Große Karwendelrunde

Ein freier Tag mit herrlichem Sommerwetter – perfekt, um endlich einmal eine Trainingseinheit im Gebirge zu fahren. Ich habe mich für die knackige Karwendelrunde mit 65 km und 1900 Höhenmetern entschieden, denn an einem Arbeitstag ist das sonst so überlaufene Karwendel verhältnismäßig ruhig und ich wollte diese Gelegenheit nutzen. So konnte ich dieses schöne Gebirge in Ruhe genießen und auch ein paar Trails fahren, was am Wochenende aufgrund der vielen Wanderer kaum möglich gewesen wäre.

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Von Mittenwald bin ich auf einem Wander- und Radweg bis Scharnitz gefahren und dann ging es knapp 20 km und 800 Hm konstant durch das Karwendeltal bergauf bis zum Hochalmsattel. Das Karwendel ist das Eldorado der Elektrobiker. Selbst heute bin ich etlichen begegnet. Die für dieses Gebirge tyischen langen Forststraßen sind natürlich interessant für diese Art von Fortbewegung. Das Karwendeltal ist wunderschön und man kann die gesamte Strecke bis oben durchfahren. Ein optimales Cardio-Workout!

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Nach einer kurzen Pause ging es über einen steinig verblockten und teilweise recht anspruchsvollen Trail bergab, und hier wurden mir schnell die Grenzen meines ungefederten Retro-Bikes aufgezeigt. Unzählige brutale Schläge musste ich mit dem Körper abfangen, ein flüssiges Fahren war unmöglich. Bei möglichst niedrigem Tempo musste ich mir die ideale Linie zwischen den Gesteinsbrocken suchen, das Gewicht richtig verlagern und gleichzeitig mit den permanenten Stößen, die ungedämpft auf mich übertragen wurden, klar kommen. Zusätzlich wurden meine Hände und Arme stark in Anspruch genommen, da die Cantileverbremsen im steilen Gelände ein andauerndes festes Zupacken verlangen. Trotz all der Quälerei halte diese Art zu fahren für das optimale Trailtraining, auch wenn es mit einem Fully natürlich hundertmal mehr Spaß macht.

Irgendwo auf dieser Rüttelstrecke hat sich die Inbusschraube meines Schaltgriffes gelöst. Dass der Schalthebel nur noch am Bowdenzug runterhing ist mir erst weiter unten aufgefallen, weil ich die Schaltung auf dem Trail nicht gebraucht habe und mich sehr auf das Fahren konzentrieren musste. Nach einigem Überlegen kam ich auf die Idee, das Rad zu untersuchen, ob es irgendwo eine Schraube mit dem gleichen Gewindedurchmesser gibt, auf die ich eventuell verzichten konnte. Tatsächlich wurde ich fündig: Der linke Pedalhaken musste dran glauben. Er war mit zwei verrosteten Schrauben am Pedal befestigt, die genau das passende Gewinde hatten. Nach einer kurzen Reparaturaktion konnte ich die Tour ohne große Behinderung fortsetzen.

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Weiter ging es durch das Johannestal rasant bergab ins Rißtal. Weiter unten bin ich vom Hauptweg abgezweigt und kam dadurch noch einmal in den Genuss eines Trails, der mich nach Hinterriß brachte. Mein nächstes Ziel war die Vereineralm, doch um die zu erreichen musste ich mich noch einmal 700 Hm auf einer langweiligen steilen Forststraße nach oben quälen. Hier merkte ich, wie meine Ausdauer langsam an ihre Grenzen kam. Vielleicht wäre die Sache etwas ausgeglichener verlaufen, wenn ich mir vorher mehr Zeit für Pausen gegönnt hätte. Auch die Abfahrt vom Hochalmsattel ins Rißtal hatte mich einiges an Kraft gekostet.

Am Nachmittag kam ich endlich bei der Vereineralm an. Nach einer kurzen Pause ging es an die 8 km lange Forststraßenabfahrt, die ich teilweise in beängstigender Geschwindigkeit zurücklegte. Hier konnten die Schwalbe-Reifen ihren Grip unter Beweis stellen. Weiter unten legte ich eine kurze Pause ein, weil die Felgen ziemlich heiß geworden waren und ich Schäden am Mantel oder Schlauch vermeiden wollte. Es war gut vor dem Alpencross zu testen, wie die Hitzeentwicklung bei langen Abfahrten verläuft.

Insgesamt war die Tour ziemlich anstrengend und fordernd. Eine gute Übung für die bevorstehende Alpenüberquerung! Das Bike hat sich erstaunlich gut geschlagen, wenn auch der Fahrkomfort besonders beim Bergabfahren wie zu erwarten sehr begrenzt ist. Das Fahren kostet einfach mehr Kraft und erfordert im Gelände eine hohe Konzentration.

Gesamtstrecke: 61.88 km
Maximale Höhe: 1792 m
Gesamtanstieg: 2336 m

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7 Antworten

  1. Wolfgang sagt:

    hard and heavy, würd ich mal sagen, wie hat sich denn der Steuersatz verhalten bzw wie hast Du das Problem gelöst ?

  2. Patrick sagt:

    Hi!
    Wird es heuer wieder ein Alpencrossabenteuer von dir zu sehen geben ?

    LG
    Patrick

  3. Bastian sagt:

    Viel Spaß :-)

  4. Johannes sagt:

    viel spaß & gute fahrt :)

  5. Conrad sagt:

    Hört sich nach einem perfekten “Plan” an! Viel Spass!

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