Benediktenwand-Rundtour

Das Wetter lud mit 27 °C und strahlendem Sonnenschein regelrecht zu einer ausgiebigen Trailtour im Alpenvorland ein. Also beschlossen wir, mit der BOB für günstige 20 EUR pro Person (inkl. Bike, hin und zurück) nach Lenggries zu fahren und dort eine neu ausgearbeitete Mountainbike-Tour rund um die Benediktenwand zu testen. Mit etwa 47 km Länge und einem Gesamtanstieg von 1600 Hm schien das Pensum auch für den Einstieg angemessen.

Vom Bahnhof Lenggries geht es zunächst knapp 2 km auf einem schönen Radweg entlang der Isar, der leider auch parallel zur stark befahrenen B13 verläuft. Dann aber verlässt man Lärm und Gestank, überquert die Isar und fährt über Forstwege und vereinzelte Trails gemütlich hoch bis zur Rautalm. Über einen kurzen technischen Trail landet man unten am Schwarzenbach. Der wird überquert und nach einem kurzen Tragestück am anderen Ufer erreicht man die Forststraße, die sich 4 km lang den Berg hoch bis zur Bichleralm zieht. Bei der kleinen gemütlichen Alm bietet sich eine kurze Pause an, bevor man einen von Kühen zerstampften Almweg überqueren muss, der schließlich in den Benediktenwand-Trail mündet.

Dieses Trailstück ist ca. 1,5 km lang, geht zunächst bergab und anschließend entlang der Höhenlinie. Der Pfad ist immer wieder von kleinen Felsstufen und größeren Wurzeln durchsetzt und eher technisch. Oft muss man das Bike mit Schwung und Kraft über solche Stufen lupfen, wenn man nicht ständig absteigen und schieben will. Das kostet viel Kraft und Energie. Flowig ist der Weg jedenfalls nicht, dennoch machte es viel Spaß, dort zu fahren. Es folgt ein kurzes Stück auf einer Forststraße, bevor man wieder in den Genuss eines Trails kommt, den ich „Glaswand-Trail“ nenne. Dieser ist ähnlich anstrengend wie der Vorgänger. Bald erreichten wir den Girgl-Fischer-Weg, wo entgegenkommende Wanderer uns warnten, dass man auf dem Weg nicht mountainbiken könne. Das gilt auch sicher für den normalen Tourenradler, doch unsere Enduro-Bikes fühlten sich hier richtig zuhause. Über teilweise sehr hohe Stufen und Treppen ging es im Zickzack steil bergab bis zur Orterer Alm, wo wir uns eine zweite Pause gönnten.

Hier merkten wir, wie viel Kraft uns die Trails bereits gekostet hatten. Doch immerhin hatten wir schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt und das Gröbste hinter uns. Dachten wir. Ab der Orterer Alm fuhren wir teils auf Forststraßen, teils auf Trails auf und ab und auf und ab. Während z.B. der Trail entlang dem Eibelsbach sehr schön war, konnte er nur mit großer Kraftanstrengung gefahren werden, ab und zu war es nötig zu schieben. Ähnlich sah es auf dem Trail am Sattelbach aus. Beim Waxenstein wurden wir durch eine rasante Forststraßen-Downhill-Abfahrt belohnt, danach kurbelten wir nach einer scharfen Rechtskehre weiter auf der Forststraße hoch zur Kirchsteinhütte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon ziemlich geschafft.

Beim Arzbach bogen wir links auf den Jägersteig ein, dem wir dann aber nicht weiter nach oben zum Gipfel des Brauneck folgten, sondern den Weg geradeaus zum Kogelberg nahmen. Am Kogelberg schoben wir größtenteils bergauf, da der Weg sehr steil war und uns einfach langsam die Kräfte ausgingen. Spätestens hier muss man die Routenwahl als nicht mehr optimal bezeichnen, da muss nachgebessert werden. Oben am Kogelberg endete der Weg, während die Karte eindeutig einen Pfad anzeigte, der bergab führen sollte. Den gab es aber offensichtlich nicht (mehr). Nach einiger Sucherei zerrten wir unsere Bikes über einen steilen Abhang bergab durch dichtes Unterholz, dann wieder nach oben, weil es nicht weiterging, dann an einer anderen Stelle wieder durch dichtes Gestrüpp hinab. Endlich erreichten wir wieder einen befestigten Weg, der die Skiliftstationen miteinander verband.

Wir fuhren über eine sacksteile Schotterstraße und ein Trailstück runter zur Reiseralm. Dann weiter bergab bis zum Traileinstieg des Bikepark Lenggries. Die angelegte Downhillstrecke ist jedoch nur 700 Meter lang, etwas enttäuschend für einen „Bikepark“. Man kann sich vom Tal die mit einem Bügellift hochziehen lassen. Jetzt war dort aber niemand mehr unterwegs, es war inzwischen schon fast 19:00 Uhr. Die Downhillstrecke ist trotz ihrer Kürze einigermaßen abwechslungsreich. Es gibt eine geniale Wurzelstrecke, ein paar nette Felsdrops und einige North-Shore-Aufbauten. Außerdem etliche Schanzen, deren Beschaffenheit aber von oben naturgemäß kaum einsehbar ist. Wenn man die Strecke also nicht kennt, sollte man erst einmal Vorsicht walten lassen. Ansonsten kann es schon mal passieren, dass man einen Double zu langsam springt und einen sauberen Überschlag hinlegt. :-) Glücklicherweise haben weder ich noch mein Bike Schaden genommen und wir kamen schließlich völlig erschöpft am Lenggrieser Bahnhof an, wo die BOB schon auf uns wartete.

Abschließend kann ich sagen, dass wir den herrlichen Sommertag perfekt genutzt haben. Auch wenn die Distanz und der Anstieg keine Gewalttour vermuten lassen, darf man die Wegbeschaffenheit nicht unterschätzen. Die sehr technischen Trails können zwar von geübten Enduro-Bikern größtenteils gefahren werden, jedoch erfordert das viel Geschick und kostet eine Menge Kraft. Die zweite Hälfte der Route ist alles andere als optimal und muss unbedingt überarbeitet werden. Es fällt auch auf, dass immer mehr E-Biker unterwegs sind, die gerne die steilen Forststraßen gemütlich zu den Almen hochradeln. Der Trend ist klar zu erkennen. Ich rechne damit, dass in 5 Jahren der unmotorisierte Mountainbiker die Ausnahme darstellt, wenn die Preise für E-Mountainbikes einmal ein vernünftiges Niveau erreichen. Ich werde dann wohl zu den Oldschool-Dinosauriern gehören, die ihre Ausdauer auch weiterhin regelmäßig auf die Probe stellen wollen…

Gesamtstrecke: 46.99 km
Maximale Höhe: 1445 m
Gesamtanstieg: 2022 m

Das könnte dich auch interessieren …

2 Antworten

  1. Gernot sagt:

    Hallo Andi,
    ich verfolge Deine Seite und die Berichte schon seit einigen Jahren. Vielen Dank für diese tolle und immer aktuelle Seite.
    Warum schreibe ich nun?
    Du sprichst mir mit Deinem abschließenden Statement zu den E-Mountainbikern aus der Seele. Vielen Dank für diesen Kommentar. Mögen die Oldschool-Dinosaurier nie aussterben.
    Gruß. Gernot
    Ich danke Dir für das

  2. Seppo sagt:

    Servus Andi,
    mir ging’s beim Lesen deiner Zeilen ebenso wie Gernot! Ein Hoch auf die Oldschool-Dinosaurier!
    Beste Grüße :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.