Biwak-Bergsteigertour zur Soiernscharte

Als Vorbereitung für die bevorstehende Alpenüberquerung zu Fuß haben mein Freund und ich eine 2-tägige Bergsteigertour unternommen. Ziel war das Karwendel-Vorgebirge. Vor allem unsere körperlichen und bergsteigerischen Fähigkeiten sollten einem Test unterzogen werden, aber auch die Ausrüstung meines Begleiters. Mein Gepäck war ja schon mehrfach Alpencross erprobt.

Mit ca. 8 kg Gepäck (inklusive 2 Liter Wasser und etwas zum Essen) auf dem Rücken ging es in Krün los, das Wetter war bewölkt und für den Nachmittag war eine erhöhte Schauer- und Gewitterneigung angekündigt. Deshalb hatten wir vor, um die Mittagszeit die Schöttelkarspitze zu erreichen, um den etwas anspruchsvollen Aufstieg möglichst sicher und im Trockenen gehen zu können. So führte uns der ziemlich steile und anstrengende Pfad hinauf zum Felsenköpfl.

200 Höhenmeter weiter oben gabelte sich der Weg. Beide Wege verlaufen hier parallel zueinander bis zur Schafkehre, wo sie wieder aufeinandertreffen. Wir nahmen die obere Route über den Seinskopf, die häufig ausgesetzt am Grat entlangging und ein paar kleinere Kraxelpassagen enthielt. Da braucht man ab und zu beide Hände um sich festzuhalten, was recht abwechslungsreich war. Auf dem unteren Weg könnte man auch ohne Klettereinlagen wandern, aber wir wollten uns bewusst auf das schwierige Gelände unserer Alpenüberquerung einstellen. Besonders mit einem verhältnismäßig schweren Rucksack am Rücken ist das Bergsteigen ein wenig anspruchsvoller.

Beim Feldernkreuz auf 2050 m stößt man auf eine weitere kurze Kraxelstelle. Dort hatte ich vor fast 5 Jahren auf einer Mountainbike-Tour das Bike in umgekehrter Richtung hochgetragen. Wir überquerten einen Grat und hatten kurz danach das Gipfelkreuz der Schöttelkarspitze (2050 m) erreicht. Auch wenn es bewölkt war und immer wieder dichte Nebelschwaden über die Berge zogen, hatten wir bisher viel Glück mit dem Wetter gehabt. Nach einer Pause kamen wir ebenfalls trocken hinunter bis zu Soiernhaus. Da wir noch eine Menge Zeit übrig hatten, hielten wir dort für eine Brotzeit und konnten miterleben, wie dem Soiernhaus das Umweltgütesiegel verliehen wurde. Dabei geht es hauptsächlich um einen möglichst umweltverträglichen ökologischen Hüttenbetrieb, konkret Energieeffizienz und -versorgung, Abwasserklärung, sowie Abfallvermeidung und -entsorgung.

Da wir noch genug Energie hatten, stiegen wir weiter auf, bevor wir auf 1850 m Höhe unser Biwak aufschlugen und die Schlafsäcke ausrollten. Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, wurde es schlagartig kälter und nachts hatte es etwa 5 °C. Unsere Schlafsäcke erfüllten jedoch ihren Zweck und hielten uns warm. Die leichte Plane hielt die paar Regentropfen effektiv ab, die Abends vom Himmel fielen.

Am nächsten Morgen waren wir schon um 5:00 Uhr auf den Beinen. Die Morgensonne färbte die Bergspitzen orangerot, während wir auf dem schwierigen Pfad Meter um Meter Höhe gewannen. Es ging über steile Schneefelder und rutschige Geröllfelder kräftezehrend nach oben. Eineinhalb Stunden später hatten wir es geschafft und standen auf der 2110 m hohen Soiernscharte. Vor uns eröffnete sich in der strahlenden Morgensonne ein herrlicher Blick auf das Karwendelgebirge im Süden. Nach Norden konnte man weit in das Alpenvorland blicken. Ganz klar zu erkennen waren der Kochelsee, der Walchensee und der Starnberger See, sowie die umliegenden Berge.

Nun folgten wir dem Pfad am Bergrücken entlang über die Soiernschneid und den Feldernkopf, bevor wir nach einem kurzen Abstieg wieder am Feldernkreuz standen. Dort nahmen wir den steilen Weg runter zur Ochsenalm und weiter ins Tal, wo wir bei sommerlichem Wetter der Isar zurück bis Krün folgten. Bereits 13:00 Uhr waren wir am Ziel angelangt.

Die Tour hatte insgesamt eine Länge von knapp 25 km und einen Gesamtanstieg von 1800 Hm, die Wege teilweise ziemlich anspruchsvoll. Da wir an beiden Tagen bei Weitem nicht das mögliche Tagespensum ausgeschöpft hatten, war auf jeden Fall noch Luft für mehr. Für den Alpencross war eine durchschnittliche Tagesleistung von 15 km und 1200 Hm Anstieg geplant. Wir waren optimistisch, das schaffen zu können.

volle Distanz: 24.3 km
Maximale Höhe: 2160 m
Gesamtanstieg: 2245 m

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