Wie spare ich Gewicht beim Gepäck?

Sowohl für einen Mountainbike-Alpencrosser, als auch für jemanden, der mehrtägige Wanderungen in den Bergen oder anderen Regionen unternimmt, spielt das Gewicht des Gepäcks eine wichtige Rolle. Die persönlichen Vorlieben sind dabei höchst unterschiedlich. Vom Abenteuerer mit dem 40-Kilo-Schrank im Kreuz bis hin zum Ultraleicht-Backpacker mit einer Fünf-Kilo-Tüte auf dem Rücken sind in den Bergen die unterschiedlichsten Spezies vertreten. Doch wie viel Gepäck ist nötig und wie viel Gewichtseinsparung ist sinnvoll?

Ein möglichst leichter Rucksack hat viele Vorteile. Er belastet den Rücken weniger, schont besonders beim Wandern die Kniegelenke, ermöglicht beim Biken in schwierigem Gelände mehr Kontrolle und Stabilität, und man spart Energie vor allem bergauf. Trotzdem dürfen wichtige Ausrüstungsgegenstände nicht fehlen. Die Ausrüstung dient vor allem der Sicherheit, und zwar in Bezug auf die Pannensicherheit und die Bergsicherheit (Schutz vor Wetter und Unfällen). Hier gilt es also, den besten Kompromiss zu finden.

Kleidung

Bei der Kleidung wird man leichte Funktionsmaterialien bevorzugen. Hochwertige Materialien tragen oft zu einem höheren Wohlbefinden bei geringerem Gewicht bei. So sorgt z.B. bei der untersten Kleidungsschicht Merino-Wäsche für ein angenehmes Klima bei wenig Gewicht. Bei der äußeren Wetterschicht schützt eine hochwertige Membran gut vor Regen und transportiert gleichzeitig Schweiß nach außen. Das ist gepaart mit einem geringen Gewicht und Packmaß. Das Packmaß spielt besonders bei Kleidung eine wichtige Rolle. So sind zum Beispiel die meisten Fleecejacken ziemlich voluminös und billige Regenbekleidung lässt sich oft nicht klein zusammenrollen. Wenn man einen sperrigen Rucksack verwendet, leidet der Komfort und die Agilität beim Wandern und besonders beim Biken. Denn je größer ein Rucksack ist, desto mehr behindert er bei Outdoor-Aktivitäten.

Am wichtigsten bei der Kleidung ist jedoch, dass man nur das Nötigste mitnimmt. Überflüssige Kleidung ist der häufigste Grund für überfüllte Rucksäcke. Meiner Meinung nach benötigt man die unterste Kleidungsschicht aus hygienischen Gründen zweimal (Socken, Unterwäsche). Wenn die Sachen verschwitzt sind, kann man sie rauswaschen und während sie trocknen den zweiten Satz tragen. Funktionskleidung trocknet zudem schnell. Eine Hose muss während einer einwöchigen Tour normalerweise nicht unbedingt gewaschen werden, eine Jacke sowieso nicht. In den Bergen hat man idealerweise zwei verschiedene Hemden dabei, nämlich ein leichtes für warme Tage und ein wärmendes für kühle Tage. Wenn man Gewicht reduzieren will, kann man die Tageskleidung auch nachts tragen und spart sich somit noch einen zusätzlichen Satz Schlafklamotten.

Nahrung/Wasser

Wenn man sich dazu entscheidet unterwegs zu kochen, wird man eine Menge zusätzliche Gegenstände mitnehmen müssen. Kocher, Brennstoff, Topf und Besteck machen selbst bei extrem leichten Lösungen um die 500 Gramm aus. Außerdem sind sie sperrig. Wenn man kalte Nahrung mitnimmt, spart man sich den Aufwand. Bei den mitgeführten Lebensmitteln (ganz gleich ob gekocht oder kalt) sollte man etwas vorausplanen. Wo kann ich meine Nahrungsmittelvorräte auffüllen? Esse ich die Sachen wirklich gerne am Berg, oder bringe ich sie wieder mit nach Hause? Kann ich vielleicht unterwegs irgendwo einkehren?

Die Vorausplanung betrifft ganz besonders das Wasser. Denn wenn man Sport treibt, muss man viel trinken, ob man das Wasser nun pur trinkt oder zum Kochen verwendet. An einem anstrengenden Tag verbraucht man schon mal gut 6 Liter. Bei Übernachtungen muss man noch eine Ration Wasser zusätzlich einplanen. Oft kann man anhand der Karte vorab einschätzen, wo es Möglichkeiten gibt, die Wasserbehälter nachzufüllen. Es macht keinen Sinn, 4 Liter den Berg hochzuschleppen, wenn man unterwegs an einer Quelle oder einem Bach problemlos auftanken kann. Wasser wiegt viel, darunter wird man in einem wasserarmen Gebiet besonders leiden. Es ist auch wichtig, sich vorab über die Wasserqualität im Reisegebiet zu informieren. Davon hängt ab, ob man Mittel zur Wasseraufbereitung mitführen muss oder nicht.

Schlafmöglichkeit

Wenn man im Freien übernachten will, muss man eine Menge Gepäck zusätzlich einplanen. Man benötigt eine isolierende Unterlage (Isomatte), einen an die Klimaverhältnisse angepassten Schlafsack, einen Regen- und Wetterschutz (Biwaksack/Tarp/Zelt). Bei diesen Ausrüstungsteilen gibt es große Qualitäts-, Gewichts- und Größenunterschiede. Es lohnt sich also, etwas tiefer in die Tasche zu greifen und zu hochwertigen Produkten zu greifen. Selbst wenn man besonders leichte Artikel wählt, muss man mit einem Zusatzgewicht von mindestens 1500 g rechnen, von dem zusätzlich benötigten Platz im Rucksack ganz zu schweigen. Einen großen Unterschied macht es, ob man ein sturmsicheres doppelwandiges Zelt braucht, oder ein Tarp bzw. Biwaksack ausreicht. Richtige Expeditionszelte sind sperrig und wiegen mehrere Kilogramm, während man bei einem Tarp schon mit 300 g und kleinem Packmaß auskommen kann. Bei Zweitagestouren ohne Niederschläge kann man eventuell auch ganz auf eine Überdachung verzichten.

Sonstige Gegenstände

Bei der restlichen Ausrüstung sollte man vor allem auf alles verzichten, was nicht unbedingt gebraucht wird. Man kann 150 ml Zahnpasta- oder Cremetuben auch als 10-Gramm-Minituben für 1 Euro in der Drogerie kaufen, oder selbst in kleine Döschen abfüllen. Wie viele Ersatzakkus, Ladegeräte und Kabel brauche ich wirklich? Muss z.B. ein Handy oder GPS-Gerät ständig eingeschaltet bleiben? Welches Werkzeug wird benötigt und wie viel wiegt es? Brauche ich Ersatzteile etc.? Man wird mit jeder Tour neue Erfahrungen sammeln und schnell herausfinden, welche Gepäckstücke nutzlos waren oder was gefehlt hat.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie sehr man jedem Gramm hinterherjagen möchte. Wenn ich mit hohen Kosten und hohem Aufwand irgendwo 200 g einspare, das vielleicht noch auf Kosten der Qualität oder Stabilität, sollte ich hinterfragen, ob sich das wirklich lohnt. Wenn ich zum Beispiel einen Alpencross mit ultraleichten Reifen fahre, muss ich eher mit Pannen rechnen. Oft ist es sinnvoller, das eigene Körpergewicht zu optimieren und so locker 1-5 Kilo Körperfett abzunehmen, anstatt den Griff der Zahnbürste abzusägen und so 2 Gramm zu sparen. Letztendlich ist es egal, ob man das Gewicht im Rucksack oder im Körper herumträgt. Außerdem kostet Abspecken nichts und sorgt zusätzlich für ein angenehmeres Körpergefühl.

Wer nach ein paar konkreteren Tipps sucht, wird hier auf meiner Ausrüstungsseite fündig. Wie immer ist vieles Geschmacks- und Ansichtssache. Gepäckeinsparung ist letztendlich immer auch ein Komfortverzicht, und damit ist es wieder eine sehr individuelle Angelegenheit. Der Artikel soll lediglich ein paar Hinweise geben, wo man beim Gepäck ansetzen kann. Die beste Methode ist natürlich, ausprobieren und die eigenen Schlüsse ziehen.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.