Aufbau eines Freeride-Bikes Teil 4: Basisaufbau

Alle Teile sind geliefert, jetzt kommt die Stunde der Wahrheit. Spannung pur! Wird alles so zusammenpassen, wie ich mir das vorgestellt habe? In mehreren Schritten wird das Downhill-Bike nun aufgebaut. Ich beginne mit dem Basisaufbau. Der Rahmen wird vorbereitet, Innenlager und Steuersatz werden eingebaut. Außerdem wird die Federgabel angepasst und montiert.

Vorbereitung des Rahmens

Bevor Rahmen und Federgabel mit Fett oder Öl in Berührung kommen, werden die exponierten Stellen mit transparenter 3M Lackschutzfolie (PU 8591E) beklebt. Das schützt den Lack vor Aufscheuerungen und Steinschlag. Bei gebogenen Stellen hilft es, die Folie nach dem Aufkleben mit dem Fön zu behandeln, damit sie sich etwas erwärmt und optimal anschmiegt. Diesen Trick habe ich bei meinem anderen Fully schon mit Erfolg eingesetzt. Die transparenten Aufkleber sieht man hinterher praktisch gar nicht. Besonders betrifft dies die Hinterbaustreben, das Unterrohr und die Außenseite der Standrohre von der Federgabel.

Außerdem wird ein Kettenstrebenschutz aufgeklebt. Von den Neopren-Varianten mit Klettverschluss halte ich nicht so viel, sie verrutschen leicht und gehen schnell kaputt. Stattdessen verwende ich das MarshGuard Slapper Tape. Man kann auch ein passendes einseitig klebendes Isolierband verwenden. Zum Beispiel das 3M Isolierband Scotch 2228 (Butyl-Kautschuk 1,65 mm dick) oder Vergleichbares ist sehr gut geeignet.

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Steinschlagschutzfolie auf den Rahmen kleben

Einbau Steuersatz

Im nächsten Schritt werden die Lagerschalen für den Steuersatz oben und unten in das Steuerrohr eingepresst. Man braucht ein geeignetes Werkzeug, das beide Schalen gleichmäßig und vor allem gerade in das Steuerrohr presst. Die Lagerschalen müssen nämlich exakt parallel zueinander stehen. Ein Einpresswerkzeug kostet zwischen 30 und 200 EUR. Da man das Werkzeug nur sehr selten braucht, ist so eine Ausgabe meistens nicht sinnvoll. Man kann den Steuersatz entweder beim Fahrradmechaniker einpressen lassen, oder sich für ein paar Euro das Werkzeug selbst bauen:

Man besorge sich eine Gewindestande M10 oder M12, oben und unten je eine Beilagscheibe mit 50 mm Durchmesser, dahinter je eine Scheibe mit 30 mm Durchmesser, oben eine und unten zwei passende Muttern. Auf diese Weise kann man den Steuersatz durch das Festziehen der oberen Mutter problemlos von beiden Seiten gleichmäßig und gerade einpressen. Es kann auch helfen, die Lagerschalen vorher ins Gefrierfach zu legen, dann schrumpfen sie etwas und lassen sich leichter einbauen.

Achtung: Vorher sollte man überprüfen, ob das Steuerrohr sauber ausgefräst ist und keine Lackreste hineingelaufen sind. Denn sonst kann das Einpressen der Schalen sehr schwierig werden, weil sie sich verkanten. Bei zu viel Gewalteinwirkung während der Montage kann im Extremfall das Steuerrohr einreißen, dann wäre der Rahmen hinüber.

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Steuersatz-Lagerschalen einpressen

Einbau Innenlager

Viel ist beim Einbau des Hollowtech-Innenlagers nicht zu beachten. Der wichtigste Punkt ist, dass man den/die (normalerweise mitgelieferten) Spacer gemäß Anleitung einsetzt. Es muss die korrekte Anzahl von Spacern verbaut werden, sodass die Kurbel kein seitliches Spiel hat. (Die Anleitung kann man auch im Internet herunterladen.) In meinem Fall musste ich insgesamt drei Spacer einsetzen. Auf welcher Seite diese Abstandshalter aufgesteckt werden, muss man eventuell ausprobieren, wenn man die Kettenlinie etwas optimieren möchte. Das Gewinde wird großzügig eingefettet und das Lager eingeschraubt. Auf den Lagerschalen ist aufgedruckt, welche Schale auf welche Seite kommt und in welche Richtung sie eingeschraubt werden muss. Bei Innenlagern eines anderen Typs ist es ähnlich.

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Innenlager einbauen

Federgabel

Der Einbau der Doppelbrückengabel ist nur geringfügig komplizierter als der Einbau einer normalen Gabel. Wenn man eine Federgabel älterer Bauart (bis 2011) mit einem tapered Steuerrohr verwenden möchte, ist zu beachten, dass der konische Bereich der Gabel zur Länge des Steuerrohres passen muss. Denn manche ältere Gabeln hatten teilweise einen längeren konischen Bereich. Wenn man aber halbwegs aktuelle Modelle kauft (so wie hier), gibt es kein Problem.

Der Gabelschaft muss zunächst auf die passende Länge gekürzt werden. Dazu baut man den Steuersatz zusammen und führt den Gabelschaft ein. Wenn man die Gabel durch das Steuerrohr steckt, kommt das Oberteil des Steuersatzes drauf, bei Bedarf noch ein Spacer, dann die Gabelkrone und eventuell noch ein Spacer. (Die Spacer sind optional und legen nur fest, wie hoch der Lenker positioniert ist und ob man oben am Gabelschaft noch ein wenig Reserve haben möchte, falls man später einmal etwas umbauen möchte.) Nun markiert man den Gabelschaft dort, wo er oben herausschaut, und baut alles wieder auseinander. Der Gabelschaft wird etwa 2 mm unterhalb der Markierung abgeschnitten bzw. abgesägt. Es empfiehlt sich, danach die scharfkantige Schnittstelle etwas abzufeilen.

Achtung: In meinem Fall wird ein Direct-Mount-Vorbau verbaut, der nach dem Boxxer-Standard direkt an der Gabelkrone der Federgabel verschraubt wird (das geht nur bei entsprechenden Doppelbrückengabeln). Bei Verwendung eines herkömmlichen Vorbaus wird dieser an den oberen Teil des Gabelschaftes geschraubt. Die Höhe des Vorbaus kommt dann hinzu und ist bei der Kürzung ebenfalls zu berücksichtigen.

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Gabelschaft kürzen

Anschließend wird mit einem Einschlagwerkzeug und einem Hammer die Ahead-Kralle gleichmäßig eingeschlagen, und zwar gerade so tief, dass die Ahead-Schraube noch gut durch die Kralle geschraubt werden kann (etwa 1 cm unter dem Gabelschaftende). Bei der Rock Shox Boxxer sind an den beiden Tauchrohren Anschlaggummis angebracht. Diese verhindern, dass die Tauchrohre beim starken Lenkereinschlag (z.B. beim Sturz) an den Fahrradrahmen schlagen und diesen beschädigen. Falls die Anschlaggummis bei der Gabel fehlen, sollte man welche montieren.

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Ahead-Kralle einschlagen

Der untere Teil des Gabelschaftes und die Lagerschalen müssen etwas eingefettet werden, dann kann alles zusammengebaut werden: Gabel rein, Lager und Steuersatzoberteil draufstecken, (evtl. einen Spacer aufstecken,) Gabelkrone oben draufstecken, (evtl. noch einen Spacer) und Ahead-Kappe drauf, dann die Ahead-Schraube von oben einschrauben. Wichtig ist, dass die Gabel mit der Ahead-Schraube durch die Kralle vorsichtig so fest geschraubt wird, dass sie sich leichtgängig drehen kann, aber kein Spiel hat. Anschließend wird die Gabelkrone seitlich an den Tauchrohren verschraubt und mit den seitlichen Schrauben am Gabelschaft fixiert. (Wenn man keinen Direct-Mount-Vorbau verwendet, geschieht die Fixierung durch die seitlichen Schrauben am Vorbau.) Zum Schluss wird der Direct-Mount-Vorbau aufgeschraubt.

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Steuersatz montieren

Ausblick

Der schwierigste Teil der Montage ist nun abgeschlossen. Jetzt ist das Bike bereit für den Anbau sämtlicher Komponenten. Diese Gesamtmontage wird im nächsten Beitrag erläutert.

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2 Antworten

  1. Daniel sagt:

    erstmal, super beschreibung und anleitung, gut gemacht !
    hattest du auch probleme beim zusammenbau oder hat bei dir alles reibungslos geklappt ? bei mir ist das mit dem steuersatz immer ein geschiss, vielleicht hab ich 2 linke hände…

    • Gletschersau sagt:

      Es klappt nie reibungslos! Wenn man alle 1-2 Jahre mal ein Bike zusammenschraubt, hat man einfach nicht die Übung eines Fahrradmechanikers, der das täglich macht. Es gab natürlich kleine Fehler und Missgeschicke, die ich aber alle sofort bemerkt habe und recht einfach beheben konnte. So habe ich z.B. die Ahead-Kralle nicht exakt gerade eingeschlagen. Das hat dazu geführt, dass sich der Steuersatz nicht optimal festziehen ließ. Das Spiel war zwar minimal, könnte aber bei ständiger Belastung zu Schäden am Steuersatz führen. Also habe ich die schiefe Kralle rausgeschlagen (die war danach unbrauchbar) und eine neue Kralle mit mehr Sorgfalt eingeschlagen. Nun passt alles.

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