebnis gespannt und werde es auch verfolgen.

        VG
        Bastian

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