Alpencross 2018 Tag 4

Etappe 4: Bad Gastein – Pass Hagener Hütte – Mallnitz
Länge: 27 km
Gesamtanstieg: 1400 Hm
Gesamtabstieg: 1280 Hm


Nach einem guten Frühstück holten wir die Bikes aus der Garage und sattelten auf. Die Wetteraussichten für den heutigen Tag waren akzeptabel, ab Mittag war mit Regenschauern und Gewittern zu rechnen. Gut genug für uns, wir mussten halt möglichst bald den Gipfel überwinden. Heute stand mit der Überquerung des Alpenhauptkammes eines der Highlights unserer Transalp auf dem Programm.

Von Bad Gastein führt ein Radweg bis Böckstein. Anstatt wie 2013 links ins Anlauftal abzubiegen, ging es für uns rechts Richtung Sportgastein. Am besten man nimmt hier den Forstweg, der unten entlang der Naßfelder Ache bergauf geht. Die oberhalb verlaufende Straße wird ab Höhe des Heilstollens zur Mautstraße und ist dort für Radfahrer aufgrund des langen Tunnels gesperrt.

Von Sportgastein zieht sich ein leicht fahrbarer Wanderweg durch das malerisch schöne Hochtal bis zur Veitbauerhütte. Danach wird’s “boanig”, das Bike muss fast sofort auf die Schultern und wird dort für die meiste Zeit bis zum Gipfel bleiben. Schieben wäre auf dem Wanderweg sehr schwierig und kompliziert, da der Weg über gut 300 Hm in ganz schmalen tief ausgewaschenen Rinnen verläuft. Auch ein Abfahren wäre auf dem Weg fast unmöglich.

Ab der Wetterhütte auf dem Eselskar wird es etwas besser. Hier kann man manchmal auch schieben. Dennoch ließ ich das Bike größtenteils auf dem Rücken, da man mit dem ständigen Auf- und Abladen sonst aus dem Rhythmus kommt. Das Wetter war erstaunlich stabil. Auch wenn immer mal wieder ein paar Wolken die Sonne verdeckten, blieb es dennoch trocken und niederschlagsfrei.

Gegen Mittag erreichten wir schließlich die Hagener Hütte auf 2430 m. Die Sonne kam wieder verstärkt heraus und wir genossen eine ausgedehnte Ruhepause auf der Terrasse. Bei herrlichem Wetter folgte nun eine Abfahrt, die spritzig, flowig, teils anspruchsvoll, oder einfach nur cool war.

Die ersten 50 Höhenmeter bis zum alten Tauernhaus waren recht technisch. Danach ging es auf die Forststraße, wobei diese Bezeichnung eigentlich irreführend ist. Der Weg war zwar so breit wie eine Forststraße, jedoch oft steiler und vor allem viel felsiger. Dadurch war die Abfahrt kein sinnloses Downhill-Ballern, sondern man musste bei höherer Geschwindigkeit gut auf die felsigen Passagen und den unebenen Untergrund achten.

Ungefähr 600 Hm ging es unter diesen Umständen mit Tempo bergab durch eine herrliche Hochgebirgslandschaft. Und das bei perfektem Wetter, wo wir doch mit Regenschauern gerechnet hatten!

Nach der Jamnigalm nahmen wir nicht die Tauerntalstraße nach Mallnitz, sondern lenkten die Bikes auf einen Waldweg. Hier wurde es schwieriger. Denn der Singletrail enthielt stellenweise holprige Steinhindernisse, Wurzeln, enge Kehren und sonstige Schikanen, die uns zu einem niedrigeren Tempo und guter Fahrtechnik zwangen. Immer noch Spaß pur!

Irgendwann stießen wir auf ein Seitental, das ein Gebirgsbach (Schanigbach?) in den Hang eingegraben hatte. Das musste durchquert werden, um weiterzukommen. Das Seitental war aufgefüllt durch ein Altschneefeld, das vom Bach unterhöhlt worden war. Genau darüber führte der Wanderweg. Die Eisdecke war in der Mitte jedoch so dünn, dass wir eine Überquerung keinesfalls wagen wollten. Wir sahen uns die Sache erst einmal aus der Nähe genau an, um unsere Befürchtungen bestätigt zu sehen. Sollten wir nun umkehren?

Schließlich entschieden wir, auf der einen Seite des Baches die Räder ein Stück den Berg hinunterzutragen bis zum Ende des Schneefeldes, dann die Bikes auf der anderen Seite wieder hinaufzutragen. Das war zwar steil und rutschig, schien uns aber einigermaßen gut machbar zu sein. Gesagt, getan. Vorsichtig hangelten wir uns den Hang am Rande des Schneefeldes hinunter. Unten überquerten wir den Bach und stiegen am steilen Gegenhang wieder hinauf, um zum ursprünglichen Pfad zurück zu gelangen. Das gelang ohne Zwischenfälle, auch wenn die Anspannung dabei ziemlich hoch war. Solche unerwarteten Wendungen gehören zum Alpencross wie das Salz in der Suppe. Wichtig dabei ist, dass man einen kühlen Kopf behält, die Situation analysiert und dann die richtige Entscheidung trifft.

Auf der Weg-Fortsetzung ging es auf einem zugewachsenen Trail durch ein dschungelartiges Gelände, das uns schließlich auf einer Almwiese ausspuckte. Wir legten eine Pause ein und ließen die tollen Erlebnisse revue passieren, bevor wir auf einem abschüssigen Karrenweg das restliche Stück ins Tal absolvierten.

Als wir unten in Mallnitz ankamen, besuchten wir direkt die Touristeninfo, um eine Empfehlung für eine Übernachtung zu erhalten. Die Mitarbeiterin dort war jedoch wenig hilfreich, sie kannte selbst nur einen einzigen Gasthof in Mallnitz (den sie auch ständig empfahl), für weitere Informationen musste sie das Internet konsultieren. Das war jedoch ebenfalls uninteressant, da wir schon gesehen hatten, dass es wesentlich mehr Möglichkeiten gab als 5 Hotels, die auf ihrer Suchseite angezeigt wurden. Pensionen konnte sie überhaupt nicht ausfindig machen. Wir sahen, dass es keinen Sinn macht dieses tote Pferd zu reiten und machen uns selbst auf die Suche. Recht schnell fanden wir dann auch eine günstige Übernachtungsmöglichkeit und waren zufrieden.

Zum Abendessen besuchten wir eine benachbarte Gaststätte und ließen uns eine deftige sehr gute Mahlzeit schmecken.

Gesamtstrecke: 27.29 km
Maximale Höhe: 2438 m
Gesamtanstieg: 1591 m

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.