Alpencross 2016 – Resümee

Die diesjährige Transalp mit dem Schwerpunkt Dolomiten ist erfolgreich beendet. Martin und ich sind nach elfeinhalb Tagen erschöpft aber wohlbehalten am Gardasee angekommen! Unser Startpunkt war Kiefersfelden gewesen. Den Alpenhauptkamm haben wir in den Krimmler Tauern überquert. Danach folgten verschiedene Passüberquerungen in den Dolomiten und als Abschluss der geschichtsträchtige Monte Pasubio.

Eigenlob stinkt zwar, aber ich finde tatsächlich, dass mir die  Ausarbeitung der Route diesmal besonders gut gelungen ist. Das war mit Sicherheit der vielseitigste und erlebnisreichste Alpencross, den ich je gefahren bin. Sowohl landschaftlich, als auch in Bezug auf das Biken waren alle Varianten geboten. Bergauf ging es per Forststraßen, Seilbahnen oder zu Fuß, auch einige Tragestrecken waren dabei. Ich hatte versucht, möglichst viele anspruchsvolle und interessante Trails in die Transalp einzubauen, und ich denke ich habe das Maximum aus der Tour herausgeholt. Die Abfahrten waren oft fahrtechnisch schwierig und insgesamt unglaublich vielschichtig. Schotterpisten, Wurzeltrails, flowige Wald- und Wiesentrails, technisch schwere verblockte Felstrails, steile Spitzkehrentrails, ausgesetzte Hochgebirgswege, Geröllgestolper, zugewachsene Urwaldtrails, sogar eine Freeride-Strecke machten das Trailspektrum komplett.

Aufgrund mehrerer Seilbahnfahrten war die Dichte an Erlebnissen und Mountainbike-Abenteuern sehr hoch. Dadurch konnten wir zu unserem normalen Fahrpensum noch etliche Abfahrten hinzufügen. Anders hätte man diese Route in der Zeit gar nicht schaffen können. Man darf auch nicht unterschätzen, dass schwere Abfahrten ziemlich anstrengend und zeitaufwendig sein können. Die reine Kilometer- und Höhenmeterbilanz ist deshalb selten aussagekräftig.

Einige Passüberquerungen und Abfahrten haben viel länger gedauert, als erwartet. Wie zum Beispiel die Abfahrt von der Birnlücke, die Überquerung des Monte Maggio oder des Monte Pasubio. Sowas lässt sich vorher schwer einschätzen. Deshalb ist es bei einer so langen Transalp sinnvoll, einen Puffertag mit einzuplanen. Letztendlich haben wir den Puffer nicht gebraucht; wir sind einen Tag früher als geplant in Torbole angekommen. Was sich ebenfalls auf die Zeitplanung auswirkt  (und ich überhaupt nicht bedacht hatte) sind die Öffnungszeiten der Seilbahnen. Da kommt es schon mal vor, dass man nicht vor 9 Uhr wegkommt, bzw. nach 17:00 nicht mehr weiter kommt, obwohl man eigentlich noch gut 3 Stunden leisten könnte.

Das Wetter war außergewöhnlich wechselhaft. Es gab fast keinen Tag, an dem es nicht mindestens einmal geregnet hätte. An zwei oder drei Tagen wurden wir völlig durchnässt. Am unangenehmsten war sicher die Etappe über den Tognola und den Passo Cinque Croci. Da waren wir fast den ganzen Tag bei Starkregen und Gewitter unterwegs und völlig durchgeweicht und durchgefroren. Das Wetter war auch der Grund, weshalb wir viel seltener biwakiert haben als geplant und uns öfter mal eine Nacht in einer Pension gegönnt haben. Das war einfach nötig, um die Ausrüstung wieder trocken zu bekommen. Einmal haben wir sogar schon am frühen Nachmittag Schluss gemacht, um eine Regenfront auszusitzen und den “schönsten Trail der Alpen” bei der Marmolada am nächsten Tag bei Sonnenschein genießen zu können. Auch wenn das einige Überzeugungsarbeit bei meinem Reisepartner erfordert hat, war es im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung gewesen. Das ist eben der Vorteil einer flexiblen Etappenplanung.

Ausrüstungstechnisch war bei mir alles bestens. Vermisst habe ich lediglich ein paar Regenüberschuhe, die ich bisher noch nie auf einem Alpencross gebraucht hatte, aber diesmal wegen des lang anhaltenden wechselhaften Wetters für weniger nasse Füße gesorgt hätten. Außerdem wäre eine bequeme Unterhose angenehm gewesen, um wenigstens abends und nachts den engen Radlunterhosen entkommen zu können. Auch das ist bei einer einwöchigen Tour normalerweise nicht so wichtig. Ich hatte keine unnötigen Gegenstände dabei. Der Gewichtsvorteil, den ich mir durch das Reisen zu zweit erhofft hatte, kam nicht ganz zum tragen. Eher im Gegenteil, da ich ja das 2-Personen-Tarp im Gepäck hatte und trotzdem Kameraausrüstung und Werkzeug transportiert habe. Aber der schwere Rucksack war auf der ganzen Reise für mich kein Problem.

Pannen gab es keine nennenswerten. Wir hatten beide je einen Snakebite. Ich, weil ich dummerweise den Luftdruck meines Hinterreifens vor einer schweren Abfahrt  (vom Limojoch) auf ca. 2,2 bar reduziert hatte. Martin, weil sein fünffach geflickter Schlauch schleichend Luft verloren hatte. Meine hintere Schaltung lief an den letzten Tagen nicht mehr sauber und ließ sich auch nicht mehr richtig justieren. Das hat mich zeitweise etwas genervt. Ich vermute, dass der Schaltzug, den ich einige Wochen vorher ausgetauscht hatte, minderwertig war und durch die viele Nässe angerostet bzw. schwergängig geworden ist. Ich habe alle schwierigen Abfahrten ohne Sturz überstanden. Außer der üblichen durch Pedale und Gestrüpp zerschundenen Schienbeine und zweier Zeckenstiche gab es  keinerlei Verletzungen.

Kann es ein besseres Fazit für einen Alpencross geben? Eigentlich nicht! Die Aktion war aus meiner Sicht ein voller Erfolg und ein fantastisches Abenteuer, auch wenn mehr Sonnenschein sicher zeitweise für bessere Stimmung gesorgt hätte.
Nun muss erst einmal eine riesige Menge  (ca. 70 GB) Videomaterial gesichtet werden. Da Martin beim Filmen ebenfalls kaum zu bremsen gewesen ist und die Filmerei zu zweit viel leichter machbar war, kann ich bei der Erstellung des Dokumentationsvideos aus dem Vollen schöpfen. Um die Zuschauer nicht zu Tode zu langweilen werde ich mir irgendwas einfallen lassen, um aus dieser Menge einen abwechslungsreichen Kurzfilm zu schneiden.

Die Kamera Panasonic Lumix DMC-TZ101 hat sich als überaus brauchbar erwiesen. Bild- und Videoqualität sind top, der Funktionsumfang sehr umfassend und der große Zoombereich äußerst praktisch. (Ich sage nur: Murmeltier in Großaufnahme!) Anders als geplant habe ich auf Videoaufnahmen in 4k-Qualität weitestgehend verzichtet, um die Datenmengen nicht ins Unermessliche anwachsen zu lassen. Das fehlende Klappdisplay habe ich kaum vermisst, was daran lag, dass ich diesmal selten Selbstaufnahmen machen musste. Die Kompaktheit dieser Kamera ist für das, was sie bietet, einfach erstaunlich!

Was sind die Pläne für nächstes Jahr? Ich habe keine Ahnung! Zunächst einmal muss der Dolomitencross verarbeitet werden. Aber: Nach dem Alpencross ist vor dem Alpencross!!!

blog_2016_08_06

Birnlücke in den Krimmler Tauern – 2670 m

Das könnte Dich auch interessieren …

8 Antworten

  1. Ralph sagt:

    Gratulation, willkommen zurück und eine Wahnsinnsleistung von euch beiden! Dieser erste Kurzbericht, der macht bereits Appetit auf die kommende Videozusammenfassung.
    Bin echt gespannt wie du das viele Material dann schneiden wirst. Mir persönlich gefällt eine gesunde Mischung aus knackigen Highlights und wenigen, gezielt eingesetzten längeren Videopassagen als Abwechslung auch viel besser als ein Film, der sich unnötig zieht.
    Was dieses Jahr in Sachen Regen los ist, das habe ich mich in München den ganzen Juli lang gefragt. An so einen einzigartigen Traumsommer wie 2015 können wir uns wohl leider doch nicht gewöhnen. Aber dann halt beim nächsten Mal mit bequemer Unterhose und Regenüberschuhen über die Alpen!

  2. Georg sagt:

    Dem kann ich mich anschließen. Ich bin letztes Jahr bei Sonnenschein und 30 Grad über die Alpen gedemmelt. Habe zwar dafür zuhause noch ein zwei Fronten mit Hummeln im Hintern aussitzen müssen, im Gegenzug war das Wetter dann aber bestes! Ich habe nicht ein mal das Tarp zum biwakieren gebraucht und auch meine Regenjacke ist nur mal tropfenweise nass geworden. Besser hätte der erste Alpencross nicht laufen können :)

    Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht so recht mitspielen wollte – Glückwunsch zum überstandenen Dolomitencross! Die Aufnahmen werden schon sehnsüchtig erwartet…

  3. Carmen sagt:

    Gratulation für den erfolgreich absolvierten AlpenX !!!!

    Ich scharr schon wieder mit den “Hufen” und freu mich wieder auch das neue Video! Besonders weils diesmal um die Dolomiten geht ;0))

    Ride on Jungs

  4. Manuel sagt:

    Danke für deine Videos!
    Sie sind extrem motivierend und ich habe sie mir schon mehrmals abgeschaut. Ich plane 2017 auch eine Tour zu starten, allerdings muss ich da konditionell noch etwas aufbauen :-)…kann das Video des Alpencross 2016 kaum erwarten

    Grüße aus Tirol,
    Manuel

  5. Peter sagt:

    Sieht auch richtig gut aus mit dem Stahlfederdämpfer, da macht das Bike gleich mehr her.
    Es wäre schön, wenn du noch ein Foto des ganzen MTB mit dem Dämpfer machen könntest.
    Die Gleitlager solltest du übrigens nicht fetten, weil sie einerseits selbstschmierend sind und andererseits gefettet mehr Dreck anziehen als wenn sie trocken laufen. Außer du reinigst und fettest nach jeder größeren Schlammschlacht nach, was bei der einfachen Demontage eines Dämpfers noch nichtmal unrealistisch ist. Wobei man sich in der Regel eher bei der Federgabel ein sensibleres Ansprechverhalten und kleineres Losbrechmoment wünscht als beim Dämpfer.

  6. Stefan sagt:

    Hallo Gletschersau vorab eine echt informative Seite hast du da, die uns sehr bei unserer ersten Transalp in 2016 geholfen hat. Jetzt habe ich mal wieder bei dir vorbeiheschaut und über deine Aufwertungen/Umbauarbeiten am Rad gelesen. Ich selber kann natürlich nicht darüber urteilen, ob ein System wie du es jetzt verbaust besser ist- da ich mit einem Fox/DT Swiss Fahrwerk unterwegs bin und den Unterschied nicht kenne. Klar Stahlfeder ist einfacher zu warten als Öl/Luft. Dein Argument, dass der Service an einer fox kompliziert und teuer ist kann ich nicht teilen. Ich selber fahre eine Fox Talas32 RLC mit 150mm, jetzt nach 5 Jahren war der erste kleine Service fällig. Ich habe sie nicht eingeschickt sondern durch Videos und einer Anleitung von der Bike einen Service selber durchgeführt. Kinderleicht mit ein wenig Verständnis. Kosten für ein kleines Servicekit+ Öl 34 Euro. Den Service habe ich auch nur gemacht, da der Dustwiper auf der Ölseite hin war. KLAR SCHICKT MAN IHN EIN LASSEN SICH DAS ALLE teuer BEZAHLEN auch Rockshox. Was ich damit sagen will, an Fox Federelementen kann man vieles günstig selber warten. Ist alles gut eingestellt hat mich meine Fox noch nie im Stich gelassen.

    Viele Grüße aus einem der schönsten Mittelgebirge unserem Harz

    • Gletschersau sagt:

      Danke Stefan für die Information! Ich teile leider nicht deine guten Erfahrungen, besonders bei Fox. Sowohl ich, als auch mehrere Bekannte von mir hatten nur Probleme mit den luftgefederten Gabeln. Einen Dustwiper auszutauschen, das traue ich mir bei einer Luftgabel auch zu. Aber die Probleme lagen eher in dem suboptimalen Ansprechverhalten. Vielleicht lag’s auch daran, dass die Gabeln nicht die Spitzenmodelle waren. Luftgabeln sind nicht grundsätzlich schlecht. Ich fühle mich jedoch wohler mit einer Technik, die einfach, robust und gut beherrschbar ist, auch wenn sie etwas mehr wiegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.